Eines der Besonderheiten des F3-Programms: Die Stadtwerke Heidelberg stellen Hochschulabsolventen ohne konkrete Planstellen mit unbefristeten Verträgen ein. Der ungewöhnliche Ansatz ist sehr erfolgreich. Die Teilnehmenden konnten in bereichsübergreifenden Projekten – vom digitalen Zwilling der Stromnetze bis zur smarten Fernwärme-Hausstation – schnell Verantwortung übernehmen.
Frau Ittah, welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Initiative gemacht?
Über das F3-Programm haben wir hochqualifizierte und motivierte Mitarbeitende gefunden, die schnell Aufgaben übernommen und sich so ins Unternehmen hineinentwickelt haben. Oft arbeiten die F3-ler in bereichsübergreifenden Projekten.
Können Sie Beispiele nennen?
Bisherige Beispiele waren der Aufbau eines digitalen Zwillings unserer Stromnetze, die Konzeption und Vorbereitung eines wechselwarmen Netzes oder die Entwicklung einer smarten Fernwärme‑Hausstation.
Das F3-Programm
Ausgangspunkt für die Entwicklung der Initiative war die Schwierigkeit, die Position beispielsweise von Teamleitern mit qualifizierten Kandidaten zu besetzen. Nachdem die Stadtwerke Heidelberg zum wiederholten Mal vor einer solchen Situation standen, brachte das den Stein ins Rollen:
Seither bietet das Unternehmen engagierten Studienabsolventen aus den Bereichen Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und -mathematik oder Physik die Möglichkeit, auf unbefristeten Stellen zwei Jahre lang das F3-Programm zur Förderung von Fach- und Führungskräften zu durchlaufen.
Das Programm ist durch große Offenheit kennzeichnet. Die jungen Kolleginnen und Kollegen kommen in Projekten zum Einsatz, die ihren Interessen entsprechen. Sie können schnell Verantwortung und haben die Chance, neue, unkonventionelle Ideen umzusetzen.
Das F3-Programm geht damit weit über ein klassisches Trainee-Programm hinaus. Es ist Training on the Job. Gleichzeitig haben die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, schon früh ein Netzwerk im Unternehmen aufbauen. An ihrer Seite stehen sogenannte Buddys – ehemalige Absolventen des Programms – und Mentoren.
Mehr Informationen gibt es in dem Buch "Wege zur Fach- und Führungskräftesicherung" von Rudolf Irmscher und Matthias Straub, das kostenlos zum Download bereit steht.
Unsere Teams greifen bei komplexen Projekten gerne auf die Unterstützung der F3-ler zurück, denn sie werden als engagierte, leistungsstarke Nachwuchskräfte wahrgenommen. In einigen Fällen konnten wir durch ihre Einbindung sogar auf externe Beratung in Projekten verzichten – und profitieren heute davon, dass das Know-how, das wir in Projekten aufgebaut haben, im Haus bleibt.
Wie werden F3-ler ins Unternehmen integriert?
Beim Start in neuen Positionen haben die ehemaligen F3-Teilnehmer:innen in der Regel gute Ausgangsbedingungen, denn während des Programms konnten sie schon wichtige Kontakte im Unternehmen knüpfen. Dazu trägt auch das programmbegleitende Mentoring durch erfahrene Führungskräfte bei – sogar unser Geschäftsführer Rudolf Irmscher unterstützt in jeder F3-Generation zwei Teammitglieder als Mentor.
Unsere Teams bei den Stadtwerken Heidelberg greifen bei komplexen Projekten gerne auf die Unterstützung der F3-ler zurück, denn sie werden als engagierte, leistungsstarke Nachwuchskräfte wahrgenommen.
Da das Programm sehr offen ist, können sich die Kolleg:innen aus dem F3-Team selbst die Inhalte und Stellen im Unternehmen suchen, die sie am meisten ansprechen. Der Übergang in eine Linienfunktion hat immer bestens funktioniert: Wir konnten durch das Programm immer wieder Fach- und Führungspositionen besetzen, für die die Suche auf dem freien Markt bisher sehr herausfordernd war.
Welche Lehren haben Sie gezogen?
Die Offenheit des Programms birgt das Risiko, dass sich manche Teilnehmende unsicher sind, wann der Zeitpunkt für den Wechsel reif ist. Manche haben zu früh Angebote bekommen, fühlten sich aber noch nicht bereit dazu, und haben sich dann dafür entschieden, die Lern- und Weiterbildungsoptionen im Programm weiter zu nutzen. Auch kommen nicht alle Teilnehmenden mit den Erwartungen an Eigeninitiative, Netzwerken und Selbstorganisation zurecht. Für andere wiederum bedeutet es eine Belastung, sich an wechselnden Projekten zu beteiligen. In diesen Fällen erweist sich das Programm dann auch als hilfreicher Prüfstein für unser Unternehmen.
Können Sie einen Einblick geben, was aus den Teilnehmer:innen des Programms geworden ist?
Eines der F3-Teammitglieder hat vor einiger Zeit die Leitung der Gruppen Netzbetrieb, Gas und Trinkwasser übernommen. Eine weitere Kollegin hat die Chance ergriffen, als wir eine Nachhaltigkeitsmanagerin zur Umsetzung der CSRD-Richtlinie suchten, um die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung im Rahmen der Lageberichte zu erfüllen.
Zuletzt ist eine weitere Kollegin ins Portfoliomanagement Strom gewechselt, also in den Bereich Energiebeschaffung und -handel.
Das Programm hatte bisher 31 Teilnehmende, von denen alle übernommen wurden.
Wieviele Absolvent:innen des Programms wurden bisher übernommen?
Das Programm hatte bisher 31 Teilnehmende, von denen alle übernommen wurden. Viele wechselten schon vor Ablauf des zweijährigen Programms in feste Stellen, und lediglich drei von ihnen haben aus persönlichen Gründen das Unternehmen verlassen.
Werden Sie das Programm weiter fortsetzen?
Auf jeden Fall. Das F3-Programm hat sich für unser Unternehmen als sehr hilfreich bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften erwiesen. Aktuell sind von zehn Teilnehmenden noch vier im Programm und arbeiten in Projekten, während die übrigen bereits innerhalb der ersten anderthalb Jahre in feste Positionen wechseln konnten. Im kommenden Jahr werden wir erneut Teilnehmende des Programms einstellen.
Der Beitrag ist zuerst in der Juni-Print-Ausgabe der ZFK erschienen. Zum Abo geht es hier.