Die Deutsche Post DHL kommt bei der Elektrifizierung ihrer Transporterflotte schrittweise voran. Der Bonner Konzern stellte am Freitag (30. August) in Köln den 10.000sten Elektro-Lieferwagen des Modells Streetscooter vor, der von einer Tochterfirma in Aachen gefertigt wurde und künftig Pakete in der Domstadt zustellt.
Zuletzt hatte der Konzern von 9000 E-Transportern in der eigenen Flotte gesprochen, nun sind es 1000 mehr. Die ersten Fahrzeuge für den Regelbetrieb übernahm die Post 2014. Insgesamt hat der Konzern in Deutschland 50.500 Transporter für die Zustellung auf den Straßen, jeder fünfte ist nun ein Stromer.
Post hat größtes privates Ladesäulennetz in Deutschland
Die Post hat derzeit nach eigenen Angaben 13.500 Elektro-Ladesäulen und damit das größte private Ladesäulennetz hierzulande. Streetscooter wurde im Jahr 2010 von Professoren der Aachener Universität RWTH gegründet. 2014 kaufte die Post das Unternehmen, um ihre Flotte klimaschonender zu machen.
Anfangs war das medial ein Coup – der Schritt hin zur Herstellung eigener Stromer wurde als Beleg gewertet, dass klassische Autobauer beim Elektrothema nicht aus den Puschen kamen. 2017 wurde neben Aachen ein zweites Werk in Düren gebaut, damit stiegen die Produktionskapazitäten pro Jahr auf bis zu 20.000 Fahrzeuge.
Kapazitäten nicht ausgeschöpft
Unklar ist, wie viele Streetscooter bis heute verkauft wurden – klar ist aber, dass die Kapazitäten bei Weitem nicht ausgeschöpft wurden. Die Post gibt nur die Eigenkäufe bekannt – also die Zahl der Fahrzeuge für die eigene Paketzustellung. Hinzu kommen noch externe Käufer, etwa Stadtwerke.
Nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), die vom CAR Institut der Universität Duisburg-Essen ausgewertet wurden, sind insgesamt nur 11.722 Streetscooter in Deutschland zugelassen. Hinzu kommen noch Aufträge aus dem Ausland, so kaufte eine japanische Logistikfirma 500 Exemplare. Allzu oft werden solche Auslandsaufträge allerdings nicht bekanntgegeben.
Dudenhöffer: "Überschaubare Reichweite"
Unter Experten gibt es Zweifel, dass der Streetscooter ohne interne Subventionen am Markt bestehen könne. Das Fahrzeug sei technisch sehr simpel gehalten, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Die Reichweite ist überschaubar, und die Herstellung in der Manufakturarbeit dürfte sehr teuer sein."
Der Professor verwies auf die aus seiner Sicht insgesamt niedrigen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). "Das ist nach meiner Einschätzung alles andere als eine Erfolgsgeschichte für die Post." Man brauche hohe Stückzahlen und eine stabile Nachfrage. "Eigengeschäfte wie die jetzt mitgeteilten 10.000 Fahrzeuge sind ebenfalls nicht unbedingt ein Ausweis für hohe Profitabilität."
Zukunft der Streetscooter-Sparte ungewiss
Offen ist, wie es mit dem Streetscooter weitergeht. Schon seit längerem erwägt die Konzernspitze einen Verkauf der Sparte oder eine Zusammenarbeit mit einer anderen Firma. Seit Mai hat die Tochterfirma mit ihren rund 500 Mitarbeitern einen neuen Chef. Ein Post-Sprecher sagte, man sei "aktuell im Gespräch mit international agierenden Partnern". Man werde das neue Streetscooter-Management "auf dem weiteren Wachstumspfad unterstützen". Als Eigentümer stehe man unter keinem Zeitdruck, so der Sprecher. (dpa/hoe)



