Auch andere Kommunalversorger können ab kommendem Jahr das digitale Prepaid-Strom-Produkt der Stadtwerke Düren als White-Label-Lösung nutzen. Die hundertprozentige SWD-Tochter "EnergieRevolte" kooperiert hierbei eng mit dem IKT-Dienstleister T-Systems. Konkret wurde hierbei eine Cloud-Billing-Lösung der Telekom-Tochter um die Bezahloption Prepaid und das Verarbeiten von Zählerständen erweitert. "Wir erhalten immer mehr Anfragen von Grundversorgern zu unserer Prepaid-Lösung, deshalb wollen wir diese auch künftig anderen Unternehmen anbieten", erklärt André Jumpertz, Geschäftsführer der EnergieRevolte, im Gespräch mit der ZfK. Die White-Label-Version soll im ersten Quartal 2020 fertiggestellt sein. Mit der Stolberger EWV und der Aachener Stawag wurde bereits ein Pilotprojekt gestartet. Weitere sind bereits in der Pipeline.
Derzeitige Hauptzielgruppe des im Mai vergangenen Jahres gestarteten Prepaid-Produktes sind Menschen, die von "Energiearmut" betroffen sind. Über eine App kann der Kunde sein Stromguthaben im Voraus kaufen. Dieses wird an den digitalen Zähler weitergeleitet. Über die App kann der Kunde sich zudem jederzeit über seinen Verbrauch, die Kosten und das Restguthaben informieren.
Einbindung in die individuelle IT-Landschaft
Das künftige White-Label-Produkt umfasst die Prepaid-App und die dahinterliegenden cloudbasierten Softwareprozesse. "Das System ist so designt, dass man alles über Schnittstellen in die jeweilige, individuelle IT-Landschaft des jeweiligen Energieversorgers einbinden kann", so Jumpertz. Der Kunde bleibe beim jeweiligen Stadtwerk und werde dabei lediglich in ein anderes Zahlverfahren überführt. Verfüge ein Stadtwerk bereits über eine eigene App, könne die Prepaid-Lösung auch in diese integriert werden.
Auch Altschulden können künftig erfasst werden
Auch der Leistungsumfang des Produkts wird erweitert. Dieses soll künftig auch Altschulden der Kunden beim jeweiligen Stadtwerk erfassen können. Neben dem Guthabenkonto für den Strom wird dann ein zweites Konto für die Altschulden geführt. Bei einer Prepaid-Zahlung könnte dann ein Teil des Geldes für die Tilgung der ausstehenden Beträge und ein Teil für die Aufstockung des Energieguthabens verwendet werden. Auch weitere Bezahldienstleister sollen künftig in die Lösung integriert werden, die "EnergieRevolte" arbeitet aktuell mit Paypal zusammen. Weitere Bezahlungsoptionen sind Lastschrift, Kredikarte oder Überweisung. Zudem wird das Start-up künftig auch Service-Dienstleistungen für Stadtwerke rund um den Zählereinbau und die Zählerüberwachung anbieten.
Die neue Lösung wurde gemeinsam mit T-Systems entwickelt, Vertriebspartner gegenüber den EVU ist die "EnergieRevolte". Alle Daten werden in der Open Telekom Cloud verarbeitet, dem Cloud-Rechenzentrum von T-Systems in Deutschland, und unterliegen damit dem deutschen Datenschutz. Nachdem die neue Software in ersten Piloten ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt hat, soll nun bis zum Anfang kommenden Jahres eine Produktivversion entwickelt werden. Diese stellt gleichzeitig das erforderliche Update zu dem bisher eingesetzten Prepaidprodukt der "EnergieRevolte" dar. Aktuell hat das Unternehmen einige hundert Kunden, vor allem in Ballungszentren in NRW, unter Vertrag. Für die Muttergesellschaft, die Stadtwerke Düren, hat sich das Prepaid-Angebot bereits ausgezahlt: Die Forderungsausfälle sind deutlich zurückgegangen. (hoe)



