Von Artjom Maksimenko
Im Rahmen einer Studie im Auftrag von Google hat das Beratungsinstitut Aurora Energy Research UK untersucht, wie sich die Preise für Herkunftsnachweise (HKN) in unterschiedlichen Märkten entwickeln würden, dass sie nicht mehr grenzüberschreitend gehandelt werden dürften. Ein striktes Szenario, bei dem die HKNs ausschließlich lokal gehandelt würden, zeigt demnach eindeutige Vor- und Nachteile für einzelne Staaten.
Eine Erhöhung der lokalen Anforderungen auf dem europäischen Markt für Herkunftsnachweise (Englisch: GO) würden die GO-Finanzströme in erheblichem Maße von Märkten mit einem hohen Erneuerbarenanteil in ihren Netzen in Länder mit einem viel geringeren Anteil umlenken könnte, die in der Vergangenheit eine beträchtliche Anzahl von GOs importiert haben.
Deutliche Preisverschiebungen als Folge
So würden die Preise in den Exportländern wie Norwegen und Schweden stark fallen, während sich die Importländer wie Deutschland und die Niederlande auf beinahe Verdreifachung der Preise einstellen müssten, rechnet Aurora Energy Research vor. Zwar erwarten die Studienautoren in der Realität ein eher abgeschwächtes Modell. Dich die Analyse zeigt, dass erhebliche Finanzströme in bisher mit HKN unterversorgte Märkte gelenkt würden und so dort der Zubau von erneuerbaren Energien gefördert würde.
"In einem Szenario mit verstärkten lokalen Anpassungskriterien für Herkunftsnachweise würden die Entwickler von Solar- und Windenergie am meisten profitieren, obwohl die Abnehmer mit einer vorübergehenden Verringerung der Liquidität auf dem GO-Markt konfrontiert werden könnten", sagte Jannik Carl, Research Associate bei Aurora Energy Research. Nationale politische Maßnahmen, wie eine Überarbeitung des deutschen Doppelvermarktungsverbots, könnten eine Option sein, um strengere Marktkriterien zu kombinieren und gleichzeitig den Druck auf die Verbraucher zu verringern.
Außerdem kommt die Analyse zum Ergebnis, dass Solar- und Windenergieanlagen bei einem strengen Szenario "100 Prozent lokal" um die 17 Prozent mehr des europäischen Marktes für HKNs einnehmen könnten, was etwa 18 Mrd. Euro oder 6 Prozent des gesamten Investitionsbedarfs für erneuerbare Energien zwischen 2025 und 2030 ausmachen würde.
Wind- und PV würden zulegen
Der Anteil der Solar- und Windenergieanlagen am europäischen Markt für Herkunftsnachweise könnte zwischen 2025 und 2030 von 59 Prozent auf 69 Prozent steigen, was einem Anstieg von 17 Prozent entspricht.
Für die Exportländer wie Norwegen und Schweden würde die Isolation der GO-Märkte hingegen bis 2030 zu einen Einnahmerückgang um etwa 80 Prozent führen. Dies könnte die kumulierten GO-Einnahmen aus der Wasserkraft um zwei Milliarden Euro verringern, rechner Aurora Energy Research vor.



