Das Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) Potsdam hat in einer Studie untersucht, wo die Selbstversorgung auf regionaler oder lokaler Ebene ausschließlich über erneuerbaren Strom möglich ist. Die Ergebnisse können in einer interaktiven Europakarte online eingesehen werden.
Dabei erkennen die Forscher lediglich für die Ballungsräume Probleme bei der Selbstversorgung. "Unsere Ergebnisse zeigen, wie schwierig es ist, vor allem in dicht besiedelten Metropolen wie etwa Berlin den eigenen Strombedarf durch erneuerbare Energiequellen zu decken", sagt Autor Tim Tröndle. "Aber wenn sich Metropolen mit den umliegenden Regionen zusammenschließen, wäre es machbar, denn technisch sind wir längst soweit."
Keine Probleme auf dem Land
Auf der lokalen Ebene erkennt die Studie, das in 75 Prozent der Kommunen das Potenzial bestehe, die jährliche Stromnachfrage aus der eigenen Produktion zu decken. Dies setzt voraus, dass genügend Flächen zur Energiegewinnung zur Verfügung stehen. Die Forscher untersuchen daher europaweit die nutzbaren Flächen und die darauf gewinnbare Menge an erneuerbarem Strom. Dabei ermitteln sie einerseits das technische Potenzial der Dach- und Freiflächen-Photovoltaik sowie der On- und Offshore-Windkraftanlagen durch eine Analyse der Verfügbarkeit und Zulässigkeit von Landflächen.
Unter Berücksichtigung der aktuellen Landbedeckung und -nutzung sowie Höhenlagen und klimatischen Bedingungen bestimmen sie so die Menge an Elektrizität, die erzeugt werden kann. Eine nachhaltige und sozial verträgliche Stromerzeugung wird allerdings das technische Potenzial nicht komplett ausschöpfen können. Deshalb zogen die Wissenschaftler gewisse Flächen ab: In Naturschutzgebieten zum Beispiel werden keine technischen Anlagen errichtet und auf Ackerland nur solche, die die Agrarwirtschaft nicht verhindern. Als Referenzgröße für den angenommenen Bedarf wurden die Stromverbrauchszahlen des Jahres 2017 verwendet.
Technisch-soziales Potenzial größer als Nachfrage auf kontinentaler Ebene
Mit der Studie konnten die Autoren belegen, dass das technisch-soziale Potenzial von erneuerbarem Strom größer ist als die Nachfrage auf kontinentaler und nationaler Ebene. Um eine Stromautarkie ebenso auf subnationaler Ebene zu erreichen, müssten Regionen allerdings sehr große Teile oder ihr gesamtes nicht bebautes Land für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nutzen, so das Studienergebnis. (pm)



