Teilzeit gilt oft als ein Weg für mehr Work-Live-Balance.

Teilzeit gilt oft als ein Weg für mehr Work-Live-Balance.

Bild: © (JLco) Julia Amaral/AdobeStock

In Deutschland ist Teilzeitarbeit so weit verbreitet wie noch nie. Fast ein Drittel der Beschäftigten arbeitet laut Statistischem Bundesamt (Destatis) mit reduziertem Stundenumfang – besonders häufig sind es Frauen und ältere Menschen. Zugenommen hat aber auch die geleistete Arbeitszeit von Teilzeitbeschäftigten. Diese kamen auf durchschnittlich 21,3 Wochenstunden und damit zwei Stunden mehr als 2015.

Gleichzeitig häufen sich Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einer Einschränkung des Rechts auf Teilzeit. Angesichts der demografischen Entwicklung sei es erforderlich, mehr zu arbeiten, um den künftigen Personalbedarf zu decken, argumentieren die Befürworter. "Wenn Teilzeitarbeit jedoch gesetzlich eingeschränkt wird, besteht die Gefahr, dass viele Menschen gar nicht mehr oder weniger arbeiten. Damit blieben wichtige Beschäftigungspotenziale ungenutzt", heißt es hingegen beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das ist auch die überwiegende Meinung bei Stadtwerken, wie eine Umfrage bei Stadtwerken ergab. Einmütig ist die Auffassung bei den befragten Versorgern, dass die Möglichkeit der Teilzeitarbeit zu den wichtigsten Benefits im Rahmen von familienfreundlichen Maßnahmen zählt. Sowohl bei den großen als auch bei kleineren Stadtwerken herrscht die Meinung vor, Arbeitszeitflexibilität sei ein volkswirtschaftlich wie gesellschaftlich hohes Gut, das es vielen Beschäftigten erleichtere, Beruf, Familie, Weiterbildung und persönliche Lebensgestaltung besser miteinander zu vereinbaren.

Personaler in den kommunalen Unternehmen teilen indes auch die Warnung des IAB, wonach Teilzeit auch Nachteile mit sich bringen kann: Längere Teilzeitphasen, vor allem nach der Geburt eines Kindes, gingen häufig mit dauerhaften Karriereeinbußen einher. Denn oft finde später, wenn die Kinder älter sind, keine Rückkehr in Vollzeit statt.

Wie sind die Erfahrungen bei den Stadtwerken?

Bei den Stadtwerken München ist die Teilzeitquote in den letzten 4 Jahren von 22 Prozent auf knapp 23 Prozent leicht gestiegen, berichtet das kommunale Unternehmen. "Aufgrund des Personalaufwuchses ist aber die absolute Zahl von rund 2200 auf gut 2600 Teilzeitbeschäftigte gestiegen", so Stadtwerke-Sprecher Michael Silva. Rund 42 Prozent der Frauen arbeiten in Teilzeit. Dieser Wert habe in den letzten Jahren nur unwesentlich geschwankt, so dass man sagen kann, dass die Anzahl der Frauen mit Teilzeitbeschäftigung in den letzten Jahren konstant war. Gut die Hälfte der Teilzeitbeschäftigten bei den Stadtwerken haben ihre Arbeitszeit nur bis zu 20 Prozent reduziert. "Hier finden sich viele Fahrer und Fahrerinnen beziehungsweise Mitarbeitende in Fahrdienst-nahen Berufen", erklärt Stadtwerke-Sprecher Silva. 

Auf die Frage, ob die Geschäftsführung Teilzeitarbeit unterstützt, heißt es bei den Stadtwerken München: "Der Geschäftsführung ist es wichtig, den Beschäftigten zahlreiche Varianten der Arbeitszeitgestaltung anzubieten mit dem Ziel, die Flexibilität sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern." Dabei setzten die Stadtwerke unter anderem auf Zeitkonten, individuelle Einsatz- und Dienstplanung, mobiles Arbeiten sowie verschiedene Teilzeitmodelle. "Aus diesem Grund werden nahezu alle Stellen bei den SWM auch in Teilzeit ausgeschrieben", so Silva. "Dies betrifft auch Führungspositionen, die bei uns optional im Top-Sharing-Modell ausgeübt werden können."

