Der Aufbau eines flächendeckenden Ladenetzes für elektrische Lastwagen im Ländle nimmt Fahrt auf. Im Rahmen des Förderprogramms "BASE BW" hat das Land Baden-Württemberg den Zuschlag für zwei von insgesamt drei ausgeschriebenen Losen an ein Konsortium aus "Regioladen+" und "LichtBlick eMobility" vergeben.
Das Bündnis werde in den kommenden zwei Jahren an 14 Standorten Schnellladeparks für E-Lkw errichten und schrittweise in Betrieb nehmen, teilte die Thüga mit. Auf der Plattform Regioladen+ bündelt die Gruppe Ladeinfrastrukturaktivitäten von Stadtwerken und Regionalversorgern aus dem Netzwerk.
Vorgesehen sind je Standort mindestens vier Ladepunkte für Lastwagen sowie eine Gesamtladeleistung von mindestens 1,2 Megawatt. Geplant sind zudem Batteriespeicher und – abhängig von der Nachfrage – perspektivisch auch Ladepunkte für das Megawatt Charging System (MCS), das speziell für den Schwerlastverkehr entwickelt wird.
Energieversorger setzen verstärkt auf Schwerlastverkehr
Die Ausschreibung unterstreicht einen Trend in der Branche: Während viele Anbieter im Pkw-Ladegeschäft weiterhin mit wirtschaftlich schwierigen Bedingungen kämpfen, wächst das Interesse an Ladeinfrastruktur für Nutzfahrzeuge. "Schon seit Jahren baut die Thüga-Gruppe konsequent die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität aus", so Matthias Cord, stellvertretender Thüga-Vorstandsvorsitzender.
Für E-Autos sei die Gruppe mit rund 13.000 Ladepunkten führend in Deutschland, sagt Cord weiter. "Den Ausbau auch für die Schwerlastmobilität gemeinsam mit unserem Partner Lichtblick E-Mobility voranzutreiben, ist nur logisch und konsequent."
Auch andere Unternehmen richten ihren Fokus zunehmend auf das Geschäft mit E-Lkw und E-Bussen. So sagte Andreas Speith, Technischer Geschäftsführer der Westfalen Weser, bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz am 8. Juni: "Wir haben uns dahin entwickelt, E-Laden nur noch großtechnisch zu betrachten, also für E-Lkw oder E-Busse."
Kleine öffentliche Ladesäulen seien vielerorts weiterhin unwirtschaftlich. Dagegen werde das Ladegeschäft an Autobahnen sowie für Großfahrzeuge "immer attraktiver für die Zukunft". Westfalen Weser ist dabei vor allem als Projektierer und Dienstleister für Industrieunternehmen und den öffentlichen Nahverkehr tätig.
Gemeinsame Gesellschaft geplant
Die Partner Regioladen+ und Lichtblick E-Mobility wollen für das Vorhaben eine gemeinsame Projektgesellschaft gründen. Während Lichtblick die Vorfinanzierung sowie den kommerziellen Betrieb übernehmen solle, werde Regioladen+ die Planung, den Bau und später den technischen Betrieb der Infrastruktur sicherstellen.
Sebastian Ewert, Geschäftsführer Lichtblick E-Mobility, sieht in der Elektromobilität einen "zentralen Schlüssel zur Erreichung der Klimaziele im Verkehrssektor". Mit dem Projekt erweitere das Unternehmen sein Angebot für Gewerbekunden wie Speditionen und Logistikunternehmen.
Für Regioladen+ markiert der Zuschlag zugleich den Einstieg in ein neues Marktsegment. Geschäftsführerin Miriam Stoff zufolge ist die erfolgreiche Bewerbung auch Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Lichtblick, Regioladen+ sowie mehreren Unternehmen aus dem Netzwerk der Thüga-Gruppe.
Kommunale Unternehmen bündeln ihre Kräfte
Nach Angaben der Beteiligten wurden in den vergangenen Monaten gemeinsam geeignete Standorte identifiziert und Gespräche mit Flächeneigentümern, Speditionen und Logistikunternehmen geführt. Die Ausschreibung galt als anspruchsvoll: Zwischen Antragstellung und Zuschlag lagen laut Regioladen+ lediglich sechs Wochen.
Für die Thüga-Gruppe ist das Projekt zudem ein Beleg dafür, dass kommunal geprägte Unternehmen inzwischen auch bei großflächigen Infrastrukturprojekten überregional zusammenarbeiten. Regioladen+ war erst vor gut einem Jahr gegründet worden, um Ladeinfrastrukturaktivitäten verschiedener Versorger zu bündeln und Skaleneffekte zu schaffen.
Mit dem Zuschlag in Baden-Württemberg dürfte sich nun zeigen, ob dieses Modell auch im wachsenden Markt für elektrische Schwerlastmobilität funktioniert.



