Mit Unverständnis haben offenbar viele Mitarbeiter der Stadtwerke Energie Jena Pößneck GmbH auf die vorerst aufgeschobene Wiederbestellung von Geschäftsführer Thomas Zaremba reagiert.
Die Verunsicherung ist derart groß, dass sich nun der Gemeinschaftsbetriebsrat in einem Brief an die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Energie Jena und den Aufsichtsrat gewandt hat. Es geht um die zweite Wiederbestellung von Zaremba für weitere fünf Jahre, er ist seit 2010 Teil der Geschäftsführung.
Betriebsrat: "Wir fragen uns, warum?"
"Uns erschließt sich das Vorgehen nicht. Es stellt sich uns allen die Frage nach dem Warum. Beide Geschäftsführer machen einen guten Job, leiten das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich und immer mit dem Ziel, langfristig für die Stadt Jena und die Beschäftigten da zu sein", schreiben die Betriebsratsvorsitzenden Dirk Hucke und Diana Henze.
Sie hatten von dem Thema aus der Lokalpresse erfahren, weil vertrauliche Informationen aus der jüngsten Aufsichtsratssitzung an die Öffentlichkeit durchgestochen worden waren.
Die Wiederbestellung von Thomas Zaremba steht zum September 2021 an, der Vertrag des zweiten Geschäftsführers Thomas Dirkes läuft bis 2022. Der Aufsichtsrat hatte die Vertragsverlängerung von Zaremba in seiner Septembersitzung überraschend von der Tagesordnung genommen.
Bündnis verschiedener Parteien
Vertreter der Parteien die Linke sowie von CDU, SPD und FDP im Kontrollgremium sollen dabei an einem Strang gezogen haben. Laut ZfK-Informationen ist die kommunalpolitische Landschaft in Jena stark zersplittert, es gibt keine richtigen Mehrheiten. Laut Lokalpresse soll ein Teil des Gremiums Bedenken gegen eine Verlängerung haben. Hierfür wurde offenbar ein ruppiger Umgangston Zarembas mit den Mitarbeitern angeführt.
"Dem können wir nicht folgen", widerspricht der Betriebsrat und stärkt damit Zaremba den Rücken. Natürlich gehe es in einem großen Unternehmen nicht zu wie auf dem Ponyhof.
„Es ist jedoch festzuhalten, dass jede Kommunikation, auch bei gegensätzlichen Auffassungen, stets von Respekt und angemessenen Umgangsformen umrahmt ist“, so die Arbeitnehmervertreter weiter. Das sei keine Selbstverständlichkeit, auch gerade innerhalb der Gruppe.
Ausschüttungspraxis soll angepasst werden
Auch operativ ist der Kommunalkonzern seit Jahren auf Kurs. Allerdings soll laut dem Betriebsratsschreiben künftig für eine begrenzte Zeit von der bisherigen Ausschüttung an die Stadt abgerückt werden. Konkret soll diese reduziert werden. Grund ist die Finanzierung anstehender Großprojekte wie des Ausbaus des Nahverkehrs, des Neubaus der Sportschwimmhalle oder wichtiger Wohnungsbauvorhaben.
Dies sei im Detail im Wirtschaftsausschuss des Gemeinschaftsbetriebsrates vorgestellt und im Aufsichtsrat diskutiert und beschlossen worden.
Über die wahren Gründe, etwa politischer Art, für die Aufschiebung der Wiederbestellung wird laut Lokalmedien in Jena weiterhin gerätselt. Laut Pressestelle der Stadtwerke laufen zu dem Thema weitere Gespräche mit den Aufsichtsgremien.
Heute und morgen tagt der Stadtrat
Am morgigen Mittwoch und am Donnerstag dürfte sich auch der Stadtrat mit dem Thema beschäftigen, dort steht unter anderem die formelle Feststellung des Jahresabschlusses für 2019 an. Auch im vergangenen Jahr hatte die kommunale Unternehmensgruppe aus Thüringen solide Zahlen vorgelegt und das Konzernergebnis nochmals gesteigert. (Siehe auch das Porträt über das Unternehmen in der aktuellen Ausgabe der ZfK.) (hoe)



