Es gibt ein deutlich sichtbares Stadt-Land-Gefälle bei öffentlicher Ladeinfrastruktur.

Es gibt ein deutlich sichtbares Stadt-Land-Gefälle bei öffentlicher Ladeinfrastruktur.

Bild: © khmelev/Adobe Stock

Elektromobilität wächst in Deutschland weiter – allerdings nicht überall gleich schnell. Eine Auswertung von mehr als 400 Landkreisen und kreisfreien Städten zeigt ein ausgeprägtes regionales Gefälle bei öffentlicher Ladeinfrastruktur und elektrifizierten Autos. Während einige Regionen bereits in einer fortgeschrittenen Phase der Transformation angekommen sind, stehen andere noch am Anfang.

Besonders auffällig ist das Nord-Süd-Gefälle. Baden-Württemberg und Bayern verfügen im Durchschnitt über die höchste Ladepunktdichte. Gleichzeitig weisen sie überdurchschnittliche Anteile von Elektrofahrzeugen auf. Die Kombination aus hoher Kaufkraft, einer starken Industriebasis und einer vergleichsweise dichten Infrastruktur scheint die Elektromobilität dort besonders zu begünstigen.

Großer Unterschied zwischen Stadt und Land

Am anderen Ende der Skala finden sich zahlreiche Landkreise in Nord- und Ostdeutschland, die eher strukturschwach sind. Das wirkt sich auch auf die Ladeinfrastruktur aus. Die Unterschiede sind erheblich: In manchen Regionen steht weniger als ein öffentlicher Ladepunkt pro 1000 Einwohner zur Verfügung, während Spitzenreiter Werte von mehr als zehn Ladepunkten erreichen.

Auch der Unterschied zwischen Stadt und Land ist deutlich. Städte verfügen im Durchschnitt über eine höhere Ladepunktdichte und einen höheren Anteil elektrifizierter Fahrzeuge. Zwar haben Bewohner ländlicher Regionen oft längere Fahrstrecken und damit grundsätzlich einen hohen Nutzen von Elektrofahrzeugen, doch die öffentliche Infrastruktur wächst dort vielerorts langsamer. Städte profitieren dagegen von kurzen Wegen, dichter Infrastruktur und einer höheren Konzentration von Unternehmensflotten.

Besonders interessant sind die Ausreißer. Wolfsburg, Ingolstadt und der Landkreis München erreichen außergewöhnlich hohe Werte. Hier wirken mehrere Faktoren zusammen: hohe Einkommen, ein großer Anteil von Dienstwagen und die Nähe zur Automobilindustrie. Der Landkreis München sticht sogar deutschlandweit heraus. Die Zahl der Fahrzeuge mit Steckerantrieb je 1000 Einwohner liegt dort um ein Vielfaches über dem Bundesdurchschnitt.

Vier Cluster

Um die strukturellen Unterschiede besser zu verstehen, wurden die Regionen in vier Cluster eingeteilt. Der erste Cluster umfasst sogenannte Nachzüglerregionen. Hier sind sowohl die Ladeinfrastruktur als auch die Verbreitung elektrischer Fahrzeuge unterdurchschnittlich. Typisch sind strukturschwache und häufig ländlich geprägte Räume.


Durchschnitt LP je 1000 EW1,89
Durchschnitt E‑Auto-Anteil6,77 %
Durchschnitt E‑Autos je 1000 EW41,63
Typische Regionenländliche und strukturschwache Regionen in Nord- und Ostdeutschland

Nachzügler-Regionen

Beispiele

  • Landkreis Wittmund
  • Landkreis Börde
  • Schwerin
  • Teile Brandenburgs

Ein zweiter Cluster besteht aus wenigen, aber sehr auffälligen Hotspots der Elektromobilität. Dazu gehören unter anderem der Landkreis München, Wiesbaden, Ingolstadt und Wolfsburg. Diese Regionen weisen sowohl eine außergewöhnlich hohe Fahrzeugdichte als auch eine besonders gute Infrastruktur auf. Sie fungieren gewissermaßen als Laboratorien der Verkehrswende.

Durchschnitt LP je 1000 EW6,90
Durchschnitt E‑Auto-Anteil20,51 %
Durchschnitt E‑Autos je 1000 EW231,33
Höchstwert E‑Autos je 1000 EWLandkreis München: 373,39

Hotspots

Beispiele

  • Landkreis München
  • Wiesbaden
  • Ingolstadt
  • Wolfsburg

Der dritte Cluster wird von Regionen geprägt, die vor allem durch ihre Infrastruktur hervorstechen. Viele touristische Gebiete und wohlhabende süddeutsche Landkreise fallen in diese Gruppe. Hier wurde der Ausbau der Ladepunkte teilweise schneller vorangetrieben als das Wachstum des Fahrzeugbestandes.


Durchschnitt LP je 1000 EW4,23
Durchschnitt E‑Auto-Anteil9,03 %
Durchschnitt E‑Autos je 1000 EW52,19
CharakteristikÜberdurchschnittlicher Infrastrukturausbau

Infrastruktur-Vorreiter

Beispiele

  • Oberallgäu
  • Miesbach
  • Lindau
  • Lübeck

Der vierte Cluster stellt die breite Mitte Deutschlands dar. Diese Regionen verfügen über solide Werte sowohl bei der Infrastruktur als auch bei der Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Dazu gehören zahlreiche Großstädte und wirtschaftsstarke Landkreise. Hier scheint die Entwicklung vergleichsweise ausgewogen zu verlaufen: Die Infrastruktur wächst mit der Nachfrage.

Durchschnitt LP je 1000 EW2,32
Durchschnitt E‑Auto-Anteil9,59 %
Durchschnitt E‑Autos je 1000 EW55,31
CharakteristikAusgewogene Entwicklung

Die "breite Mitte"

Beispiele

  • Köln
  • Mainz
  • Bergstraße
  • Bayreuth

Die Transformation zur Elektromobilität ist offenbar kein flächendeckender Prozess. Vielmehr existieren mehrere Entwicklungspfade. Wirtschaftskraft, Urbanisierung, industrielle Prägung und Tourismus beeinflussen die Geschwindigkeit der Transformation stärker als geografische Lage.

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