Keine zwei Wochen nach dem Start mussten die Wasserstoffzüge schon wieder im Depot bleiben – weil angeblich Wasserstoff fehlte.

Keine zwei Wochen nach dem Start mussten die Wasserstoffzüge schon wieder im Depot bleiben – weil angeblich Wasserstoff fehlte.

Bild: © VBB

Von Jürgen Walk

Seit Mitte Dezember fahren die ersten Wasserstoffzüge auf der Heidekrautbahn, die vom Norden Berlins in die Schorfheide führt. Aber kaum zwei Wochen später standen die Signale für die neue Technologie schon wieder auf rot. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) verkündete Betriebseinschränkungen, weil Wasserstoff für die Betankung fehle – und nannte auch einen Schuldigen: die Firma Enertrag. Doch die wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Reibungslos lief die Umstellung auf Wasserstoffzüge ohnehin nicht. Eigentlich war geplant, dass die Brennstoffzellenzüge über eine Wasserstofftankstelle betankt werden. Die sollte von den Kreiswerken Barnim (KWB) errichtet werden; der Wasserstoff wiederum sollte regional in einem Wasserstoffkraftwerk der Firma Enertrag produziert werden. Dabei gab es jedoch Lieferschwierigkeiten bei einzelnen Bauteilen. Daher hat die Wasserstofftankstelle den Regelbetrieb noch nicht aufgenommen.

Aufwändige Zwischenlösung

Stattdessen stimmten die drei Projektpartner Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), KWB und Enertrag eine Zwischenlösung ab. Enertrag produziert eine Teilmenge selbst und beschafft den Rest in Deutschland und Österreich. Das Unternehmen stellt den Wasserstoff in Tankanhängern (Trailer) zur Verfügung. Dazu stehen drei Lastwagen zur Verfügung, die direkt an die Züge herangefahren werden. Die Züge werden durch Überströmen direkt aus den Trailern betankt. Das sei zwar ein "personal- und zeitintensives Verfahren", heißt es beim VBB; doch trotz dieser Nachteile sei der planmäßige Betrieb mit diesem Konzept aber grundsätzlich realisierbar.

Dabei seien über den Jahreswechsel aber Probleme aufgetreten, heißt es beim Verkehrsverbund. Der Grund: "Das beauftragte Unternehmen Enertrag kann im Moment nicht genügend Wasserstoff zur Verfügung stellen." Daher blieben die Wasserstoffzüge im Depot und der Verkehrsverbund habe von einer anderen Linie einen Batteriezug sowie zwei Dieselzüge abgezogen. Auf beiden Linien kam es daher zu einem deutlich geringeren Sitzangebot sowie zu einer sehr angespannten Fahrzeugsituation. Die Suche nach alternativen Wasserstoffquellen laufe parallel auf Hochtouren weiter.

Mehr geliefert als vereinbart

Bei der Firma Enertrag ist man sich aber keiner Schuld bewusst. Das Unternehmen habe mehr Wasserstoff geliefert als vereinbart. Mittlerweile haben sich die Unternehmen offenbar auf die Sprachregelung geeinigt, dass es "Logistikprobleme zwischen den Feiertagen" gab. Enertrag legt jedoch Wert darauf, es sei genug Wasserstoff vorhanden gewesen.

Im September hatte es bereits in Niedersachsen Lieferschwierigkeiten bei Wasserstoff auf der Zugstrecke zwischen Cuxhafen und Buxtehude gegeben. Anders gelagert waren die Probleme bei Brennstoffzellenzügen im Taunus. Dort sollen bis Ende 2025 ausgeliehene Dieselfahrzeuge störanfällige Wasserstoffzüge ersetzen. Hersteller Alstom hatte massive Probleme mit Ersatzteilen und kaputten Brennstoffzellen eingestanden, die bis zum Jahresende gelöst sein sollen.

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper