Ende einer Ära: Joachim Rumstadt (links) stand 13 Jahre an der Spitze des Steag-Konzerns. Zum Jahresende hört er auf eigenen Wunsch auf und übergibt die Leitung des Energieversorgers an das bisherige Geschäftsleitungsmitglied Andreas Reichel.

Ende einer Ära: Joachim Rumstadt (links) stand 13 Jahre an der Spitze des Steag-Konzerns. Zum Jahresende hört er auf eigenen Wunsch auf und übergibt die Leitung des Energieversorgers an das bisherige Geschäftsleitungsmitglied Andreas Reichel.

Bild: © Steag

Der ehemalige Eon-Manager und aktuelle Steag-Arbeitsdirektor Andreas Reichel wird Anfang kommenden Jahres den Vorsitz der Geschäftsführung bei dem in einer Restrukturierung befindlichen Essener Steag-Konzern übernehmen. Der 60-jährige, promovierte Jurist war im August 2020 aus einer Führungsposition im Eon-Konzern in die Geschäftsführung der Steag GmbH gewechselt.

Reichel wird den langjährigen Steag-Chef Joachim Rumstadt ablösen, der zum Jahresende auf eigenen Wunsch abtritt. Der 56-jährige Jurist möchte nach rund 25 Jahren in Diensten des Essener Energieversorgers eine Auszeit nehmen und sich dann neuen Aufgaben zuwenden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Rumstadt: "Entscheidung seit längerer Zeit gereift"

„Mein Entschluss, die Steag nach zweieinhalb erfüllenden Jahrzehnten zu verlassen und mein Amt als Vorsitzender der Geschäftsführung niederzulegen, ist seit längerer Zeit gereift“, sagte der scheidende CEO. „Ich weiß das Unternehmen auf einem guten Weg, die strategischen Weichen für eine nachhaltige Zukunft sind gestellt. Das hat mir die Entscheidung wesentlich erleichtert.“

Joachim Rumstadt gehört seit 2007 der Steag-Geschäftsführung an und war im Januar 2009 zu deren Vorsitzenden bestellt worden. „Es war eine spannende Zeit mit tiefgreifenden Umwälzungen. Wir haben Steag vom klassischen Kohleverstromer zu einem Unternehmen umgebaut, das die Energiewende maßgeblich mitgestaltet“, so Rumstadt.

Heute biete das Unternehmen neben maßgeschneiderten Lösungen im Bereich der Strom- und Wärmeversorgung sowie einem der weltweit größten Energiespeichersysteme zum Ausgleich von Schwankungen im Stromnetz ein breites Spektrum an Energiedienstleistungen – und das in wachsendem Maße auf Grundlage erneuerbarer Energien.

Aufsichtsratsvorsitzender Pehlke würdigt Rumstadts Verdienste

Der Aufsichtsrat der Steag GmbH bedauert den Entschluss des langjährigen CEO und wünschte dem scheidenden Joachim Rumstadt für dessen berufliche und private Zukunft alles Gute. „Wir sind Joachim Rumstadt zu großem Dank verpflichtet. Er hat die Wandlung der Steag angestoßen und vorangetrieben, entscheidende Weichen gestellt und das Unternehmen für die nächsten, entscheidenden Schritte der durch die Energiewende ausgelösten Transformation vorbereitet“, würdigte Guntram Pehlke, der Aufsichtsratsvorsitzender der Steag GmbH, die Verdienste des langjährigen Unternehmenslenker.

Unter der Führung von Rumstadt habe das Unternehmen auch das bilanziell enorm belastende Jahr des Kohleausstiegs gemeistert und sich im Geschäftsjahr 2021 wirtschaftlich wieder stark erholt gezeigt.

Auf Reichel warten großen Herausforderungen

Auf seinen Nachfolger Andreas Reichel warten große Herausforderungen, in einer zeitlich relativ klar definierten Übergangsphase. Er wird die Transformation des einstigen Kohleverstromers in Richtung erneuerbare Energien weiter vorantreiben , gleichzeitig aber auch die laufende Restrukturierung und den damit einhergehenden Abbau von rund 1000 Arbeitsplätzen in Deutschland weiter umsetzen müssen.

Dies alles unter harten Finanzierungsauflagen der Banken, die Voraussetzung für die im September erfolgte  Durchfinanzierung  des Unternehmens bis Ende 2023 waren. Für zusätzlichen Druck sorgt das erklärte Ziel der sechs kommunalen Steag-Eigentümer, ihre Anteile bis 2023 an einen neuen Investor zu verkaufen und das zu einem marktgerechten Preis.

Dazu sollen die Gesellschafteranteile in den nächsten Wochen an den Treuhänder Jan Plathner übertragen werden, die Entscheidungen in den jeweiligen städtischen Räten laufen hier zum Teil noch. Plathner wird den Verkaufsprozess  koordinieren.

Steag-Geschäftsführung wird kleiner

Durch das Ausscheiden Rumstadts verkleinert sich die Steag-Geschäftsführung auf drei Personen.  Dass der künftige Vorsitzende der Geschäftsführung in den letzten eineinhalb Jahren Arbeitsdirektor war und es auch bleiben wird, kann auch als Signal an die Belegschaft gewertet werden.   

Reichel war vor seinem Wechsel rund 17 Jahre in Führungspositionen im Eon-Konzern, davon 14 Jahre als Vorstand eines großen Regionalversorgers. Zuletzt war er Arbeitsdirektor von Eon Deutschland. Neben seiner umfangreichen Managementerfahrung in der Energiewirschaft gilt er auch als politisch sehr gut vernetzt.

Reichel arbeitete in Arbeitsgruppe an Koalitionsvertrag mit

Von 1985 bis 1995 gehörte Reichel als Abgeordneter der FDP dem nordrhein-westfälischen Landtag an, von 1992 bis 1994 war er Generalsekretär der Liberalen in NRW. Er ist zudem im Wirtschafsausschuss der Liberalen und war bei den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung im Bund Mitglied der Arbeitsgruppe, die für Energiepolitik zuständig war.

„Ich danke dem Aufsichtsrat für das Vertrauen und gehe meine neue Aufgabe zuversichtlich an“, sagt Reichel. „Wir kommen bei der von Joachim Rumstadt bereits Ende 2019 eingeleiteten grundlegenden Transformation des Unternehmens gut voran, aber insbesondere im kommenden Jahr liegen noch anspruchsvolle Gestaltungsaufgaben vor uns. Diese werden wir mit unserer hervorragenden Mannschaft entschlossen angehen!“

Der Aufsichtsratsvorsitzende Guntram Pehlke hob neben der langjährigen Managementerfahrung in der Energiewirtschaft denn auch die Expertise des neuen Steag-Chefs in der Energiepolitik hervor: „Auf beiden Feldern ist Andreas Reichel überaus beschlagen und deshalb für die anstehenden fordernden Aufgaben die richtige Wahl für die Steag.“ (hoe)

 

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