"Nur mit der Anschaffung der Fahrzeuge ist es ja nicht getan", brachte es Martin Schmitz, Geschäftsführer Technik des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) bei der Konferenz "Elektrobusse – Markt der Zukunft" am Dienstagnachmittag auf den Punkt. Welche praktischen Schritte nötig sind, um beispielsweise Busdepots umzubauen, Lademanagement zu etablieren und die nötige Energieversorgung für die E-Busflotten zu sichern, berichteten Vertreter mehrerer kommunaler Unternehmen.
Ab 2020 dürfen in Hamburg nur noch emissionsfreie Busse angeschafft werden. "Deshalb fangen wir bereits jetzt an, das System umzustellen", berichtete Johanna Ahrens von der Hamburger Hochbahn. Vier E-Busse und acht Ladestationen sind derzeit in Betrieb. 30-Busse und 52 Ladesäulen sollen es bis Ende des Jahres sein, im März soll ein neuer Busbetriebshof eröffnet werden. Eine wichtige Rolle bei der Organisation eines möglichst effizienten Betriebsablaufes einer künftig viel größeren E-Busflotte spielt ein E-Betriebshofmanagementsystem (E-BMS), das mit einem Last- und Lademanagementsystem (LMS) gekoppelt ist. Ziel ist die Fütterung mit Echtzeitdaten der Fahrzeuge, auch während des Betriebs. Helfen hierbei soll auch Telematik.
Standardisierung angehen – Platzprobleme bei Betriebshöfen
Man sei beim Aufbau der Managementsysteme "derzeit auf der Hälfte der Wegstrecke", berichtete Ahrens, doch brauche man erst einmal "eine kritische Masse der Fahrzeuge". Eine zentrale Herausforderung sei die "Standardisierung zwischen Bus, Ladesäule und Backend", um die Ladetechnik für künftig 1000 E-Busse künftig herstellerübergreifend einsetzen zu können. Wichtig sei es hierbei, dass die Hersteller miteinander ins Gespräch kommen und "wir optimale Lösungen durch eine offene Zusammenarbeit finden", betonte Ahrens.
"Das eigentliche Nadelöhr sind nicht die Fahrzeuge, sondern die Infrastruktur", sagte Jörn Schwarze, Mitglied des Vorstands der Kölner Verkehrsbetriebe. Er berichtete von guten Erfahrungen mit den bisher eingesetzten acht E-Bussen, die im Januar eine Verfügbarkeit von 90 Prozent aufwiesen, vergangene Woche sogar 94 Prozent. Eine Herausforderung sei allerdings die Umrüstung der Betriebshöfe, berichtete Schwarze, vor allem aus Platzgründen. Denn durch den Einbau der nötigen Ladeinfrastruktur reduziere sich in einem Betriebshof die Zahl der Stellplätze um 80. Nötig sei in der finalen Ausbaustufe auch die Installation eines zusätzliches 110-kV-Trafos. Doch sieht Schwarze in der Netzintegration der nötigen Ladeinfrastruktur grundsätzlich kein Problem.
Neue E-Buswerkstatt in Bergedorf – Herausforderung IT-Infrastruktur
10 Millionen Euro investierten die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein in eine neue Elektrobus-Werkstatt auf dem Betriebshof Bergedorf, berichtete Geschäftsführer Toralf Müller. Hierbei wurden auch breitere Spurbreiten und Dacharbeitsplätze für die Wartung der E-Busse berücksichtigt. Zudem ist die Werkstatt so konzipiert, dass sie künftig auch für Brennstoffzellenbusse weiter umgerüstet werden kann. Eine neue Übergabestation mit 5,5 Megawatt (MW) Anschlussleistung, die bis auf 11 MW erweiterbar ist, soll die Stromversorgung des Busdepots, das künftig bis zu 130 E-Bussen Platz bieten soll, sichern. Doch geht Müller davon aus, dass "die benötigte Anschlussleistung durch intelligente Ladetechnik plus Batteriespeicher begrenzt werden kann".
"Die größte Herausforderung ist jedoch im Moment die IT-Landschaft, auch zur Überwachung der Ladeinfrastruktur", unterstrich Müller. Hierfür brauche es auch eigene personelle Ressourcen, wobei man bei der Entwicklung des Lademanagements eng mit Stromnetz Hamburg kooperiere. Auch rät er anderen kommunalen Unternehmen dazu, nicht zu viele Einzelausschreibungen für die Ladeinfrastruktur durchzuführen, sondern diese zusammenzufassen. Auch Müller hob im Übrigen auf den "erschreckend hohen Platzbedarf der Ladeinfrastruktur" in den Busdepots ab, so rechnet er damit, dass durch die Einrichtung von Ladeplätzen (incl. Platzbedarf Trafo) für 16 E-Busse jeweils ein bisheriger Busstellplatz verloren geht. Für dringend nötig hält auch Müller die Standardisierung der Schnittstellen der Ladestationen und der E-Busse.
Partielles Streckenladen per Oberleitung in Berlin angedacht
Auch in der Bundeshauptstadt stoßen die derzeit sechs Betriebshöfe durch die geplante vollständige Elektrifizierung der Busflotte mit über 1600 Fahrzeugen bis zum Jahr 2030 an ihre Grenzen, wie Torsten Mareck, Leiter Omnibus der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) berichtete. "Wir brauchen mindestens zwei zusätzliche Betriebshöfe", sagte Mareck. Wobei das sogenannte Depotladen der E-Busse auch durch dezentrale Ladestellen in der Stadt ergänzt werden soll. Zudem setzt Mareck auch auf ein "partielles Streckenladen aus einer Oberleitung", was derzeit in einer Machbarkeitsstudie untersucht werde. Doch sieht er auch noch Weiterentwicklungsbedarf bei den geeigneten größeren Bussen, vor allem Doppeldeckern, und er appellierte an die Industrie, nicht nur Dieselbusse zu elektrifizieren, sondern spezielle E-Busse zu entwickeln. (hcn)



