Von Jürgen Walk
Netzbetreiber dürfen keine Ladeinfrastruktur mehr betreiben. Zwar gibt es Ausnahmeregeln im Energiewirtschaftsgesetz, doch deren Ende ist absehbar. Was sollen also Stadtwerke mit Netzbetrieb tun, die oft genug jahrelang von der Politik gedrängt wurden, Ladesäulen zu bauen und sie bald aber nicht mehr betreiben dürfen? Eine mögliche Lösung sind Kooperationen – eine solche bieten jetzt die Stadtwerke Kaiserslautern (SWK) an.
Mit sieben Stadt- und Gemeindewerken aus der Region tun sich die SWK beim Ladesäulen-Geschäft zusammen. Gemeinsam haben sie die neue Gesellschaft "Ladestationen Südwest" gegründet. Aktuell bringen die SWK 111 Ladepunkte in den Verbund. Mit der Ladeinfrastruktur der anderen Partner betreut und betreibt die neue Gesellschaft derzeit insgesamt rund 260 Ladepunkte.
Für weitere Partner offen
Doch das muss nicht so bleiben. Die neue Gesellschaft will Synergien nutzen und den Ausbau der Ladeinfrastruktur mit vereinten Kräften weiter vorantreiben. In Kaiserslautern sind noch in diesem Jahr fünf weitere Standorte geplant.
Außerdem ist das Unternehmen für weitere Partner aus der Region offen. "Es haben bereits weitere Stadt- und Gemeindewerke aus der Region Interesse bekundet", heißt es in Kaiserslautern. Dabei bietet Ladestationen Südwest Interessierten nicht nur die Möglichkeit einer Beteiligung. Auch die Infrastruktur könne zum Kauf angeboten werden, sollte das interessierte Unternehmen sich aus dem Geschäftsfeld komplett zurückziehen wollen.
Gründungsmitglieder sind neben den SWK die Gemeindewerke Haßloch, die Stadtwerke Kusel, die Stadtwerke Neustadt an der Weinstraße, die Stadtwerke Ramstein-Miesenbach, die Stadtwerke Zweibrücken, Nahwerk Energie und Abita Energie Otterberg. Die beteiligten Unternehmen haben nicht nur eine Lösung für die Unbundling-Vorgaben, sondern profitieren gegenseitig von den Erfahrungen und dem Fachwissen der Partner.
Auftritt als eigene Marke geplant
Für die Kunden ändere sich auf den ersten Blick erst einmal nichts. Alle Ladekarten funktionieren an den Ladesäulen der neuen Gesellschaft wie gewohnt weiter. Entscheidend sei, dass mit dem Zusammenschluss die Ladeinfrastruktur in der Region erhalten bleibt. Doch künftig wird Ladestationen Südwest als eigene Marke auftreten. Aktuell sei das an den Ladesäulen noch nicht ersichtlich, teilen die SWK mit. "Wir werden diese aber sukzessive umgestalten. Dafür brauchen wir noch etwas Zeit".
Die Unbundling-Vorgaben fürs Ladenetz gelten prinzipiell für alle Unternehmen, die auch Energienetze betreiben. Derzeit gilt aber noch eine Übergangsregelung für kleinere Netzbetreiber bis 100.000 Kunden. Jüngst hatten sich die Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen und Union geeinigt, diese "Schonfrist" noch einmal zu strecken. Laut Energiewirtschaftsgesetz sollte sie ursprünglich 2023 enden, wurde dann bis Ende 2024 verlängert und soll nun doch bis Ende 2026 gültig sein.


