Lediglich 29 Prozent der Personaler*innen sehen sich sehr gut vorbereitet, um ihrem Unternehmen im Falle einer Rezession zu helfen, widerstandsfähig zu bleiben. 37 Prozent sind der Ansicht, dass ihnen - neben einer nachhaltigen Personalstrategie (38 Prozent) - vor allem effizientere Abläufe helfen würden, ihre Teams durch herausfordernde Zeiten zu führen.
Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, für die Censuswide im Auftrag des HR-Softwareunternehmens Personio 1000 Arbeitnehmer*innen und 503 Personaler*innen aus dem deutschen Mittelstand im Zeitraum zwischen 26. August und 5. September 2022 befragt hat. So sehen sowohl HR-Verantwortliche (55 Prozent) als auch Mitarbeitende (46 Prozent) in puncto Prozesseffizienz für ihr Unternehmen übereinstimmend Verbesserungspotential - übermäßiger Verwaltungsaufwand und viele repetitive Arbeiten werden hier in erster Linie als Bremsklötze genannt.
Ganzheitliche Employee Experience fehlt
Der Umfrage zufolge vertraut nur jeder Zweite (54 Prozent) der Arbeitnehmer*innen darauf, dass Unternehmen auch während einer Rezession in ihre Mitarbeitenden investieren. Diese Einschätzung korrespondiert mit entsprechenden Aussagen seitens der HR-Verantwortlichen. So sagen 52 Prozent, dass ihr Betrieb keinen ganzheitlichen Ansatz im Hinblick auf die Employee Experience verfolgt.
Das bestätigen auch die Mitarbeitenden: Dabei rangiert die interne Mitarbeiterkommunikation mit 32 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Work-Life-Balance (30 Prozent) sowie mehr Zeit und Ressourcen zur Erledigung der Aufgaben (23 Prozent).
Aufgabenbelastung steigt
Interessant ist auch die Kommunikation zwischen HR-Teams und Mitarbeitenden: So werden bei personalbezogenen Anliegen nach wie vor die klassischen und eher zeitintensiven Kanäle wie E-Mail (70 Prozent), Telefon (63 Prozent) oder das persönliche Gespräch (53 Prozent) genutzt. 40 Prozent der Arbeitnehmer*innen verbringen außerdem durchschnittlich ein bis zwei Stunden wöchentlich ausschließlich mit HR-administrativen Tätigkeiten.
Die Personaler*innen wünschten sich dabei mehr Zeit für die Bedürfnisse der Mitarbeitenden und die strategische Personalentwicklung (36 Prozent). Allerdings sei die Arbeits- und Aufgabenbelastung weiterhin gestiegen: So geben fast 64 Prozent an, dass die Zahl der Mitarbeiteranfragen seit Beginn der Pandemie in erheblichem Maße zugenommen habe. Gleichzeitig sprechen sich 37 Prozent für einen nachhaltigen und langfristigen Ansatz in der Personalstrategie aus oder legen Wert auf eine gute Unternehmenskultur (33 Prozent).
Hohe Lebenshaltungskosten stressen
Ergänzend hierzu meinten 63 Prozent der Personalentscheider*innen, dass Einsparungen, die sich auf die Employee Experience auswirken, negative Folgen für die Motivation und die Produktivität der Mitarbeitenden haben könnten. Dieser Zusammenhang wurde ebenfalls in der Befragung deutlich: 49 Prozent der Mitarbeitenden bestätigen, dass eine schlechte Employee Experience direkte Auswirkungen auf die individuelle Leistungsfähigkeit hat.
Wie stark die derzeitige Multi-Krise infolge Ukraine-Krieg, hohen Energiepreisen, Inflation und drohender Rezession dabei bereits die Stimmungslage der Arbeitnehmer:innen belastet, zeigen ebenfalls Daten der Studie: 67 Prozent der Mitarbeitenden führen an, dass sie sich während der Arbeit Sorgen machen oder gestresst sind. Dabei steht die Angst vor weiter steigenden und nicht mehr bezahlbaren Lebenshaltungskosten in der Skala ganz oben.
Schlankere HR-Prozesse
"Personalverantwortliche sind insbesondere in herausfordernden Phasen gefordert, Unternehmen und Mitarbeitende zu unterstützen und resilient aufzustellen", sagt Cassandra Hoermann, Head of People Experience, Personia. "Dafür braucht es motivierte und leistungsfähige Teams - die Employee Experience gewinnt also zunehmend an Bedeutung."
Damit HR aber überhaupt in der Lage sei, Ressourcen für strategische Personalarbeit frei zu machen, müssten repetitive, administrative Routineaufgaben digitalisiert und automatisiert werden. "Sind HR-Prozesse schlanker und effizienter, können Personalabteilungen die so 'neu' gewonnene Zeit für strategische Themen nutzen, beispielsweise indem sie die Employee Experience fördern und damit das Unternehmensergebnis positiv beeinflussen", so Hoermann. (jk)



