Der Frauenanteil in Führungspositionen hat auch in der Energiewirtschaft zugenommen, wie eine neue Studie zeigt. (Symbolbild)

Der Frauenanteil in Führungspositionen hat auch in der Energiewirtschaft zugenommen, wie eine neue Studie zeigt. (Symbolbild)

Bild: © peopleimages/AdobeStock

Grafik: DIW

Ein höherer Frauenanteil kann den Gender Pay Gap im Unternehmen durchaus senken, wenn auch unter bestimmten Voraussetzungen. Zu diesem Schluss kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Am Dienstag stellten die Wissenschaftlerinnen die neuste Ausgabe des Managerinnen-Barometers vor.

Für das aktuelle Barometer hat sich das DIW eine Stichprobe von 15.000 Betrieben angeschaut. Auf Basis von Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lasse sich belegen, dass mit mehr Frauen auf der ersten und zweiten Führungsebene der Gender Pay Gap sinkt.

Grafik: DIW

Besonders groß ist der Effekt demnach, wenn mehr Frauen auf die zweite Führungsebene kommen. Der Gender Pay Gap, der in Deutschland zuletzt immer noch 18 Prozent betrug, falle dann im Vergleich zu einem Szenario ohne Frauen auf dieser Führungsebene kleiner aus. Im Schnitt läge der Gender Pay in diesen Unternehmen unter 12 Prozent.

Auf der obersten Führungsebene brauche es hingegen offenbar mindestens ein Drittel Frauen, bis sich vergleichbare Effekte auf den Gender Pay Gap einstellten.

„Wenn man bedenkt, dass nach wie vor fast drei Viertel aller Beschäftigten in Deutschland in Betrieben ohne Frauen auf der obersten Führungsebene arbeiten, lässt sich erahnen, wie viel Potenzial für einen deutlich geringeren Gender Pay Gap hier noch brachliegt“, sagt Virginia Sondergeld, wissenschaftliche Mitarbeiterin am DIW. „Es braucht einen kritischen Anteil an Frauen, um Veränderungsprozesse im Unternehmen anzustoßen.“

Mehr Vorständinnen in den großen Unternehmen

Im Managerinnen-Barometer schaut sich das DIW seit 18 Jahren an, wie sich der Frauenanteil in Führungspositionen in Deutschlands großen Unternehmen entwickelt. 

Der Frauenanteil in den Vorständen der Privatwirtschaft ist laut dem Barometer im vergangenen Jahr wieder etwas stärker gestiegen: Rund 18 Prozent betrug er im Spätherbst 2023 in den 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland – etwa zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. In den 40 größten börsennotierten Unternehmen (DAX-40) sei der Anteil der Vorständinnen mit 23 Prozent sogar noch etwas höher.

„Wir werden einige Jahre warten müssen bis es substantiell darüber hinausgeht.“ - Katharina Wrohlich, DIW

Die Unternehmen würden die gesetzlichen Regelungen zu Frauen in Aufsichtsrat und Vorstand umsetzten. Größere Anstrengungen würden sie aber nicht machen. „Es gibt Evidenz dafür, dass die neue soziale Norm ist, genau eine Frau im Vorstand zu haben“, sagt Anja Kirsch, Professorin für Gender und Governance an der Freien Universität Berlin.

„Wir werden einige Jahre warten müssen bis es substantiell darüber hinausgeht“, meint auch Katharina Wrohlich, Leiterin der Forschungsgruppe Gender Economics beim DIW und Professorin an der Universität Potsdam.

„An einem Strang ziehen“

„Für mehr Frauen in Führungspositionen kommt es letztlich darauf an, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt Wrohlich, „von Investor*innen bis zur breiteren Öffentlichkeit sollte sich niemand mit einem Mindestmaß an Geschlechtervielfalt zufriedengeben, sondern eine tatsächlich gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen einfordern.“ (pfa)

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