Lydia Pawlowski ist seit 15 Jahren als Personalentwicklerin bei den Stadtwerken Augsburg tätig.

Lydia Pawlowski ist seit 15 Jahren als Personalentwicklerin bei den Stadtwerken Augsburg tätig.

Bild: © SW Augsburg

Frau Pawlowski, wie motivieren Sie Ihre Mitarbeitenden zur Weiterbildung?

Das ist entweder sehr leicht oder sehr schwierig – je nach den Menschen. Viele Mitarbeitende sind von sich aus interessiert und dankbar für die Möglichkeit, Weiterbildungen machen zu können und erkennen an, wie wertvoll das ist. Aber das Spektrum bei uns Menschen ist groß, es reicht von den Mitarbeitenden, die sich Weiterbildungen in Eigeninitiative aussuchen oder proaktiv Weiterbildungen wünschen, bis zu denen, die nur das Pflichtprogramm absolvieren. Wir suchen daher regelmäßig den Dialog mit unseren Führungskräften und Kolleg*innen und erfragen, welcher Bedarf in den Abteilungen besteht, um sinnvolle Weiterbildungsangebote zu schaffen.

Nehmen Sie in Bezug auf die Motivation einen Unterschied zwischen den jungen und älteren Kolleg:innen wahr?

Es gibt 62-Jährige, die wissensdurstiger sind als manche 19-Jährige. Alter selbst ist nur eine Zahl. Es hängt von der Einstellung ab, wie "alt" man ist. Unser Unternehmen will jüngere ebenso fördern wie ältere Mitarbeitende. Wir brauchen die Kreativität und den Gestaltungswillen von allen. Es geht darum ein Training nicht als indirekte Kritik aufzufassen, sondern als hervorragende Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und Neues kennenzulernen.

Weiterbildung bedeutet auch: Eine Kollegin oder ein Kollege erklärt mir etwas – und ich höre zu. Welche Rolle spielt "voneinander lernen"?

Meiner Meinung nach macht dieses voneinander Lernen 95 Prozent der Personalentwicklung aus. Lernen findet heute, wie vermutlich schon immer, hauptsächlich in der täglichen Arbeit statt. Wir in der Personalentwicklung können durch unsere Angebote Impulse und Denkanstöße geben sowie Menschen im Unternehmen dabei unterstützen, selbstständig und kollaborativ zu lernen – und nicht nur dann, wenn der Seminarkalender es vorgibt. Ideal ist es, wenn wir als Vorbild und Lernbegleiter handeln und wahrgenommen werden.

Gibt es eine Erfolgsstory, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Als Stadtwerk ist unsere Belegschaft sehr heterogen: Ein Großteil ist unterwegs, der andere Teil sitzt im Büro. Weiterbildungen für erstere zu organisieren, ist deutlich komplizierter als für diejenigen, die im Büro sind. Ein Beispiel: Vor der Pandemie haben wir für alle Fahrerinnen und Fahrer eine Workshopserie zur Kommunikation – innerbetrieblich und mit unseren Fahrgästen – durchgeführt. Das war für die Kollegen in der Disposition ein großer organisatorischer Aufwand – schließlich sind die Mitarbeitenden in einen straffen Schicht- und Fahrplan eingetaktet. Wir sind in diesem Projekt einen neuen Weg gegangen und haben die Konzeption und Durchführung in die kreativen Hände von Jörg Schur, einem bekannten Improvisationskünstler aus Augsburg, gelegt. Bei der fahrenden Belegschaft kam das sehr gut an.

Was macht Personalentwicklung für Sie persönlich so spannend?

Jeder Tag ist anders! Ich schätze diese Abwechslung. Ich weiß nie, welche Herausforderung in der nächsten halben Stunde auf mich wartet. Mir macht es große Freude, Themen aus einem "Man müsste mal"-Status in die Realität zu überführen. Oder anders gesagt: etwas zu entwickeln, was den Arbeitsalltag der Kolleginnen und Kollegen nachhaltig befruchtet und das Miteinander leichter macht. Dazu gehört: zuhören und nachfragen. Ich sehe mich selbst als Wegbegleiterin für meine Kollegen und Kolleginnen.

Das Interview führte Caroline Günther

Lydia Pawlowski ist seit 15 Jahren als Personalentwicklerin bei den Stadtwerken Augsburg tätig.

Das Interview ist in der ZfK-März-Ausgabe am 7. März erschienen.

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