Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Mehr E-Autos braucht das Land, zumindest wenn Deutschland sein Ziel von einer Mio. Elektrofahrzeugen bis 2022 erreichen will.

Bild: © Hendrik Schmidt/dpa

Einbindung der Ladeinfrastruktur in ansteuerbare Energiemanagementsysteme, Smart Meter, Maximalfahrpläne und variable Netztarife sind wichtige Hebel, um möglichst netzverträgliches Laden von Elektroautos im Zuge der Verkehrs- und Energiewende sicherzustellen.

Dies zeigte das Fachgespräch der Grünen Bundestagsfraktion „Stromverteilnetz 2.0 – E-Mobilität und flexible Tarife,“, das am heutigen Dienstag online stattfand.

Gesteuertes Laden reduziert Investitionsbedarf um die Hälfte

Gesteuertes Laden kann die nötigen Investitionen in den Ausbau der Verteilnetze im Rahmen des Markthochlaufs der Elektromobilität um bis zu 50 Prozent reduzieren, so Fanny Tausendteufel, Projektmanagerin bei Agora Verkehrswende.

Zugrunde gelegt ist hierbei eine Zunahme der Elektroautos in Deutschland auf 7 bzw. 15 Millionen bei einer durchschnittlichen Ladeleistung von 11 Kilowatt (kW). Wird dies mit einer Mobilitätswende verbunden, sprich einer Reduzierung der Zahl der künftig elektrischen betriebenen Autos, kann der nötige Investitionsbedarf nochmals deutlich gedrückt werden.

Direkte Steuerung nur als Ultima Ratio

Voraussetzung hierfür sind allerdings die flächendeckende Steuerung von Elektro-Pkw, die schnelle Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnik für Prognose und Steuerung sowie der Vorrang präventiver, indirekter Steuerung über zeitvariable Netzentgelte und Maximalfahrpläne.

„Die direkte Steuerung durch Verteilnetzbetreiber sollte nur als Ultima Ratio stattfinden“, unterstrich Tausendteufel. Zudem sprach sie sich dafür aus, dass eine Angemessenheit des Finanzierungsbeitrags der Elektromobilität durch Netzentgelte und Baukostenzuschüsse sichergestellt sein sollte.

Energiemanagementsysteme entscheidend

Aus Sicht des Verteilnetzbetreibers Mitnetz Strom sprach Michael Lehmann, Leiter Prozess- und Systemmanagement. Entscheidend sind aus seiner Sicht Energiemanagementsysteme, welche flexible Verbraucher wie Elektrofahrzeuge klimaoptimiert und zugleich netzverträglich steuern.

Hierbei werden Lasten vollautomatisch in einspeisestarken Zeiten verschoben und bei den Kunden entstehen keine Komforteinbußen. Gleichzeitig verringert sich der CO2-Fußabdruck und über variable Tarife sind Einsparungen von bis zu 5 Cent/kWh für netzdienliches Verhalten möglich.

Effektive Reservierungslogistik - Einbindung in Smart Meter Rollout

Zudem schützen eine "effektive Reservierungslogistik" und Maximalfahrpläne die Netze vor Überlastung durch gleichzeitiges Laden und Eingriffe können so auf ein Minimum beschränkt werden. Unterstützt wird das netzverträgliche und Klimaschonende Laden auch durch eine App, welche darstellt, wann der Strom im Netz vor Ort besonders emissionsarm erzeugt wird. Dies testet Mitnetz derzeit in einem Pilotprojekt.

Doch für eine breitere Anwendung muss der Rechtsrahmen für eine Reservierungslogistik und Anreizsysteme für flexible Kunden geschaffen werden und es braucht technische Standards für die Einbindung in den Smart Meter Rollout. „Auch brauchen wir kundenorientierte und einfache Produkte für Flexumer“, unterstrich Lehmann. (hcn)

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