Die Unterstützung der Bevölkerung für eine klimagerechte Verkehrspolitik bleibt hoch. Auch die Krisen der letzten Jahre führen nicht zu Müdigkeit oder Ablehnung, heißt es in einer Mitteilung des Verkehrsministeriums von Baden-Württemberg. Alle zwei Jahre lässt das Verkehrsministerium die Menschen im Land zu ihren verkehrspolitischen Einstellungen befragen. Zu den Themen der repräsentativen Umfrage gehören die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel oder Wünsche zur Verkehrsplanung.
Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ist aus Sicht der Bevölkerung Baden-Württembergs das wichtigste Ziel in der Verkehrsplanung. Könnten die Befragten darüber entscheiden, wie finanzielle Mittel lokal eingesetzt werden, würden sie diese mit Abstand am häufigsten in ein besseres Bus- und Bahnangebot investieren (42 Prozent). Damit liegt aus Sicht der Befragte die Priorität wie vor der Pandemie im Ausbau des ÖPNV (2019: 41 Prozent). Bemerkenswert: Während der Pandemie hatte dieses Ziel massiv an Bedeutung eingebüßt. 2021 lag der Wert nur bei 28 Prozent.
Klare Mehrheit für eine „Mobilitätsgarantie“
Außerdem befürwortet eine deutliche Mehrheit – 82 Prozent – die Anbindung aller Orte an den ÖPNV im Sinne einer „Mobilitätsgarantie“. Das bedeutet Nahverkehr von 5 bis 24 Uhr, in ländlichen Räumen mindestens alle 30 Minuten und in der Stadt alle 15 Minuten. Eine große Mehrheit könnte sich sogar vorstellen, den Ausbau des Nahverkehrs selbst finanziell zu unterstützen, allerdings nur, wenn der Betrag für ein Abo des Nahverkehrs anrechenbar wäre. Gegenüber 2021 nutzt zudem ein gestiegener Anteil hauptsächlich öffentliche Verkehrsmittel, um mobil zu sein (+6 Prozentpunkte auf 19 Prozent).
Verkehrsminister Winfried Hermann sieht mit der Umfrage die Arbeit des Verkehrsministeriums bestätigt: „Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen insgesamt, dass viele Menschen im Land klimafreundlich unterwegs sein möchten. Viele sind sogar dazu bereit, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und weil Ihnen das Angebot zusagt. Insbesondere eine gute und flächendeckende Anbindung durch den öffentlichen Verkehr stößt auf große Zustimmung. Das zeigt uns, dass wir mit der Mobilitätsgarantie auf dem richtigen Weg sind.“
Immer mehr sind schon mal elektrisch gefahren
Der Anteil an Haushalten mit Elektroauto ist laut Umfrage gegenüber 2021 von fünf auf nunmehr 14 Prozent gestiegen. Aber noch stärker hält die Elektromobilität mit dem Pedelec Einzug in die Haushalte. Mehr als ein Drittel der Menschen nutzen es als Hauptverkehrsmittel (36 Prozent gegenüber 28 Prozent 2021). Insgesamt haben deutlich mehr Befragte als noch vor zwei Jahren schon einmal Verkehrsmittel mit Elektroantrieb genutzt, seien es E-Autos (44 Prozent), E-Bikes (54 Prozent) oder E-Scooter (25 Prozent).
Eine bessere Ladeinfrastruktur sehen viele als Voraussetzung für mehr E-Autos (63 Prozent). Die Zahl sinkt aber gegenüber 2021. Gut die Hälfte ist bereit, unter den richtigen Voraussetzungen beim nächsten Autokauf einen Elektroantrieb zu wählen.
Vorrechte finden wenig Zustimmung
Elektromobilität ist aber auch umstritten. Einerseits besteht – konstant zu 2021 – bei einer Hälfte Skepsis gegenüber umweltfreundlichen Effekten. Noch kritischer werden Vorrechte bzw. die Besserstellung von Elektroautos gegenüber „Verbrennern“ bei Parkgebühren oder bei der Fahrerlaubnis in Städten beurteilt. Die Zustimmung für die Vorrechte liegt nur bei 37 Prozent für die Parkgebühren und bei 20 Prozent zur Fahrerlaubnis.
Auffällig sei insgesamt die bejahende Einstellung der Jüngeren und Personen in Großstädten zur Elektromobilität gegenüber skeptischeren Ansichten der Älteren und derjenigen, die in kleineren Städten und Gemeinden Baden-Württembergs leben. (wa)



