In dieser Baugrube, in etwa zwei Meter Tiefe, wurden die 110-kV-Leitungen wieder mit Muffen versehen und in Ordnung gebracht.

In dieser Baugrube, in etwa zwei Meter Tiefe, wurden die 110-kV-Leitungen wieder mit Muffen versehen und in Ordnung gebracht.

Bild: © Stromnetz Berlin

"Es ist der größte Stromausfall Berlins – sowohl von der Länge als auch von der Zahl der Haushalte.“ So qualifizierte am Mittwochmorgen bei einer Pressekonferenz Thomas Schäfer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Stromnetz Berlin, den Blackout von 31.500 Haushalten und 1920 Gewerbebetrieben im Gebiet von Köpenick im Osten Berlins. Und Schäfer ist seit 41 Jahren in der Branche tätig. Ursache waren Bauarbeiten: An der Salvador-Allende-Brücke im Osten Berlins hat ein Bohrunternehmen am Dienstag um 14.07 und um 14.10 Uhr zwei 110-kV-Erdkabel bei einer Horizontalbohrung beschädigt. Dann gingen die Lichter aus – bis Mittwoch 21.22 Uhr. Dann war ein Strang wieder instandgesetzt. Die Arbeiten am zweiten Stang gingen weiter, um die Redundanz wieder herzustellen. 

"Da zwei Kabel in solch kurzer Zeit ausfielen, war uns sehr schnell klar, dass es sich um Bauarbeiten handeln muss", schilderte Jürgen Schunk, Leiter des Krisenstabs bei Stromnetz Berlin. Dann musste das Unternehmen die Stelle des Schadens finden – und fand sie bei der gesperrten Salvador-Allende-Brücke. Dort hat eine schweizerische Bohrfirma den Bohrmeißel angesetzt – im Auftrag eines Berliner Wasserbau-Unternehmens – für eine Horizontalbohrung.

Erschreckendes Ergebnis: Alle Leiter beschädigt

Für die Schadensbegutachtung mussten dann die Leitungen in zwei Meter Tiefe freigebaggert werden. Und dann mussten die Netzexperten das erschreckende Ergebnis feststellen: Das Bohrunternehmen hat – quasi fast von sicherer Hand geführt – nicht nur einen Leiter pro Leitung beschädigt, sondern alle drei Leiter beider Erdkabel. "Da war uns klar, dass es länger dauern wird", so Schunk. Schließlich muss für die Reparatur eines Leiters und das Setzen einer Muffe eine Dauer von sechs Stunden angesetzt werden." Bei der Reparatur geht es uns hier um Qualität und nicht um Schnelligkeit", sagte Schunk. Schließlich muss die Leitung wieder für die Zukunft halten. Mit zwei Teams wurde dann die Nacht über gearbeitet. Am Mittwoch um sechs Uhr morgens waren zwei Muffen gesetzt. Bis 15.30 Uhr sollten alle sechs Leiter wieder funktionieren. Diese Frist hat sich dann verlängert bis in die Abendstunden des Mittwochs.

Nun zur Schuldfrage: "In Haftung genommen wird der Schädiger", sagte  Schunk. In diesem Fall ist es die Bohrfirma. Auch Stromnetz Berlin gehört zu den Geschädigten. Und die schweizerische Bohrfirma hat nach Ansicht von Stromnetz Berlin nicht ordnungsgemäß gehandelt. Bei solchen Arbeiten ist es Usus, sich im Vorhinein über Infrastrukturen zu informieren. Dafür gibt es auch in Berlin das Portal Infrest, das alle Infrastrukturbetreiber Berlins tragen, um alle Leitungen zu dokumentieren und zudem Bauarbeiten besser zu koordinieren. Das schweizerische Bohrunternehmen hat nun keine Informationen im Vorfeld eingeholt, hieß es seitens Stromnetz Berlin. Eine Anfrage bei dem Berliner Wasserbauunternehmen war nicht möglich, da nur der Anrufbeantworter vorgeschaltet war.

Blockheizkraftwerke fielen vorübergend aus

Zur Schadenssituation: Tausende Menschen mussten eine Nacht im Dunkeln und Kalten verbringen. Am Mittwoch öffneten fünf Schulen ihre Türen für betroffene Einwohner, die sich dort aufwärmen oder ihr Handy aufladen konnten. Eine Notversorgung mit Essen und Getränken könne aber nicht gewährleistet werden, teilte das Bezirksamt Treptow-Köpenick mit.

Die Blockheizkraftwerke in Köpenick und Friedrichshagen gingen vorübergehend vom Netz. Das Kraftwerk in Friedrichshagen lieferte am Mittwoch laut Vattenfall aber wieder Strom.

Läden und Restaurants waren leer

Die Köpenicker Altstadt war fast menschenleer, die meisten Läden und Restaurants waren dicht. Am Rathaus stand zudem ein Einsatzwagen des Arbeiter-Samariterbundes mit Internet- und Telefonanschluss bereit.

Auch das Krankenhaus Köpenick liegt in dem betroffenen Gebiet. Wegen des Stromausfalls waren 23 Patienten von Intensivstationen des DRK-Krankenhauses Köpenick sowie Bewohner einer Intensivpflege-Wohngemeinschaft vorsorglich in andere Kliniken gebracht worden. Laut Feuerwehr ging es zum Beispiel um Menschen, die beatmet werden. Man habe keinerlei Risiken eingehen wollen. Die zwei vom Ausfall betroffenen Kliniken hatten demnach eine Notstromversorgung, zusätzlich wurden mobile Notstromaggregate eingesetzt.

"Stationäre Wachen" der Polizei

Auch einige Straßenbahnen konnten nicht fahren. Die BVG richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Die Verkehrsbetriebe vereinbarten mit der Feuerwehr: Hilfebedürftige Menschen, deren Telefone lahmgelegt sind, könnten sich an Busfahrer wenden – diese würden dann die Leitstelle der Feuerwehr informieren.

Wegen des Stromausfalls blieben nach Angaben des Bezirksamtes Schulen und Kitas in den Ortsteilen Bohnsdorf, Grünau, Köpenick, Müggelheim und Schmöckwitz geschlossen. Die Polizei hatte noch am späten Dienstagabend vier Fahrzeuge nach Köpenick als "stationäre Wachen" geschickt. (dpa/al)

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