Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Neuburg an der Donau.

Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Neuburg an der Donau.

Bild: © Stadtwerke Neuburg/Donau

Die seit längerem defizitären Stadtwerke im bayerischen Neuburg an der Donau haben im Rahmen eines umfassenden Sparprogrammes elf Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt. Dabei hat es auch personenbedingte Kündigungen gegeben, beispielsweise wegen langer Krankheit. Dies bestätigte Werkleiter Richard Kuttenreich in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen Zeitung". Ein Teil der Betroffenen soll bereits beim Arbeitsgericht Ingolstadt gegen ihre Entlassung geklagt haben, berichtet der "Donaukurier". Kuttenreich verteidigte dennoch den schmerzhaften Einschnitt. "Die Kündigungen waren betriebswirtschaftlich notwendig und wir gehen davon aus, dass auch die Arbeitsgerichte dies so sehen", so der Werkleiter. Statistisch gesehen "gingen betriebsbedingte Kündigungen mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 bis 90 Prozent durch".

Der Kommunalversorger aus Neuburg an der Donau hat in den vergangenen Jahren kräftig in den Nahwärmeausbau investiert. Die Personalkosten stiegen zwischen 2011 und 2018 von 4,2 auf 8,3 Mio. Euro, die Zahl der Mitarbeiter von 93 auf 144. Bei einer internen Prüfung im vergangenen Jahr attestierte die Wirtschaftsberatung "Rödl & Partner" dem Unternehmen deutlich zu hohe Personalkosten. Rödl & Partner habe ursprünglich die Streichung von 26,8 Stellen vorgeschlagen, so der Werkleiter. Diese Zahl habe er in zähen Gesprächen mit allen Beteiligten halbieren können. Unter den Gekündigten sind fünf Kassenkräfte, ein Betriebsleiter, Mitarbeiter aus dem Lager, dem Vertrieb, der Organisation und der Verwaltung. Wäre es nach ihm gegangen, hätte man den Personalüberschuss über natürliche Fluktuation und die Alterspyramide reguliert, so Kuttenreich.

"Fehlende fachliche Weiterentwicklung"

Man habe sich bei dem Stellenabbau vor allem auf Arbeitsplätze fokussiert, die sich das Unternehmen perspektivisch nicht mehr leisten könne. Die Stadtwerke Neuburg hätten einen hohen Altersdurchschnitt, zum Teil seien die "Kollegen über Jahre nicht adäquat fachlich weiterentwickelt worden". Insbesondere der Einsatz moderner Informationstechnik sei vernachlässigt worden. Dieses "Führungsversäumnis" ortet er aber vor allem in der Zeit vor seinem Amtsantritt in 2015. Doch warum wurde in der Phase des Nahwärmeausbaus nicht projektbezogen oder über eine Zeitarbeitsfirma Personal eingestellt? Kuttenreich begründet dies mit dem Aufbau einer neuen Organisationsstruktur, mit leitenden Positionen in verschiedenen Bereichen, sodass "jeder seinen Bereich aktiv nach vorne bringen" konnte.

Laut Kuttenreich ist das zentrale Problem der Stadtwerke Neuburg aber nicht ein Personalüberschuss, sondern ein "Finanzstrukturproblem". Allein Bäder, Busse und Tiefgaragen schrieben jährlich ein Defizit von rund drei Mio. Euro, dadurch würden die Gewinne aus dem Energiebereich mehr als aufgebraucht. Das Ergebnis: Kein Geld für Reinvestitionen, ein Sanierungsstau sei programmiert. Deshalb benötige man ein neues Betreibermodell. Aktuell schießt die Stadt jedes Jahr rund drei Mio. Euro in die Stadtwerke ein, um die laufenden Defizite zu decken. Perspektivisch wollen die Stadtwerke zwei bis drei Mio. Euro an Gewinn pro Jahr im Energiebereich erwirtschaften.

Höhere Erlösobergrenzen

Einnahmequellen sieht Kuttenreich bei der Nahwärme, der Quartiersentwicklung über die Wärmeabrechnung bei fremden Systemen und durch erfolgreiche Industriekooperationen. Ein ganz wesentlicher Hebel aber dürfte sich auch bei den Netzentgelten ergeben. Die Stadtwerke Neuburg leiden seit Jahren unter Altlasten der Vergangenheit. So wurden in den Referenzjahren 2010/11 Investitionen ins Netz als Unterhalt statt als Investitionen gebucht. Dadurch sind Netzentgelte in beträchtlichem Umfang verloren gegangen. Diesen Fehler hat man unter anderem durch Gründung einer eigenen Abteilung Netzwirtschaft und gezielte Investitionen im Fotojahr Gas (2015) und Strom (2016) korrigiert. Mit Beginn der dritten Regulierungsperiode Gas (2018 bis 2022) wird eine Erhöhung des Netzentgeltes Gas um bis zu 0,8 Mio. Euro für 2018 erwartet, beim Netzentgelt Strom rechnet man ab 2019 mit höheren Erträgen von bis zu 1,2 Mio. Euro. Die 3. Regulierungsperiode Strom läuft von 2019 bis 2023.

EK-Quote von 13 Prozent

Im Geschäftsjahr 2018 musste der Kommunalversorger einen Verlust von 2,9 Mio. Euro (Vorjahr: 3,4 Mio. Euro) ausweisen. Während der Energievertrieb einen Gewinn von knapp 1,772 Mio. Euro Euro abwarf, entfielen allein auf den Netzbereich Verluste von rund 1,6 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag per Ende 2018 bei 13 Prozent, die Verschuldung betrug 60 Mio. Euro. Da die anerkannte Erlösobergrenze ab dem laufenden Jahr deutlich höher liegt, erwartet das Unternehmen für 2019 ein deutlich verbessertes Ergebnis - das heißt einen signifikant kleineren Fehlbetrag. (hoe)

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