Thomas Gläßer war von Mitte 2016 bis zum 25. September 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau.

Thomas Gläßer war von Mitte 2016 bis zum 25. September 2019 Geschäftsführer der Stadtwerke Lindau.

Bild: @ Bruno Maul/Stadtwerke Lindau

Der Stadtrat von Lindau hat am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung Stadtwerke-Alleingeschäftsführer Thomas Gläßer (50) "mit sofortiger Wirkung abberufen und vom Dienst freigestellt". Dies teilte der Aufsichtsratsvorsitzende, OB Gerhard Ecker (SPD) am selben Tag im öffentlichen Teil der Sitzung und am Donnerstag via Pressemitteilung mit. Er bestätigte damit einen Bericht der "Schwäbischen Zeitung". Gründe wurden unter Berufung auf die Verschwiegenheit in Personalangelegenheiten nicht genannt.

Der Rathauschef betonte, die Stadtwerke Lindau seien "trotzdem handlungsfähig". Er verwies darauf, dass jede der vier Einzelgesellschaften (nämlich KG, Verwaltungs-GmbH, Verkehrsbetrieb und die Telekommunikationstochter Tekali) Prokuristen habe. Ecker: "Der Erfolg der Stadtwerke ist das Ergebnis der Arbeit aller Mitarbeiter. Sicher ist das eine absolute Ausnahmesituation, aber die Kolleginnen und Kollegen sind Profis auf ihrem Gebiet und alle wissen, was zu tun ist“. Eine Entscheidung, wie und wann die Spitzenposition neubesetzt wird, sei noch nicht getroffen worden, ergänzte die städtische Pressestelle auf Anfrage.

Stabil über zwei Mio. Euro Gewinn

Thomas Gläßer aus Essen war seit Mitte 2016 Geschäftsführer in Lindau; er kam mit Erfahrung als Manager in der privaten und kommunalen Telekommunikationsbranche und als Berater. Im Unternehmen trieb er unter anderem agile Arbeitsmethoden voran; er steht auch dem Beirat des "Digital Lab" der Stadtwerke-Kooperation Trianel vor (Portrait siehe gedruckte ZfK Juni 2019, Seite 25, nur im Abo erhältlich).

Am Jahresergebnis 2018 kann seine abrupte Abberufung kaum liegen: Die Stadtwerke Lindau GmbH & Co. KG erzielten einen Jahresüberschuss von 2,6 Mio. Euro, bei traditionell mittleren zweistelligen Millionenumsätzen. Der Bilanzgewinn lag damit im Rahmen der Einzelergebnisse 2016 und 2017 von 2,2 und 2,9 Mio. Euro; die Konzern-Jahresüberschüsse sahen laut Bundesanzeiger ähnlich aus.

Entlastung verweigert

Der Stadtrat gab am Mittwoch im öffentlichen Teil der Sitzung laut Pressestelle ohne Gegenstimmen grünes Licht dafür, dass die Gesellschafterversammlung den Jahresabschluss mit diesem Ergebnis feststellt und den Gewinn nach Abzug der Körperschaftsteuer den Rücklagen zuführt. Die lagen Ende 2017 bei knapp 15 Mio. Euro. Allerdings wurde "die Geschäftsführung" nicht entlastet, wie es ursprünglich der Aufsichtsrat in der Beschlussvorlage vorgeschlagen hatte. (geo)

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