Die Sicherheit für Radfahrende hat sich laut publizierter Daten des Statistischen Bundesamtes im ersten Halbjahr 2020 weiter verschlechtert. Darauf macht der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in einer Pressemitteilung aufmerksam.
Laut Destatis sei die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern ohne elektrische Unterstützung im ersten Halbjahr geringfügig von 34.858 auf 33.343 gesunken, die Zahl der Pedelec-Unfälle aber habe sich drastisch erhöht: von 4.252 im ersten Halbjahr 2019 auf 6.227 in 2020, das macht eine Zunahme von 48 Prozent, teilte der ADFC mit.
"Radfahren darf kein Risikosport sein"
Während bei allen anderen Verkehrsarten die Anzahl der Getöteten gesunken sei, seien 2020 fast sieben Prozent mehr Pedelecfahrerinnen und -fahrer ums Leben gekommen als zuvor. Bei den Schwerverletzten habe die Zahl sogar um 50 Prozent zugenommen.
"Die seit der Corona-Krise neu entfachte Begeisterung für das Rad- und Pedelecfahren darf nicht in Rekord-Unfallzahlen münden. Radfahren darf kein Risikosport sein – es muss komfortabel und sicher für Menschen aller Altersgruppen und Fitnesslevel werden", wird ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork in der Mitteilung zitiert.
Nicht weiter am Ideal der auto-optimierten Stadt festhalten
Der Ausbau der Radinfrastruktur gehe quälend langsam voran, weil die Politik meist insgeheim weiter am Ideal der auto-optimierten Stadt festhalte. "Die Fahrradnation-in-spe kann nicht zehn Jahre auf zeitgemäße Radwegenetze warten – wir brauchen den schnellen Infrastrukturausbau jetzt", erklärte Stork.
Nach Einschätzung des ADFC ist die Zunahme der Pedelec-Unfälle auch im Zusammenhang mit den stark angestiegenen Verkaufszahlen seit der Corona-Krise zu sehen. Laut Zweirad-Industrieverband ist der Verkauf sogenannter E-Bikes im ersten Halbjahr um 16 Prozent gestiegen.
Zu 75 Prozent Autofahrer Verursacher
"Es reicht aber nicht, Pedelec-Fahrtrainings anzubieten – der wichtigste Hebel ist die Infrastruktur. Für die verkehrsüberlasteten Städte ist es ein Segen, wenn viele Menschen das Rad- und Pedelecfahren für sich neu entdecken. Alles, was sie jetzt brauchen, ist gute Infrastruktur", so Stork.
Etwa zwei Drittel aller Fahrrad- und Pedelecunfälle seien Kollisionen mit Autos. Hauptschuld trage in den allermeisten Fällen (75 Prozent) der Autofahrer. Bei knapp 20 Prozent der polizeilich erfassten Unfälle sei kein Unfallgegner im Spiel. Bei diesen sogenannten Alleinunfällen kommen Radfahrende beispielsweise durch mangelhafte Infrastruktur zu Fall – also durch Schlaglöcher, Baumwurzelaufbrüche, Abbruchkanten oder Hindernisse auf dem Radweg. (hcn)



