Ein flächendeckendes Netz – und das Laden von Elektroautos soll einfach, schnell und bequem sein: Das sind die Ziele der Bundesregierung. „Die Elektromobilität wird nur Akzeptanz finden, wenn das Laden so einfach ist wie heute das Tanken", sagt Bundesverkehrsminister Volker Wissing. Der FDP-Politiker will beim Ausbau des Ladenetzes mehr Tempo machen.
Das Kabinett beschloss dazu den „Masterplan Ladeinfrastruktur II“. Für den erwarteten Hochlauf der E-Mobilität brauche es einen vorauslaufenden Aufbau von Ladestationen, sagte Wissing. Lücken müssten vor allem auf dem Land vermieden werden. Hier komme vor allem den Kommunen eine Schlüsselrolle zu.
6,3 Milliarden Euro für die Umsetzung
Der Plan sieht 68 Maßnahmen vor. So sollen die Kommunen stärker eingebunden werden. Der Aufbau von Ladepunkten in Wohnvierteln, an Tankstellen sowie bei Firmen soll vorangetrieben werden. Mehr Flächen sollen verfügbar gemacht werden, vor allem an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen oder Park & Ride-Plätzen. Zur Umsetzung des Plans sind 6,3 Milliarden Euro vorgesehen.
Als schwierigste Aufgabe bezeichnete der Minister die Integration ins Stromnetz, das rechtzeitig ausgebaut werden soll. Bisher betrage der Anteil von Elektroautos am Stromverbrauch 0,5 Prozent. 2030 seien es bei 15 Millionen E-Pkw 8 Prozent.
VKU mahnt Einbindung der Stakeholder an
Aus Sicht des Verbands Kommunaler Unternehmen (VKU) weist der Masterplan deutlich mehr Praxistauglichkeit gegenüber dem Regierungsentwurf vom Juni dieses Jahres auf. Der Erfolg der Strategie hänge nun maßgeblich davon ab, ob und wie die Stakeholder in die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen eingebunden werden, so VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Er betonte die Bedeutung kommunaler Unternehmen bei der Mobilitätswende: Rund die Hälfte der öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland werden von ihnen betrieben.
Hauptaufgabe der Bundesregierung müsse es sein, den Ausbau der Ladeinfrastruktur durch den Abbau von bürokratischen, administrativen und praktischen Hemmnissen zu unterstützen, so Liebing. Als Beispiel nannte er einen Mangel an verfügbaren Flächen, auf denen Ladeinfrastrukturangebote entwickelt werden können. Der Verband appelliert an die Bundesregierung, die im Masterplan genannten Maßnahmen durch Gesetze so umzusetzen, dass die Branche den wettbewerblichen Ausbau der Ladeinfrastruktur weiter engagiert vorantreiben kann.
Ergänzend seien zielgerichtete Maßnahmen wichtig, wie etwa eine fokussierte Förderung von Regionen mit bisher vergleichsweise wenig Ladesäulen. „Vor allem dünn besiedelte Regionen im Norden und Nordosten Deutschlands zeigen noch Ausbaulücken. Das trifft auch auf Regionen zu, die nur saisonale Bedarfsspitzen aufweisen, wie etwa bekannte Urlaubsorte während der Ferienzeit“, so Liebing.
BDEW fordert weniger Bürokratie
Beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fällt die Kritik deutlich unfreundlicher aus. Der Plan verpasse nach einem dreiviertel Jahr Arbeit mit seinen 68 Einzelmaßnahmen die Chance, gezielt die Bremsklötze zu beseitigen, die schon viel zu lange auf Seiten der öffentlichen Hand den schnelleren Ladesäulenausbau erschweren, heißt es dort. Auch der Bund solle seine Flächen endlich für Ladeinfrastruktur zugänglich machen.
„Gleichzeitig brauchen wir mehr Tempo bei den Genehmigungen und deutlich weniger Bürokratie bei den Förderprogrammen“, so der BDEW. Der Masterplan führe zu mehr staatlicher Planung und Steuerung. Er beschäftige sich „vor allem mit behördlichen Prüfaufträgen, Konzepten, staatlicher Planung, staatlichem Stellenaufbau und staatlichen Ausschreibungen.“ Das immer noch nicht abgeschlossene Ausschreibungsverfahren des für 2023 angekündigten Deutschlandnetzes zeige, dass der Staat den Ausbau des Ladeangebots nicht schneller, besser oder günstiger mache. Der privatwirtschaftlich organisierte Ausbau des Ladeangebots laufe dagegen bereits seit Jahren.
Unterdessen stimmte eine Mehrheit der Abgeordneten des Europaparlaments dafür, dass bis 2026 an den Hauptverkehrsstraßen alle 60 Kilometer eine Ladestation eingerichtet werden soll. Die Infrastruktur für Alternativen zu Verbrennern müsse dringend ausgebaut werden, um die EU-Klimaziele zu retten, sagte der zuständige Berichterstatter Ismail Ertug. Im nächsten Schritt müssen Parlament und EU-Staaten über den endgültigen Gesetzestext verhandeln. (wa/dpa)

