Ein Appell an das ökologische Gewissen allein reicht nicht. Um Menschen zum Umsteigen auf nachhaltige Verkehrsmittel zu bewegen, müssen Routinen durchbrochen werden und attraktive Alternativen zu einem privaten Auto verfügbar sein. So lautet der Ansatz einer Studie des «Future Mobility Lab» an der Universität St. Gallen. Sie zeigt für 20 Haushalte, wie sich Mobilitätsverhalten nachhaltig ändern lässt. Das Lab ist ein Konsortium von Städten, Verbänden und zentralen Mobilitätsdienstleistern aus Deutschland und der Schweiz.
In der Studie wurden 20 private Haushalte in Berlin, Hamburg, Zürich und St. Gallen über einen Zeitraum von vier Monaten von Wissenschaftlern – „Mobility Buddys“ – bei der Ausgestaltung ihrer Mobilität begleitet und beraten. Die Haushalte wurden ausgewählt, um möglichst heterogene Lebensumstände abzubilden. An der Studie haben Familien mit Kindern oder Single-Haushalte teilgenommen, die im urbanen, suburbanen oder ländlichen Raum leben.
Viele können ihre Mobilitätskosten nicht korrekt schätzen
Zunächst wurde das bisherige Mobilitätsverhalten abgeklärt. Anschließend wurden in einem iterativen Prozess verschiedene Maßnahmen getestet, die zu einer emissionsärmeren Mobilität beitragen. Insgesamt gab es über 100 Interventionen, die in 13 Maßnahmen unterteilt sind: Dazu gehören
- der Verzicht auf ein Auto sowie der Umstieg auf ein Elektrofahrzeug,
- die Nutzung des öffentlichen Verkehrs,
- die Nutzung von Shared-Mobility-Angeboten, beispielsweise Carsharing und Sharing-Angebote im Bereich der Mikromobilität,
- der Einsatz von Mobilitätsapps sowie
- die Betrachtung von CO2-Emissionen und Kosten für die eingesetzten Mobilitätsformen (Tank-/Ladekosten, Fahrscheine, Mietkosten für Sharing-Angebote) als beeinflussender Faktor für die Wahl des Verkehrsmittels.
Es zeigte sich, dass nur wenige der Teilnehmenden ihre Mobilitätskosten zu Beginn der Studie korrekt einschätzen konnten. Gleichzeitig wurden diese aber aber als zentrales Argument für die Verkehrsmittelwahl genannt. Im Laufe der Studie waren mehrere der Teilnehmenden dann bereit, bewusst Mehrkosten für einen privaten Pkw gegenüber einem objektiv günstigeren Alternativangebot zu zahlen. Das galt selbst dann, wenn Alternativangebote gut in den Tagesablauf integriert werden konnten. Auch das Aufzeigen von CO2-Emissionen hatte – zumindest als alleinstehender Faktor – in der Regel keinen ausschlaggebenden Einfluss auf die Verkehrsmittelwahl.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass sich eine erfolgreiche Veränderung des Mobilitätsverhaltens aus drei übergeordneten Dimensionen ableitet:
- dem Durchbrechen bestehender Mobilitätsroutinen (Verhalten)
- der Schaffung und Weiterentwicklung attraktiver Alternativangebote (Angebot)
- und einer differenzierten Einordnung der Modi (Kontext).
Wichtig: Eine App für alle Angebote
Die letztgenannte Dimension hebt hervor, dass der optimale Mobilitätsmix eines Haushaltes wesentlich von dessen spezifischen Voraussetzungen und Bedürfnissen sowie dem jeweils verfügbaren Mobilitätsangebot abhängt.
Insbesondere in urbanen Untersuchungsräumen existiert bereits häufig ein diverses Angebot an geteilten Mobilitätsformen. Wichtig zur Steigerung ihrer Attraktivität sind Multimodalapps, bei denen mehrere Mobilitätsangebote innerhalb einer Plattform gebucht werden können. Diese Vereinfachung ist aus Nutzer-Perspektive wichtig, da geteilte Mobilitätsformen häufig nur in ihrem Verbund eine ähnliche Flexibilität wie ein privater Pkw bieten. (wa)
Die Studie «New Mobility Buddys» zum Download.



