Ein emissionsfreies, fahrerloses Auto holt uns an der Tür ab und bringt uns bequem an unser Ziel, während wir am Handy lesen, spielen oder Mails bearbeiten. Sobald wir ausgestiegen sind, fährt das Fahrzeug zu seinem nächsten Passagier, und wir müssen uns keine Sorgen mehr um Besitz, Wartung und Parken machen. So etwa klangen jahrelang die Ideen für die „ideale“ Mobilität der Zukunft. Eine Studie der Strategieberatung Arthur D. Little legt nahe, dass an dieser Idee einiges zurechtzurücken ist.
Die Studie „Future of Automotive Mobility 2024“ analysiert Megatrends der Mobilität - connected, autonom, shared und electric - in wichtigen Märkten rund um den Globus. Ihre Grundlage sind die Antworten von über 16.000 Verbrauchern in 25 Staaten.
Vernetzungszentrale ist das Handy
Deren Ergebnisse ergeben laut den Beratern „ein Bild, das sich erheblich von dem unterscheidet, das wir noch vor wenigen Jahren erwartet hatten“. Beispiel: Obwohl die Vernetzung bei Navigation, Unterhaltung, Sicherheit, Wartung und Service zum Standard geworden ist, sei die vernetzte Schnittstelle häufig das Smartphone des Besitzers und nicht, wie bislang oft prognostiziert, die vom Hersteller angebotenen vernetzten Dienste.
Auch die Entwicklung bei autonomem Fahren entspricht nicht den langjährigen Erwartungen. Aufgrund anhaltender Sicherheitsbedenken besteht laut Arthur D. Little nur begrenztes Kundeninteresse an komplett autonom fahrenden Autos. Dagegen bieten die niedrigeren Ebenen des assistierten Fahrens den meisten Kunden bereits die gewünschten Vorteile.
Gleichzeitig hätten die Hersteller bei der Autonomie weitaus weniger Fortschritte gemacht als ursprünglich geplant, heißt es in der Studie. Sie hatten schlicht andere Prioritäten, etwa die Erstellung neuer Softwarearchitekturen und die Entwicklung von Elektrofahrzeugen.
Autobesitz bleibt attraktiv
Auch am Autobesitz hat sich nicht so viel geändert. Carsharing wächst zwar, mache aber nur 3 Prozent des globalen Marktes für geteilte Mobilität aus. Es sei nicht gelungen, durchzustarten, da Betreiber Schwierigkeiten haben, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Deutlich besser bei Wachstum und Nutzung schneidet Ride-Hailing über digitale Apps ab. Ohnehin bleibe der Wandel auf wohlhabende, westliche, städtische Gebiete beschränkt, in denen ein öffentlicher Nahverkehr von hoher Qualität vorhanden ist.
Wie skeptisch vor allem europäische und US-amerikanische Verbraucher gegenüber autonomem Fahren sind, zeigen die Zahlen. Auf einer Skala von -100 bis +100 ist die Zurückhaltung mit -17 in beiden Regionen weiterhin groß. Ganz anders ist das Bild in Asien: Indische Verbraucher sind mit einem Wert von +47 besonders interessiert, China und Saudi-Arabien folgen mit +29 bzw. +28.
Global ist laut Studie erkennbar, dass autonome Fahrzeuge in Großstädten besonders hohe Akzeptanz genießen. Die Zustimmung nimmt mit der Größe der Wohnorte deutlich ab. Auch das Einkommen der Befragten ist ein relevanter Faktor. Besonders hohe Akzeptanz genießt autonomes Fahren in Megacities unter reichen Befragten. Die Ablehnung überwiegt in kleineren Städten unter Verbrauchern mit mittlerem und niedrigem Einkommen. (wa)



