Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke München Kurt Mühlhäuser ist am 18. April gestorben und wurde 76 Jahre alt. Er hinterlässt seine Ehefrau, zwei Töchter und drei Enkelkinder. 17 Jahre lang stand der promovierte Jurist und Ökonom (Dipl. Kfm.) an der Spitze der Stadtwerke München (SWM) als Vorsitzender der Geschäftsführung und prägte von 1995 bis 2012 den Kurs des Münchner Infrastruktur-Unternehmens.
Seine Zeit bei den Stadtwerken München
In dieser Zeit verwandelte er die SWM von einem defizitären städtischen Eigenbetrieb in ein wettbewerbsfähiges und profitables Unternehmen, das die vielfältigen und anspruchsvollen Infrastrukturaufgaben der rasch wachsenden Stadt jederzeit bestens erfüllt.
Unter seiner Leitung wurden die SWM fit für den Markt und den Wettbewerb zu einem Zeitpunkt, als die Liberalisierung den Energiemarkt revolutionierte. Mit großer Entschlossenheit aber auch seiner Begeisterungsfähigkeit, mit der er die SWM-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter überzeugte und mitnahm, erzielte er ebenso schnelle wie langfristige Erfolge.
Was ihn immer antrieb, war nicht eine kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern die wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit und damit der langfristige Nutzen für die Stadt München, ihre Bürgerinnen und Bürger und den Wirtschaftsstandort München, heißt es in der dazu veröffentlichten Pressemitteilung der Stadtwerke München.
Pionier der Energiewende
Mühlhäuser vollzog bei den SWM sehr früh und sehr konsequent den strategischen Wandel hin zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Davon profitieren die SWM bis heute.
Besondere Meilensteine seiner erfolgreichen Strategie waren der frühe Einstieg in die Nutzung von On- und Offshore-Windkraft, die Erschließung der Geothermie in München sowie die langfristige Absicherung des Gasbezugs durch die Beteiligung an Bayerngas Norge und der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung.
Sein Ziel war die Erschließung eigener Energiequellen, um damit sowohl hohe Autonomie als auch Wertschöpfung in der gesamten Energiewirtschaft sicherzustellen.
Schon damals: Kunden im Zentrum
Am Herzen lagen ihm auch die nachhaltige Trinkwasserschutzpolitik der SWM, die die hervorragende Qualität des Münchner Trinkwassers für heute und die nachfolgenden Generationen sichert sowie der stetige Ausbau einer stadtgerechten Mobilität, und damit auch die Modernisierung von U-Bahn, Bus und Tram.
Als einer der ersten in der Branche erkannte er, dass nicht nur Transparenz, sondern auch die Akzeptanz der Kundinnen und Kunden für die Unternehmensaktivitäten von entscheidender Bedeutung sind, schreiben die SWM. Auch deshalb gehöre das Unternehmen heute zu den Stadtwerken in Deutschland mit dem klarsten und überzeugendsten Außenbild, heißt es weiter. Ein gutes Image und die Loyalität der Kunden hatten für ihn einen ganz persönlichen Wert.
100-prozentiges Eigentum von München
Dass Kurt Mühlhäuser in der bayerischen Landeshauptstadt und im ganzen Freistaat so geachtet war, lag nicht nur an seinem großen Erfolg, sondern auch an der Sozialverträglichkeit aller Maßnahmen auf dem Energie- und Versorgungssektor.
So gehört es in Zusammenarbeit mit dem damaligen Oberbürgermeister Christian Ude auch zu seinen Verdiensten, dass die SWM zu 100 Prozent im Eigentum der Landeshauptstadt München und damit im Eigentum und Einfluss der Bürgerschaft verblieben.
Auch nach dem Ausscheiden starke Verbundenheit zu den SWM
Bei seiner Verabschiedung im Jahr 2012 lobte ihn der damalige Oberbürgermeister Ude: „Für mich heißt SWM nicht ‚Stadtwerke München‘, sondern ‚Stark wegen Mühlhäuser‘.“
Auch nach seinem Ausscheiden bei den SWM blieb er „seinem“ Unternehmen SWM emotional stark verbunden und hielt vielfältige Kontakte. Bis zuletzt interessierten ihn die strategische Ausrichtung, die wirtschaftliche Situation und das Image der SWM.
Starkes politisches Netzwerk und hohes soziales Engagement
Zu seinem politischen Netzwerk gehörte nicht nur Alt-OB Ude, mit dem er freundschaftlich verbunden war. Mühlhäuser war auf unterschiedlichen Ebenen der Landespolitik aktiv. Seine berufliche Laufbahn hatte er 1972 im Bayerischen Staatsministerium der Finanzen begonnen. 1974 wechselte er zur Stadt München und im Jahr 1985 kam er zu den Stadtwerken München.
Er engagierte sich im Mieterverein München, dessen Vorsitzender er von 1986 bis zu seiner Ernennung zum Vorsitzenden der Geschäftsführung der Stadtwerke München war. Unter seiner Leitung verdoppelte sich die Anzahl der Mitglieder von 26.000 auf 52.000. Für sein nachhaltiges und gesellschaftliches Engagement für München wurde er mehrfach ausgezeichnet.
Mühlhäuser privat
Privat liebte Mühlhäuser den Sport, er begeisterte sich für Tennis, Fußball und zeitlebens für die Leichtathletik. In der Jugend war er eher sprintbegeistert, dann entdeckte er den Ausdauersport, wo er beachtliche Leistungen erzielte. Viele Jahre lang war er Vorsitzender der „Leichtathletikgemeinschaft Stadtwerke München“ und engagierte sich dafür, dass die Münchner Leichtathletik über eine intensivere Zusammenarbeit der einzelnen Vereine leistungsfähiger und über die Grenzen der Stadt hinaus erfolgreicher wurde.
„Sein enormes persönliches Engagement für die SWM und für die Stadt München sowie seine strategische Weitsicht haben uns nachhaltig geprägt“, sagt Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München. „Uns allen wird er immer ein großes Vorbild sein, wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“ (sg)



