Mark Steffen Walcher ist seit 2013 Geschäftsführer der kommunalen Smartlab Innovationsgesellschaft mit Sitz in Aachen. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Mobilität, darunter auch bei Daimler, der BVG und Dorner Consulting.

Mark Steffen Walcher ist seit 2013 Geschäftsführer der kommunalen Smartlab Innovationsgesellschaft mit Sitz in Aachen. Er beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit dem Thema Mobilität, darunter auch bei Daimler, der BVG und Dorner Consulting.

Bild: © Smartlab

Der Chef der kommunalen Smartlab Innovationsgesellschaft, Mark Steffen Walcher, erwartet in den kommenden Jahren "einen Zweikampf zwischen der Energiewirtschaft und den Automobilherstellern um die Stromkunden". Erste Autohersteller böten bereits Stromverträge an. "Wenn der Kunde künftig einmal im Ökosystem der Automobilhersteller ist und diese dann auch noch Strom liefern und PV-Anlagen, dann kann es problematisch werden für Stadtwerke", warnt er im Gespräch mit der ZfK. Insbesondere, wenn der große Rollout der E-Fahrzeuge von VW beginne, werde der Markt schwieriger. Volkswagen will ab 2023 jährlich eine Million Elektroautos verkaufen. "VW wird für jedes Problem rund um das E-Auto eine Lösung finden wollen. Im reinen Vertrieb von Wallboxen werden Stadtwerke hier gegen die großen Hersteller von der Preisseite her keine Chance haben, zu bestehen", verdeutlicht Walcher.

Über Mehrwerte differenzieren

Kommunalversorger müssten deshalb ganzheitliche und intelligente Lösungskonzepte erarbeiten und sich über Mehrwerte differenzieren, die der Autohersteller nicht ohne weiteres anbieten könne. Dazu gehörten beispielsweise die Installation, die Kombination von PV-Anlage und Speicher sowie gesteuertes Laden. Auch hätten die Versorger Vorteile durch die Hoheit über die Verteilnetze und deren Steuerung. "Hier werden zukünftig die Energieversorger und Netzbetreiber wieder näher zusammenrücken". Um gegen die Automobilhersteller mit ihren Milliardeninvestitionen bestehen zu können, seien aber auch ganz neue Kooperationen nötig. "So erscheinen beispielweise Kooperationen mit Tankstellenbetreibern sinnvoll, da diese auch über attraktive Flächen in den Kommunen verfügen und nicht der orginäre Konkurrent von Energieunternehmen sind", zeigt der Smartlab-Chef auf.

Die Mehrzahl der Stadtwerke weiteten ihre Aktivitäten rund um die E-Mobilität immer mehr aus. "Dabei hängt es nicht von der Größe des kommunalen Unternehmens ab, wie innovativ es dieses Thema besetzt", sagt Walcher. Die Zahl der Mitglieder im Stadtwerkeverbund ladenetz.de ist auch im vergangenen Jahr deutlich gestiegen auf mittlerweile 206. Damit diese im Wettbewerb mit den Automobilherstellern bestehen können, unterstützt Smartlab diese mit seinen Plattformen und entsprechendem technischen Rüstzeug.

Ladekarte für alle E-Fuels

Neue Wege geht Smartlab hier beispielsweise mit einer Ladekarte respektive App, die künftig nicht nur das Tanken von Ökostrom, sondern auch von Gas, Wasserstoff und anderen E-Fuels ermöglicht. Hier kooperiert der kommunale Dienstleister mit dem IT-Unternehmen Hectronic aus dem Schwarzwald. Als White Label bietet Smartlab künftig auch ein sogenanntes 360-Grad-Produkt an, das sowohl eine ganz einfache Ladesäule als auch intelligente Ladestationen umfasst. "Wir wollen Stadtwerken damit ermöglichen, ihr Portfolio auch nach unten hin mit einer ganz einfachen und sehr preiswerten Wallbox abrunden können", sagt Walcher. Das neue Produkt soll auch die Übernahme von Erdarbeiten und die Installation beinhalten. Als Unterstützung für Kapazitätsengpässe ist ein neues Angebot zur Unterstützung beim Aufbau und der Wartung von Ladeinfrastruktur gedacht. Smartlab arbeitet dabei mit dem Aachner Partner Elexonzusammen.

Plattform für Abrechnungsmodelle und Parksysteme geplant

"Wir wollen aber auch weiterhin der Zeit immer ein Stück weit voraus sein und denken schon an Produktwelten von übermorgen", führt Walcher weiter aus. In diese Richtung geht ein in der Entwicklung befindliches Produkt, bei dem der Kunde seinen selbst erzeugten überschüssigen Grünstrom quasi in einer Art Rucksack mitnehmen und auch bei einem Stadtwerk außerhalb seines Wohnortes virtuell tanken kann und dies dann verrechnet wird. Außerdem ist perspektivisch eine dritte Plattform geplant, unter der künftig Abrechnungsmodelle und Parksysteme subsumiert werden könnnen. Auch Daten sollen dort temporär heruntergeladen werden können, die beispielsweise für die Netztopographie oder den Netzausbau gebraucht werden. Ziel ist es, unter anderem auch europaweit Abrechnungsmodelle anzubieten und das nicht nur für Stadtwerke, sondern auch für Dritte.

Unterstützung durch Thüga-Netzwerk

Bei der Besetzung neuer Themen und der Suche nach Kooperationspartnern profitiert Smartlab zudem von der neuen Gesellschafterstruktur, insbesondere der Thüga-Gruppe. Der Stadtwerkeverbund ist im Juni 2017 als Gesellschafter bei Smartlab eingestiegen. "Die Thüga hilft uns, zielgerichtet mit Start-ups und Unternehmen zusammenzukommen, zu denen wir so keinen Zugang hätten", erklärt Walcher. Beispielsweise arbeitet Smartlab mit dem Start-up Geospin zusammen an einem System, dass Kommunen und Stadtwerke in die Lage versetzt, möglichst einfach die optimalen Standorte für Ladeinfrastruktur zu identifizieren. Geospin sucht deutschlandweit anhand bestimmter Kriterien die optimalen Standorte für Ladepunkte. Zudem plane man eine Kooperation mit einem weiteren Unternehmen aus dem Netzwerk der Thüga, das sich auf Autarkiekonzepte und Speicher spezialisiert haben. Zudem nutze man die Thüga auch als Plattform zum Wissenstransfer und Erfahrungsaustauch mit weiteren über 100 Stadtwerken. Zu den Smartlab-Gesellschaftern zählen neben der Thüga, die Stawag, die Stadtwerke Osnabrück, die Duisburger DVV, Erdgas Schwaben und die Stadtwerke Düsseldorf. (hoe)

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Einen weiteren Artikel über das Wachstum von Smartlab und weitere Neuentwicklungen lesen Sie in der Januarausgabe der ZfK, die am heutigen Montag (13. Januar) erschienen ist.

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