76 Prozent der Personalmanager sind der Meinung, dass derzeit ein Arbeitskräftemangel besteht. Über die Hälfte (55 Prozent) glaubt, dass das Phänomen mit der Covid-Pandemie angefangen hat. Das ergab eine neue Studie von Getapp, einer Such- und Vergleichsplattform für Unternehmenssoftware, unter kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU).
Den größten Arbeitskräftemangel im eigenen Unternehmen stellten 28 Prozent dabei im Personalmanagement fest, sowie 24 Prozent im Vertrieb und 15 Prozent im IT-Bereich. Daraus folgte am häufgsten eine Überlastung von Mitarbeitern, eine sinkende Mitarbeiterzufriedenheit sowie Umsatzverluste. Die Mehrheit der Befragten (65 Prozent) gab an, dass ihr Unternehmen aufgrund des Personalmangels zwischen 11 und 20 Prozent Umsatz verlieren.
KI findet Kandidaten
Um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, ist es nicht nur wichtig, neue Talente zu finden und einzustellen, sondern auch bestehende Arbeitnehmer zu binden. Unter den befragten KMU, waren dies die häufigsten Maßnahmen:
- 51 Prozent setzen automatisierte Recruitment-Tools ein (etwa Künstliche Intelligenz, um Kandidaten zu finden)
- 49 Prozent haben Aspekte des Arbeitsplatzes angepasst (etwa Hybridmodell, Home-Office)
- 45 Prozent haben mehr Personalvermittler eingestellt
- 45 Prozent haben mehr Vergünstigungen und Leistungen eingeführt
- 44 Prozent haben höhere Gehälter angeboten
Viele Unternehmen setzen auch auf einen schnelleren Recruiting-Prozess: Fast ein Fünftel der befragten KMU lässt zwischen dem ersten Gespräch und dem Unterbreiten eines Angebots nur ein bis zwei Wochen verstreichen. Über die Hälfte der Unternehmen (57 Prozent) machen ihr Angebot in zwei bis vier Wochen.
Blind Hiring mehr einsetzen
78 Prozent der Befragten gaben darüber hinaus an, im Bewerbungsprozess Diversity-Recruiting-Praktiken, wie zum Beispiel "Blind Hiring" oder einseitige Video-Interviews, einzusetzen, davon 38 Prozent manchmal und 40 Prozent immer.
Auch Gamification scheint in der Welt des Recruiting angekommen zu sein. 77 Prozent der Befragten gaben an, Gamification im Rekrutierungsprozess immer (29 Prozent) oder zumindest manchmal (47 Prozent) zu nutzen – zum Beispiel, um Arbeitsprozesse zu simulieren oder Wissenstests durchzuführen.
Verstöße gegen Datenschutz
Zudem spielen soziale Medien im Recruitingprozess eine wichtige Rolle: Für die Personalbeschaffung nutzen 24 Prozent der Teilnehmer hauptsächlich soziale Medien und 23 Prozent LinkedIn. Ganze 79 Prozent der HR-Manager prüfen außerdem die Profile ihrer Bewerber in sozialen Netzwerken, darunter 39 Prozent immer und 40 Prozent manchmal.
Im Bewerbungsprozess teilen Kandidaten viele persönliche Daten, weshalb Datenschutz an oberster Stelle für Unternehmen stehen sollte. Die Studie hat allerdings gezeigt, dass weniger als die Hälfte (43 Prozent) der Befragten sich beim Umgang mit Bewerberdaten strikt an Datenschutzbestimmungen halten. Ganze 22 Prozent geben sogar an, sich nur selten an die Bestimmungen zu halten.
Personaler in verantwortlichen Positionen
Für diese Umfrage befragte Getapp im September 2022 insgesamt 1483 Teilnehmer aus 5 Ländern, darunter 293 Teilnehmer aus Deutschland. Die Befragten sind über 18 Jahre alt und kommen aus Unternehmen mit 2 bis 250 Mitarbeitern aus verschiedenen Branchen.
Zudem mussten die Befragten die Position des Chief Human Resources Officer oder eine gleichwertige bekleiden. Teilgenommen haben auch Vizepräsidenten der Personalabteilung, HR-Direktoren, Personalchefs, HR-Generalisten, HR-Angestellte und HR-Spezialisten. Die Befragten waren dabei normalerweise an Aufgaben beteiligt, die mit der Einstellung von Mitarbeitern für ihr Unternehmen zusammenhängen, wie Getapp mitteilt. (jk)



