Eine Helmpflicht bei E-Scootern oder E-Bikes bringt mehr Nach- als Vorteile, behauptet der VCÖ.

Eine Helmpflicht bei E-Scootern oder E-Bikes bringt mehr Nach- als Vorteile, behauptet der VCÖ.

Bild: © Aerogondo/AdobeStock

Von Jürgen Walk

Die Mobilitätsorganisation Verkehrsclub Österreich (VCÖ) warnt vor den negativen Folgen einer Helmpflicht für E-Bikes und E-Scooter. Ihre Forderung widerspricht der verbreiteten Meinung, dass eine Helmpflicht automatisch zu mehr Sicherheit führt. VCÖ-Experte Michael Schwendinger betont dagegen, dass eine Helmpflicht nicht nur ineffektiv sei, sondern sogar nachteilige Auswirkungen auf die Mobilität und Verkehrssicherheit haben könnte.

Ein zentrales Argument des VCÖ ist die Gefahr, dass Unfallopfer ohne Helm automatisch eine Teilschuld bekämen – auch wenn sie unverschuldet beispielsweise von einem Raser oder einem betrunkenen Fahrer angefahren werden. Dies führe zu juristischen und finanziellen Risiken für die Betroffenen. Mit einer Bewusstseinskampagne könne die Helmtragequote erhöht werden, ohne dass Unfallopfer zusätzlich einen finanziellen Schaden erleiden, heißt es beim VCÖ.

Helmpflicht bedroht Sharing-Angebote

Zudem könne eine Helmpflicht das Ende von E-Bike- und E-Scooter-Sharing-Angeboten bedeuten, da kaum jemand bereit sei, für ein geliehenes Fahrzeug einen eigenen Helm mitzunehmen. Dies schränke das Mobilitätsangebot erheblich ein, insbesondere in größeren Städten wie Wien und Salzburg, wo E-Bike-Sharing gerade ausgebaut wird.

Der VCÖ betont, dass es wirksamere Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit gibt. Dazu zählen der Ausbau der Radinfrastruktur und niedrigere Tempolimits. Statistiken zeigten, dass tödliche E-Bike-Unfälle fast ausschließlich dort passieren, wo Radwege fehlen und hohe Tempolimits für den Kfz-Verkehr gelten. Gefährlich werde es also dort, wo Autos, Lastwagen und Radfahrende mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit auf eine Fahrspur gedrängt werden. Eine Helmpflicht hingegen verhindere keine Unfälle, sondern schaffe neue Probleme.

Erfahrungen aus Australien und Israel belegen laut VCÖ, dass eine Helmpflicht die Nutzung von Fahrrädern und E-Bikes deutlich reduziert. In Australien sei die Zahl der Radfahrer nach Einführung der Helmpflicht um bis zu 40 Prozent gesunken. Israel habe die Helmpflicht nach vier Jahren wieder abgeschafft, da sie den Radverkehr massiv einschränkte. Dies widerspricht dem Ziel, den Anteil des Radverkehrs zu verdoppeln – ein erklärtes Ziel der österreichischen Regierung.

Abschließend betont der VCÖ, dass mehr Radfahrende zu mehr Sicherheit führen. Mit zunehmender Zahl steigt die Sichtbarkeit von Radfahrenden, was das Unfallrisiko pro Person senkt. Das Vorbildland schlechthin seien die Niederlande. In keinem Land der EU wird so häufig und so sicher Rad gefahren wie dort. Sehr viele Radfahrende und sehr wenige Unfälle, "daran sollten wir uns orientieren – anstatt durch eine Helmpflicht die Zahl der Radfahrenden absehbar zu reduzieren", heißt es beim VCÖ. Die Forderung nach einer Helmpflicht sei daher kontraproduktiv für eine nachhaltige und sichere Mobilitätsentwicklung.

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