Grundsätzlich diskutiere die Geschäftsführung auch neue Ansätze. "Wenn mehrere Mitarbeitende ihre Arbeitszeit geringfügig reduzieren, kann auf diese Weise eine neue Stelle entstehen, die beispielsweise mit einem übernommenen Azubi besetzt werden kann", sagt Silva.

Abhängig von betrieblichen Möglichkeiten

"Wenn es sich um befristete Teilzeit (Brückenteilzeit, Teilzeit in Elternzeit etc.) handelt, wird mit Ende der Befristung die Arbeitszeit entsprechend wieder erhöht", erklärt Silva weiter. Hierfür halten die Stadtwerke das nötige Full-Time-Equivalent/Vollzeitäquivalent (FTE) frei, weil hier der Anspruch zur Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit besteht. Bei unbefristeter Teilzeit hänge eine Zustimmung zur Erhöhung der Arbeitszeit immer von den betrieblichen Möglichkeiten ab. Ein gesetzlicher Anspruch auf Erhöhung der Arbeitszeit bestehe in diesen Fällen nicht. "Wir versuchen aber im Rahmen der Möglichkeiten stets, dem Wunsch zur Erhöhung der Arbeitszeit nachzukommen, können dies aber aufgrund der Rahmenbedingungen wie der FTE-Obergrenze nicht immer sofort gewähren", sagt Silva.

Auch in Potsdam gibt es mehr Teilzeit

"Als kommunaler Arbeitgeber mit rund 1900 Arbeitsplätzen übernehmen die Stadtwerke Potsdam Verantwortung für verlässliche, tarifgerechte und wertschätzende Arbeitsbedingungen", erklärt Heike Schirrmeister, Hauptabteilungsleiterin Verbundpersonal der Stadtwerke Potsdam gegenüber der ZFK. Flexible Arbeitszeitmodelle, einschließlich Teilzeitlösungen, seien dabei ein wichtiger Bestandteil unserer modernen Personalpolitik.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist für die Stadtweke Potsdam ein zentraler Faktor für Motivation, Zufriedenheit und langfristige Bindung der Mitarbeitenden. Entsprechend gilt: "Wo es betrieblich möglich ist, machen wir flexible Arbeitszeiten und Teilzeitmodelle möglich", so Schirrmeister.

Ein Blick auf die vergangenen drei Jahre zeige, dass die Teilzeitbeschäftigung im Stadtwerke-Verbund insgesamt leicht zugenommen hat. Die Verteilung der Beanspruchung nach Geschlecht sei dabei in den einzelnen Verbundunternehmen sehr unterschiedlich. Die Geschäftsführung unterstützt flexible Arbeitsmodelle ausdrücklich. "Teilzeit ist für uns ein etabliertes Instrument, um individuelle Lebenssituationen zu berücksichtigen, sei es zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zur Pflege von Angehörigen oder in anderen Lebensphasen", erklärt die Personalverantwortliche.

Auf die Frage nach der oft diskutierten sogenannten "Teilzeitfalle" sagte die Personalerin, dies könne sie "in dieser Pauschalität nicht bestätigen". "Grundsätzlich sind wir bestrebt, auf Veränderungswünsche unserer Mitarbeitenden einzugehen, sowohl in Richtung Reduzierung als auch Aufstockung der Arbeitszeit", sagt sie. Aufstockungen seien in der Regel bei den Stadtwerken Potsdam immer möglich. Insgesamt verstünden man Teilzeit bei den Stadtwerken Potsdam als bewusst eingesetztes und unterstütztes Instrument moderner Arbeitsgestaltung. Die leicht steigenden Zahlen zeigten zudem, dass dieses Angebot von den Mitarbeitenden angenommen werde und einen wichtigen Beitrag zu einer attraktiven Arbeitgeberkultur leiste, so Heike Schirrmeister.

Teilzeit geht auch bei den Kleineren

Auch kleinere Stadtwerke unterstützen gezielt Mitarbeitende, die in Teilzeit arbeiten möchten, wie die Nachfrage in Fellbach zeigt. So weist Personalerin Sarah Schuhknecht von den Stadtwerken Fellbach (Baden-Württemberg) darauf hin, dass es bei 120 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Fellbach bei personellen Entscheidungen kurze Kommunikationswege gebe und man in der Regel im persönlichen Gespräch bei Anfragen flexibel reagieren könne. Auch in Fellbach sei die Zahl der Teilzeit-Mitarbeitenden in den letzten Jahren geringfügig gestiegen.

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