Fragt man die Stuttgarter, wie es mit der öffentlichen Lade-Infrastruktur in ihrer Region bestellt ist, ist die Antwort klar: Dort sehen sich die Stadt-Offiziellen ganz weit vorn „im Spitzenfeld der deutschen Städte“. Aber plötzlich kommt eine Statistik des Autoindustrie-Verbands VDA daher, die Stuttgart als elektromobile Wüste klassifiziert. Das will die Stadt nicht auf sich sitzen lassen.
Der Vorwurf des Stuttgarter Referats Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität ist eindeutig: Die Datenlage der VDA-Statistik sei „veraltet“ und die Methodik „fehlerhaft“. Diese Mängel führten dazu, dass Stuttgart zu Unrecht auf einem abgeschlagenen Platz im Ranking gelistet wird.
Die BNetzA zählt erst seit 2016
Genaueres erklärt Michael Hagel von der städtischen Koordinierungsstelle Elektromobilität: „Die Rohdaten, die der VDA für sein Ranking heranzieht, stammen von der Bundesnetzagentur (BNetzA). Diese Daten sind dünn und unvollständig – und damit nicht verlässlich.“ Die BNetzA führt ihr Verzeichnis erst seit der Ladesäulenverordnung von 2016. In Stuttgart seien aber beispielsweise in den Jahren 2012 und 2013 bereits Hunderte Ladepunkte errichtet worden.
Das Ergebnis: Die Zahlen des VDA sind um den Faktor vier zu niedrig. Der Verband rechne für die Landeshauptstadt nur 100 öffentliche Ladepunkte ein. Die Wirklichkeit sehe indes anders aus: Der Bundesverband der Energie‐ und Wasserwirtschaft (BDEW) zählte im Juni dieses Jahres schon 423 Ladepunkte. Damit spielt Stuttgart nach Hagels Angaben „in der Top‐Liga mit München, Berlin und Hamburg.“
Viele Säulen auch von VDA-Mitgliedern
Weitere Rohdaten – zum Beispiel zu Ladepunkten bei Unternehmen, Einzelhändlern, Arbeitgebern oder Wohnungswirtschaft führe der VDA in seinem Ranking gar nicht auf. Dabei hätten gerade die Mitgliedsunternehmen des in Stuttgart stark vertretenen Verbands eine wesentliche Zahl an Ladepunkten errichtet. (wa)



