
Gastbeitrag von
Bianca Triebel,
Teamleiterin Ladeinfrastruktur bei Thost Projektmanagement
Wie sich Ladeinfrastruktur, Netzkapazitäten und Beschaffung von emissionsfreien Busflotten effizient verzahnen lassen, erläutert Bianca Triebel, Teamleiterin Ladeinfrastruktur bei Thost Projektmanagement, in ihrem Gastbeitrag.
Die Politik gibt ambitionierte Ziele vor: Bis 2030 soll jeder zweite Bus emissionsfrei fahren – doch der Hochlauf stockt. Eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz zeigt, dass bis Ende 2025 erst 15 Prozent der ÖPNV-Busflotte elektrisch sein könnten – ein weiter Weg zur Zielmarke. Aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts unterstreichen die Herausforderung: 2024 wurden nur 713 neue Elektrobusse zugelassen. Im Jahr davor waren es knapp 100 mehr.
Viele Kommunen sind bereits auf dem Weg zur emissionsfreien Busflotte, allerdings ist die Umsetzung anspruchsvoll. Parallel zum Aufbau der Ladeinfrastruktur müssen die Fahrzeuge beschafft werden – und das unter den Rahmenbedingungen öffentlicher Ausschreibungen und begrenzter Fördermittel. Damit die Elektrifizierung gelingt, braucht es ein durchdachtes Gesamtkonzept, das alle relevanten Aspekte verbindet.
Erster Schritt ist eine durchdachte Standortanalyse
Der erste Schritt zur emissionsfreien Busflotte ist eine ganzheitliche Betrachtung der lokalen Gegebenheiten und des Streckennetzes. Neubaugebiete, steigende Fahrgastzahlen oder veränderte Linienführungen können kurzfristig Anpassungen erfordern. Eine durchdachte Standortanalyse hilft, Ladepunkte sinnvoll zu platzieren und den Betrieb effizient zu organisieren. Wer frühzeitig prüft, wo Busse geladen werden können und welche Infrastruktur benötigt wird, vermeidet spätere Engpässe.
Aber selbst mit einer strategisch geplanten Ladeinfrastruktur steht und fällt der Hochlauf mit der Anbindung ans Stromnetz. Fehlende Netzkapazitäten oder langwierige Genehmigungen können die Umsetzung erheblich verzögern. Die Beantragung von Netzanschlüssen und Bauanträgen ist oft zeitintensiv – eine vorausschauende Planung hilft, Prozesse effizient zu steuern. Eine frühzeitige Abstimmung zwischen Planern, Netzbetreibern und Genehmigungsbehörden stellt sicher, dass die Ladeinfrastruktur an die vorhandenen Netzkapazitäten angepasst und rechtzeitig umgesetzt wird.
Neben der Ladeinfrastruktur ist auch die Beschaffung der Busse eine Herausforderung. Öffentliche Ausschreibungen unterliegen strengen Vergabevorschriften und müssen technisch und rechtlich klar definiert sein. Mit der Vergabe wird zugleich ein Vertrag mit dem Bushersteller geschlossen – und dieser sollte keine Unklarheiten lassen. Jede technische Spezifikation, jede Lieferfrist und jeder betriebliche Rahmen muss genau festgelegt sein, sodass die Zusammenarbeit zwischen Busbetreiber und Hersteller reibungslos verläuft und mögliche Nachträge vermieden werden.
Förderanträge erfordern Präzision
Nicht zuletzt spielt die Finanzierung eine entscheidende Rolle. Die Elektrifizierung ist kostenintensiv, doch Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene bieten wertvolle Unterstützung. Bei einem unserer Projekte in Baden-Württemberg konnten so mehrere Millionen Euro gesichert werden – Mittel, die den Umstieg auf E-Busse erheblich erleichtert haben. Die Beantragung erfordert jedoch Präzision: Die Programme sind an spezifische Bedingungen geknüpft, manche lassen sich sogar strategisch kombinieren. Eine durchdachte Fördermittelstrategie hilft, finanzielle Spielräume auszuschöpfen und Investitionen abzusichern. Fehlerhafte Anträge oder verpasste Fristen können dazu führen, dass wertvolle Gelder verloren gehen, was im Ernstfall sogar einen Projektstopp mit sich bringen kann.
Die Elektrifizierung von Busflotten ist mehr als der Austausch von Diesel- gegen Elektrofahrzeuge. Netzanschluss, Ladeinfrastruktur und Fahrzeugbeschaffung müssen reibungslos ineinandergreifen. Das erfordert vorausschauendes Handeln, eine enge Abstimmung aller Beteiligten und eine kluge Verzahnung technischer, finanzieller und organisatorischer Aspekte.
Ein gut strukturiertes Projektmanagement kann dazu beitragen, dass alle Schritte – von der Standortanalyse über die Ausschreibung bis zur Fördermittelbeantragung – reibungslos zusammenspielen. So kann aus einem ehrgeizigen Ziel eine umsetzbare Realität werden.



