Ist sie die Lösung vieler Verkehrsprobleme in der Region um Wiesbaden und Mainz oder nur ein viel zu teurer Weg, auf ohnehin überlasteten Straßen den Autos die Fahrspuren wegzunehmen? Die geplante Citybahn, eine Stadtbahn, die vom Rheingau-Taunus-Kreis über Wiesbaden nach Mainz führen soll, bleibt in der Region umstritten. Am 1. November dürfen die Wiesbadener Bürger darüber abstimmen.
Im Vorfeld dieses Bürgerentscheids hat die Citybahn GmbH eine Studie vorgelegt, die die positiven wirtschaftlichen Effekte des Projekts in den Mittelpunkt rückt. Die Frage, der die Studie nachgeht, lautet: Inwieweit hat der Betrieb einer Straßenbahn auf die Entwicklung von Geschäften, Kundenstämmen und auch Immobilienwerten Einfluss?
Autofahrer haben nicht mehr Kaufkraft
Das Urteil, dass Personen die ihr eigenes Fahrzeug für eine Stadtfahrt nutzen mehr Umsatz machen als Käufer, die mit dem Nahverkehr kommen, ist nach dieser Analyse so nicht mehr haltbar, heißt es in der Studie. Der Einkaufswert beider Gruppen pro Woche sei fast gleich. Zusätzlich werde die Bedeutung von Parkplätzen für die Umsatzhöhe im Einzelhandel oft überbewertet.
Die Einführung einer schienengebundenen öffentlichen Verkehrslinie könne eine Gruppe von 20 Prozent zum Umstieg auf dieses Verkehrsmittel bewegen. Die Einführung der CityBahn würde laut Studie eine Steigerung von voraussichtlich rund 2260 Personen pro Haltestelle und Tag im innerstädtischen Gebiet auslösen. Die Zahl sei konservativ gerechnet; wahrscheinlich liege sie in der Praxis deutlich höher.
Alle Städte würden profitieren
Als Landeshauptstädte würden laut Studie Wiesbaden und Mainz in ihrer Rolle als Arbeits- und Einkaufsstädte von der Citybahn profitieren; Bad Schwalbach hätte Vorteile als Einkaufs- und Freizeitziel. In mit Wiesbaden vergleichbaren Städten sei festgestellt worden, dass die Einführung eines schienengebundenen Nahverkehrs die Arbeitslosigkeit um 3,3 Prozent innerhalb von sieben Jahren sinken lasse.
Ein Schienenanschluss wirke sich zudem positiv auf Bevölkerungsentwicklung und Wohnbautätigkeiten aus. Die Studie nennt ein Potenzial für Bevölkerungswachstum für Wiesbaden und die Städte des Rheingau-Taunus-Kreises von 10,5 Prozent in den kommenden Jahren.
Andere Studien zeigten zudem, dass Nähe zur Haltestelle eine positive Entwicklung des Immobilienwerts in einem Korridor um drei Prozent bietet. (wa)



