Muss die Entscheidung der Wettbewerbshüter in Brüssel abwarten: Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen.

Muss die Entscheidung der Wettbewerbshüter in Brüssel abwarten: Eon-Vorstandschef Johannes Teyssen.

Bild: © Rolf Vennenbernd/dpa

Es gebe Bedenken, dass das Vorhaben den Wettbewerb im Strom- und Gaseinzelhandel beeinträchtigen könne, erklärte die EU-Kommission am Donnerstag in Brüssel. Eine vertiefte Prüfung werde daher eingeleitet.

"Privat- und Geschäftskunden in Europa müssen Strom und Gas zu wettbewerbsfähigen Preisen beziehen können", sagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Die Untersuchung solle gewährleisten, dass die Übernahme keine Preiserhöhungen nach sich ziehe. Eon-Chef Johannes Teyssen hatte in der vergangenen Woche betont, dass der Preiswettbewerb in Deutschland auch nach einer Innogy-Übernahme hart bleibe. Die Kunden hätten fast überall die Auswahl unter rund 100 Anbietern.

Bedenken von Stadtwerken und Regionalversorgern

Während der Voruntersuchung hätten Eon und Innogy keine Zusagen abgegeben, hieß es in Brüssel weiter. Die EU-Kommission hat nun bis zum 23. Juli Zeit, um den Deal durchzuwinken, zu blockieren oder den Unternehmen Auflagen zu erteilen.

Angesichts der sich abzeichnenden gestärkten Marktposition von Eon in Deutschland bei den Verteilnetzen und im Vertrieb haben auch mehrere Stadtwerke und Regionalversorger ihre Bedenken angemeldet und sind beim nunmehr verlängerten Prüfverfahren der EU-Kommission beteiligt. VKU-Hauptgeschäftsführerin Katherina Reiche begrüßte die Entscheidung der Wettbewerbshüter in Brüssel. "Die Stadtwerke waren nach der Liberalisierung der Energiemärkte wesentlicher Treiber für mehr Wettbewerb. Ohne sie gäbe es den heutigen Wettbewerb in den Energiemärkten nicht. Dieser Wettbewerb darf durch die geplante Übernahme nicht in Frage gestellt werden. Deshalb ist es richtig, dass sich die EU-Kommission mehr Zeit für eine vertiefte Kartellprüfung nimmt", erklärte Reiche.

Auch Märkte in Tschechien, Slowakei und Ungarn im Fokus

Die beiden Rivalen RWE und Eon hatten einen Deal eingefädelt, der den Strommarkt in Deutschland umwälzt. Eon will die RWE-Netz- und Vertriebstochter Innogy kaufen. Im Gegenzug soll RWE die Ökostromproduktion von Eon und Innogy erhalten und mit knapp 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden. Eon würde damit zum mit weitem Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland. Nach erfolgreichem Tausch stünden mehr als 12 Mio. Kunden zu Buche.

Doch die EU-Kommission könnte der Sache nun einen Riegel vorschieben. Auf den Einzelhandelsmärkten in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ungarn hätten die beiden Unternehmen eine starke Stellung, erklärten die Wettbewerbshüter. Durch die Übernahme würde ein wichtiger Wettbewerber wegfallen. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat die Kommission Bedenken, dass der verbleibende Wettbewerbsdruck nicht ausreichen würde, um die Marktmacht des neu entstehenden Unternehmens zu beschränken und Preiserhöhungen für die Verbraucher zu vermeiden", hieß es weiter. (hil/dpa)

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