CO2-neutrale E-Fuels könnten eine Alternative zur reinen Fokussierung auf batterielektrische Fahrzeuge sein.

CO2-neutrale E-Fuels könnten eine Alternative zur reinen Fokussierung auf batterielektrische Fahrzeuge sein.

Bild: © Rainer Sturm/pixelio.de

Luft und Ökostrom rein, synthetischer Kraftstoff raus: Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat erstmals eine kompakte Anlage zur Erzeugung von sogenanntem E-Fuel gestartet, die alle Produktionsschritte zusammenfasst. Thomas Hirth vom KIT sprach bei der offiziellen Inbetriebnahme der Anlage in Größe eines Schiffscontainers am Mittwoch von der Veredelung erneuerbarer Energien.

Die Anlage auf dem KIT-Gelände in Eggenstein-Leopoldshafen am Karlsruher Stadtrand sei weltweit die erste dieser Art, betonten die Projektpartner unter dem Dach des von der Bundesregierung geförderten Kopernikusprojekts.

Von zwei auf 2000 Liter pro Tag

Der CO2-neutrale Kraftstoff, der etwa zum Antrieb von Autos, Schiffen oder Flugzeugen genutzt werden kann, wird in vier Schritten unter Einsatz von Ökostrom hergestellt: Zunächst filtert die Anlage Kohlendioxid (CO2) aus der Luft. Dann werden CO2 und Wasserdampf in Wasserstoff und Kohlenmonoxid gespalten. In der dritten Phase entstehen daraus lange Kohlenwasserstoffketten. Diese werden im vierten Schritt so aufgespalten, dass daraus Benzin, Diesel oder Kerosin hergestellt werden kann.

Die Anlage schafft zwei Liter Kraftstoff pro Tag. Die nächste Generation der Technik soll 200 Liter pro Tag herstellen können. Bereits in einigen Jahren hoffen die Wissenschaftler auf eine dritte Anlage, mit der bis zu 2000 Liter pro Tag möglich sein sollen.

Anlagen in Deutschland auch bauen und betreiben

Ein großer Vorteil der verwendeten Technologie ist es, CO2 aus der Luft zu nehmen. "Das hat den Vorteil, dass die Anlagen überall auf der Welt stehen können", sagte Roland Dittmeyer, einer der Macher des Projekts am KIT. So könnte auch abseits der herkömmlichen Versorgungsinfrastruktur mit Solaranlagen Treibstoff erzeugt werden. In Deutschland könnte überschüssiger Ökostrom verwendet werden.

Über die zu erwartenden Kosten pro Liter E-Fuel wollen die Projektpartner mit Verweis auf den Beginn der Technologie noch nicht sprechen. Der wichtigste Faktor sei der Strompreis. Peter Müller-Baum vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau sprach von einer industriepolitischen Chance. Es sei wichtig, nicht nur technologisch Weltmarktführer zu sein. Solche Anlagen müssten in Deutschland auch gebaut und betrieben werden. Um E-Fuel zum Durchbruch zu verhelfen, sei ein CO2-Preis von deutlich über den von der Bundesregierung vorgesehenen zehn Euro pro Tonne nötig. (dpa/pm)

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