- Der Aufsichtsrat Rheinbahn AG hat am Dienstag mit dem neuen Vorstandschef Klaus Klar (59) knapp acht Monate im Voraus einen weiteren Vertrag geschlossen, der bis September 2025 läuft.
- Er hat zudem den Zwei-Jahres-Vertrag von Technikvorstand Michael Richarz (56) um drei Jahre bis März 2024 verlängert.
- Und die am Monatsanfang vorbehaltlich eingestellte Interims-Finanzvorständin Susanne Momberg (61) wurde bestätigt. Dies alles geht aus einer Pressemitteilung des Düsseldorfer Nahverkehrsunternehmens hervor.
Damit ist das Finanzressort, das nach dem abrupten Abgang von Sylvia Lier (52) Mitte November vakant war, übergangsmäßig wiederbesetzt. Und zwar mit einer erfahrenen Interimsmanagerin: Susanne Momberg hat unter anderem schon für den Nahverkehrsbetreiber Arriva Deutschland gearbeitet. Sie war dem Aufsichtsrat Ende November von einem Vierer-Ausschuss vorgeschlagen worden. In ihm sitzen Kommunalpolitiker und Arbeitnehmervertreter.
Der Abgang von Sylvia Lier
Vorgängerin Sylvia Lier war erst seit Mai CFO gewesen, dann wurde die Bestellung Mitte November "im gegenseitigen Einvernehmen" aufgehoben. Mitte Oktober hatte die Boulevardzeitung "Express" gemeint, eine Dienstwagenaffäre aufgedeckt zu haben. Einen Monat später kam die Trennung. Der Aufsichtsrat betonte damals, Sylvia Lier habe "keine juristisch vorwerfbaren Pflichtverletzungen begangen", die Ex-CFO bedauerte "außerordentlich, dass sie durch ihr unsensibles, nicht den Gepflogenheiten der Rheinbahn AG entsprechendes Verhalten Anlass für eine solche Prüfung gegeben hat", und entschuldigte sich bei der Belegschaft. Laut "Express" hatte sie das gesamte Personal angeschrieben und sich für die Art, wie sie ihre Geschäftskreditkarte nutzte, mit einer Wortwahl gerechtfertigt, nach der der Betriebsrat eine weitere Zusammenarbeit mit ihr ablehnte.
Rheinbahn-Aufsichtsratschef OB Thomas Geisel (SPD) bestätigte damals Gespräche mit Frau Lier über eine Verwendung im städtischen Bereich "Connected Mobility", "beispielsweise in einer Funktion der noch zu gründenden 'Mobilitätsgesellschaft'". Ihre Abfindung bei der Rheinbahn könne mit möglichen künftigen Bezügen dort verrechnet werden.
Tram zu breit für Duisburg
Erst im Oktober 2018 war der damalige Vorstandschef Michael Clausecker (53) abberufen worden, weil er den strategischen Rückhalt des Aufsichtsrates verloren hatte. Kurz zuvor hatte OB Geisel den Vorstand öffentlich in der "Rheinischen Post" kritisiert. Die Rheinbahn leidet – wie manch anderer metropolitaner Verkehrsbetrieb auch – unter Verspätungen und Tram-/U-Bahn-Ausfällen. Zudem gab es eine Panne bei der Bestellung von insgesamt mittlerweile 59 neuen Trams vom Bombardier-Typ "HF6": Bei einer Testfahrt schrammte eine Garnitur die Bahnsteige in Duisburg; sie war sechs Zentimeter zu breit. Mit dieser Geschichte schaffte es die Rheinbahn zum Satire-Objekt in der Pro7-Sendung "Taff". Für Linien nach Duisburg müssen Züge umgebaut werden. Zumindest zeitweise stritt man sich mit Bombardier darum, wer schuld ist und wer zahlt. Insgesamt investiert die Rheinbahn bis 2024 rund 450 Millionen Euro in neue Fahrzeuge. Die ersten "HF6" sollen "voraussichtlich" Ende diesen Jahres in den Normalbetrieb gehen.
Seit Clauseckers Weggang bis zu diesem März war Arbeitsdirektor Klaus Klar der einzige Vorstand. Dann entschied der Aufsichtsrat eine dreiköpfige Struktur CEO – CTO – CFO. Chef wurde Klar. Der bisherige Leiter der Stabsstelle Strategie, Michael Richarz, stieg zum CTO auf. Die damalige CFO Lier komplettierte das Gremium im Mai.
"Aus Kundensicht denken!"
Klar sagte zum Anspruch des jetzigen Vorstandes: "Wir wollen die erste Wahl für Mobilität in und um Düsseldorf sein! Das ist viel mehr als ein strategisches Ziel, es ist auch unser ganz persönliches Ziel als Rheinbahn-Vorstand. Es geht insbesondere darum, dass wir die Rheinbahn konsequent aus Kundensicht denken und uns dafür mit klaren Verantwortlichkeiten schlagkräftig und dienstleistungsorientiert aufstellen."
Schon vor einem Jahr, als Klar noch Alleinvorstand war, hatte die Rheinbahn nach eigenen Angaben eine "Qualitätsoffensive" gestartet. Ziel: Die Fahrgäste sollen "deutlich und nachhaltig" zufriedener sein. Die zentralen Handlungsfelder waren in einer jährlichen Kundenbefragung bestätigt worden: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Fahrgastinformation. "Zahlreiche" Teilprojekte sind angelaufen oder in Planung. Zum Beispiel haben die Fahrer nun eine Technische Hotline für Störungen (hier Rheinenergie-Unterseite zur Zwischenbilanz). (geo)



