Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Die Unternehmensberatung PWC warnt in einer neuen Studie vor den Auswirkungen des Fachkräftemangels. (Symbolbild)

Bild: © Gina Sanders/AdobeStock

Qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu binden, ist für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) im Vergleich zum Vorjahr deutlich schwieriger geworden. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Gothaer Versicherung.

46 Prozent der befragten KMU in Deutschland geben demnach an, Probleme zu haben, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und an ihr Unternehmen zu binden. Dies entspricht einem Anstieg um sechs Prozentpunkte im Vergleich zum Jahr 2021.

Größere Unternehmen haben mehr Schwierigkeiten

Auffällig waren die Unterschiede zwischen kleinen und größeren Unternehmen: Während 28 Prozent der Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden diese Herausforderung sehen, sind es bei Unternehmen mit einer Größe von elf bis 20 Mitarbeitenden schon 44 Prozent.

Besonders deutlich sei das Problem der Mitarbeitendengewinnung und -bindung bei den mittleren und größeren Unternehmen mit 21 bis 200 beziehungsweise 201 bis 500 Mitarbeitenden. Verglichen mit 2021 stiegen bei ihnen die Werte um 13 beziehungsweise drei Prozentpunkte auf 58 und 54 Prozent, so die Gothaer.

Flexible Arbeitszeit als Anreiz

Untätig seien die deutschen Firmen jedoch nicht, wenn es um ihre Attraktivität als Arbeitgeber gehe. Auf dem ersten Platz der genutzten Möglichkeiten, um junge Arbeitnehmende zu gewinnen: flexible Arbeitszeiten. 44 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf Vereinbarungen, die beim Arbeitszeitrahmen von der sogenannten Normalarbeitszeit abweichen.

Ebenfalls attraktiv und durch die Pandemie zeitweise zum Pflichtangebot geworden: das Home-Office. Die Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten, haben 38 Prozent der KMU im Programm. Im Vorjahr waren es noch drei Prozentpunkte weniger.

Personalmangel motiviert

Knapp dahinter reihen sich attraktive Gehaltszahlungen (37 Prozent) ein, ein Anstieg um zwei Prozentpunkte. Größere Unternehmen mit erhöhtem Personalmangel waren eher dazu bereit, Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität umzusetzen. Dies zeigte sich insbesondere bei flexiblen Arbeitszeiten und beim Home-Office.

Während die Werte hier bei 35 beziehungsweise 28 Prozent für Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden lagen, betrugen sie bei den größeren Unternehmen mit 201 bis 500 Mitarbeitenden 56 beziehungsweise 54 Prozent.

Altersversorge gerät in Fokus

30 Prozent der KMU bieten ihren Mitarbeitenden zudem mittlerweile eine betriebliche Altersvorsorge (bAV) an. Mit Blick auf die wachsende Rentenlücke der Menschen haben immerhin zwei Prozent mehr der befragten Unternehmen die bAV im Kampf um Talente für sich entdeckt.

Sie rückt damit auf Platz vier und überholt die Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, die auf Platz fünf zurückfallen und im Vergleich zum Vorjahr drei Prozentpunkte verlieren.

Betriebliche Krankenversicherung als Pfund

Signifikant gestiegen ist auch der Anteil der Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden eine betriebliche Krankenversicherung (bKV) anbieten. Waren dies im letzten Jahr noch zehn Prozent der Unternehmen, sind es in diesem Jahr bereits 13 Prozent. Sie liegt – gleichauf mit dem Jobticket und Angeboten zur betrieblichen Gesundheitsförderung – noch vor der betrieblichen Unfallversicherung (elf Prozent) auf Platz sieben.

"Insbesondere bei der bKV wissen wir um das Potenzial", sagt Sylvia Eichelberg, Vorstandsvorsitzende, Gothaer Krankenversicherung. "Gerade in Zeiten der Inflation ist eine bkV attraktiv, da sie Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei Gesundheitsleistungen unmittelbar finanziell entlastet."

Auch "Kleinigkeiten" funktionieren

Auf Obst, Snacks oder kostenlose Getränke setzen insgesamt 22 Prozent der Unternehmen, ein Zuwachs von einem Prozentpunkt im Vergleich zum Vorjahr. 13 Prozent der Arbeitgeber setzen auf Angebote zur betrieblichen Gesundheitsförderung wie Sport oder Entspannungskurse, die im Vorjahr noch von zwei Prozent mehr der befragten Unternehmen angeboten worden.

Dabei seien es häufig diese Gesten mit denen Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitenden punkten können, wie die Studie der Gothaer zur Gesundheit und Vorsorge nachgewiesen haben will. Gemäß dieser wünschen sich 40 Prozent der befragten Beschäftigten ein Essens- oder Getränkeangebot. 35 Prozent würden sich über Angebote zur Stressprävention und immerhin noch 24 Prozent über Sport- und Bewegungskurse freuen.

Strategie mit Luft nach oben

Verbesserungsbedarf haben die KMU dagegen noch bei den strategischen Maßnahmen: So geben 34 Prozent an über eine Recruiting-Strategie zu verfügen. 29 Prozent der Unternehmen setzen auf ein strukturiertes Onboarding neuer Mitarbeitender.

Ein Talentmanagement-Konzept – also das Identifizieren, Halten und Entwickeln von qualifizierten Fachkräften – findet in 25 Prozent der Unternehmen Anwendung. 35 Prozent setzen keine der genannten Maßnahmen um. Je größer das Unternehmen, desto häufiger wurden die Maßnahmen umgesetzt. (jk)

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