Was sind die Hauptelemente des Kulturwandels in Ihrem Unternehmen?
Unser Programm hat drei Säulen: Die erste ist das flexible Arbeiten, also wo ich arbeite und wie ich im Team arbeite. Zweiter Punkt ist ein neues Führungsverständnis, das sich in Richtung Ganzheitlichkeit verändert. Wir brechen alte Muster auf. Wir führen stärker mit dem Team und teilen Informationen. Wir engagieren uns noch stärker in der Mitarbeiterförderung: Die Mitarbeiter sollen Wünsche äußern, wie sie sich entwickeln wollen, und die Führungskräfte geben Feedback und ermöglichen das.
Dritter Punkt sind die Themen Kundennutzen und Unternehmertum leben. Der Kulturwandel ist ja kein Selbstzweck. Hauptziel sind bessere Dienstleistungen und Produkte für die Kunden. Unternehmertum bedeutet für uns, dass Mitarbeiter wirtschaftlich denken und handeln. Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, unter denen sie eigene Ideen einbringen und realisieren.
Wie motivieren Sie Mitarbeiter zu mehr wirtschaftlichem Denken?
Wir haben zum Beispiel das Programm EnviaMacher. Jeder Mitarbeiter, der eine Idee hat, kann zu uns in die Vorstandssitzung kommen und sie uns vorstellen. Wenn wir davon überzeugt sind, dann stellen wir die nötigen Mittel dafür bereit. Manchmal begleitet auch ein Vorstand als Pate das Projekt. Ein weiteres Beispiel ist unsere Digitalagenda, hinter der sich ein Innovationswettbewerb verbirgt. Dort geben wir Teams oder Mitarbeitern die Möglichkeit, in einem Pitch ein digitales Vorhaben zu präsentieren, das zu internen oder externen Verbesserungen führt.
Sie haben sehr viele Neuerungen über das Thema Kulturwandel angestoßen. Wie nehmen Sie die Belegschaft mit?
Das Konzept haben wir im Vorstand und mit Mitarbeitern unterschiedlicher Hierarchien in einem kleinen Team entwickelt. Wir haben uns dafür viel Zeit genommen und viele Diskussionen geführt. Dann stellte sich die Frage: Wie vermitteln wir das am besten? Wir haben dazu eine Kulturwandel-Story geschrieben und die drei Säulen entwickelt.
Was kann man sich unter einer Kulturwandel-Story vorstellen?
Wir haben zunächst erläutert, warum wir einen Kulturwandel brauchen. Dann haben wir die drei Säulen auf wenigen Seiten beschrieben, Beispiele gegeben und das Ganze illustriert – also in Bildsprache übersetzt. Der Vorstand hat dann in Führungskräfte- und Mitarbeiterveranstaltungen sowie auf Betriebsversammlungen die Kulturwandel-Story vorgetragen und erklärt. Selbstverständlich konnten dazu auch Fragen gestellt werden. Wir haben die Führungskräfte außerdem aufgerufen, aktiv dazu mit ihren Mitarbeitern in den Austausch zu gehen und die Story mit Leben zu füllen. Als Vorstand gehen wir hier mit positivem Beispiel voran. Wir stehen für die neuen Werte und bringen sie in die tägliche Zusammenarbeit mit unseren Teams ein.
Das Interview führte Elwine Happ-Frank
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