Die Belchenstraße in Ostfildern bei Stuttgart wurde vor rund eineinhalb Jahren zur "E-Mobility-Allee" – einem Testfeld für die Integration von Ladevorgängen in die bestehende Stromnetzinfrastruktur. Was zunächst wie ein Stresstest klingt, entpuppte sich als entspannte Zukunftsperspektive.
Zehn Haushalte, die ein typisches Wohngebiet darstellen und in einem Stromkreis liegen, wechselten im Rahmen des Projekts der Netze BW vom Verbrenner zum Stromer und sollten die Netze mit ihrem Ladeverhalten auf die Probe stellen. Mit überraschendem Ergebnis, wie Projektleiterin Selma Lossau nun zum Projektabschluss erklärt: "Die oft geäußerte Befürchtung, wonach alle E-Autos nach Feierabend gleichzeitig laden und dadurch das Netz überlasten, scheint nach dieser Erfahrung nicht realistisch zu sein."
Im Großteil der Zeit wurde nicht geladen
Das Ladeverhalten der Anwohner veränderte sich über die Zeit hinweg deutlich. Nachdem erst einmal das Vertrauen in die Reichweite der E-Autos gewachsen war, wurden die Stromer deutlich seltener geladen als zu Beginn des Projekts.
Dadurch und durch die unterschiedlichen Nutzungsarten und Fahrzeugtypen waren nie mehr als fünf Fahrzeuge gleichzeitig am Netz – und selbst das nur in extrem seltenen Fällen (0,1% der Zeit). In 70 Prozent der Zeit wurde hingegen überhaupt nicht geladen. Und trotzdem hat Netze BW sich auch auf mögliche Überlastungssituationen vorbereitet.
E-Mobility-Chaussee geplant
Vor allem das "intelligente Lademanagement" habe großes Potenzial: "Durch die elektronische Zuteilung von Ladezeiten konnten Engpässe vermieden werden, ohne dass sich die Teilnehmer davon beeinträchtigt fühlten", so Selma Lossau. Als weitere sinnvolle Option erwiesen sich verschiedenen Typen von Batteriespeichern, die vorübergehend eingesetzt wurden und das Netz entlasteten.
Kaum ist das Projekt in Ostfildern abgeschlossen, plant die Netze BW bereits das nächste E-Mobilitäts-Experiment. Im Raum Ludwigsburg sollen Bewohner einer großen Wohnanlage ab November mit 45 E-Autos und 60 Ladepunkten ausgestattet werden, um den Hochlauf der Stromer noch deutlicher untersuchen zu können. Zudem soll dann auch in einem ländlich geprägten Raum ein Testfeld aufgebaut werden ("E-Mobility-Chaussee"), um auch unterschiedliche strukturelle Gegebenheiten in das Projekt einzubeziehen. (ls)



