Die Ergebnisse des Führungskräfte-Radars zur Gender- und Gleichstellungsthematik zeigen nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung die Notwendigkeit, die aktuellen Zustände im Unternehmen zu hinterfragen.

Die Ergebnisse des Führungskräfte-Radars zur Gender- und Gleichstellungsthematik zeigen nach Ansicht der Bertelsmann Stiftung die Notwendigkeit, die aktuellen Zustände im Unternehmen zu hinterfragen.

Bild: © Rawpixel/AdobeStock

Quiet Quitting schwappt offenbar aus den USA nach Deutschland. Mit der Bezeichnung ist die stille, innerliche Distanzierung von Mitarbeitern vom Unternehmen gemeint. Um Problemen wie diesen entgegenzuwirken, reichen materielle Benefits wie unbegrenzter Urlaub, Fitnessstudiokooperationen und die obligatorischen Obstkörbe oft nicht mehr aus, meint die HR-Beratung Kincentric.

"Inspirierende Führung, erlebte Sinnhaftigkeit und eine authentische Unternehmenskultur entscheiden am Ende darüber, ob jemand in seinem Job bleibt, nicht die Anzahl der Urlaubstage oder schicke Retreats. Seine Mitarbeitenden zu verhätscheln reicht heute einfach nicht mehr", sagt Stefan Mauersberger, Partner bei Kincentric.

Mehr als Karriereleiter

Wer diese Stellschrauben zu lange ignoriere, riskiere demnach mitunter sogar die mögliche Kündigung seiner Mitarbeitenden. Dabei gehe es bei Quiet Quitting nicht um fehlende Motivation seitens der Mitarbeitenden, die sei durchaus vorhanden, so Mauersberger. "Allerdings gilt in der Post-Corona-Ära eine andere Priorisierung - die Arbeit als alleinige Motivationsquelle reicht nicht mehr aus."

Viele Mitarbeiter wollten demnach mehr als geradlinig die Karriereleiter hinaufzuklettern. "Hinzukommt, dass viele Mitarbeitende durch die sprunghaft angestiegene Arbeitsbelastung - unter anderem durch die Unterbesetzung vieler Abteilungen - ausgebrannt sind", so der Kincentric-Partner.

Freiräume leben

Quiet Quitting sei demnach weder ein neuer, noch temporärer Trend. Wer als Führungskraft nicht schnell und konsequent handele, riskiere seine Mitarbeiter langfristig zu verlieren.

Dazu hat die Unternehmensberatung sechs Hebel definiert, um Quiet Quitting erfolgreich entgegenzuwirken:

  1. Grenzen setzen & respektieren. Viele Mitarbeitende haben aktuell ihre Belastungsgrenze erreicht - und das sollte auch offen kommuniziert werden dürfen. Nicht jede Aufgabe ist ein Feuer, das sofort gelöscht werden muss. Führungskräfte sollten ihre Mitarbeitenden ermutigen, Prioritäten zu setzen. Und diese auch respektieren!
  2. Gelebte Freiräume. Urlaub ist Urlaub, das heißt: arbeitsfreie Zeit! Das gilt für Führungskräfte genauso wie für Mitarbeitende. Wer seinen Angestellten nicht vorlebt, dass es wichtig ist, sich bewusste Freiräume zu nehmen, riskiert seine Mitarbeitende langfristig zu verlieren.
  3. Work-Life-Balance war gestern. Home Office und agile Arbeitsweisen haben zu einem Verschwimmen zwischen Beruflichem und Privatem geführt. Die klare und strikte Trennung ist entscheidend für das Wohlbefinden und somit auch für das Mitarbeiter-Engagement.
  4. Schweigen ist Silber. Reden ist Gold. Führungskräfte müssen wissen, was ihre Mitarbeitenden bewegt und antreibt. Regelmäßige Mitarbeitergespräche können dazu beitragen, die Fluktuationsrate signifikant zu verringern.
  5. Die richtige Balance finden. Ein Ausgleich zur Arbeit ist wichtig - das sollten Führungskräfte nicht nur vorleben und anerkennen, sondern gemeinsame Interessen zwischen Kollegen und Kolleginnen fördern.
  6. Zuhören als essentielle Basis für eine starke Engagement-Kultur. Unternehmen müssen die Sorgen und Anliegen ihrer Mitarbeitenden hören. Und allen voran: Diese auch ernstnehmen! Wer Engagement-Kultur vorantreiben will, muss die Gründe kennen, warum Mitarbeitende sich nicht gänzlich engagieren.

Obstkorb reicht nicht

"Es ist höchste Zeit, den Fokus wieder stärker auf echte Werte zu setzen", erklärt Mauersberger. "Augenscheinliche Benefits helfen nicht, die Mitarbeitenden vor einem Wechsel aufzuhalten oder an das Unternehmen zu binden. Jeder Einzelne muss auch tatsächlich als Individuum gesehen werden und sich mit der Unternehmenskultur identifizieren."

Dabei sei es auch unverzichtbar, den Mitarbeitenden im Job entsprechende Freiheiten einzuräumen, ihre Privatsphäre zu respektieren und ihnen diese vor allem auch zu ermöglichen: "Statt Obstkörben bedarf es einer nachhaltigen Unternehmenskultur, da sich die Rahmenbedingungen verschoben haben", so der Unternehmensberater. "Vielleicht ist es auch einfach wieder der richtige Schritt zurück zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance, für die sich keiner rechtfertigen muss." (jk)

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