Der Sanierer geht von Bord: Michael Böddeker hat die Stadtwerke Völklingen  restrukturiert und neu aufgestellt.

Der Sanierer geht von Bord: Michael Böddeker hat die Stadtwerke Völklingen restrukturiert und neu aufgestellt.

Bild: © Andrew Wakeford/Stadtwerke Völklingen

Mit einem straffen Sanierungskurs hat Michael Böddeker seit 2015 den Kommunalkonzern Stadtwerke Völklingen zukunftsfähig aufgestellt. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Sanierungsphase hat der Geschäftsführer der Stadtwerkeholding nun auf eigenen Wunsch das Unternehmen verlassen, laut Regionalmedien führt er persönliche Gründe für sein Ausscheiden an. Zum Nachfolger hat die Stadt, als Alleingesellschafterin der Stadtwerke, mit sofortiger Wirkung den bisherigen Prokuristen und kaufmännischen Leiter Julian Wollscheidt bestellt. Der 29-Jährige hatte eng bei der Umfinanzierung und der Ablösung des Sanierungskredites mit Böddeker zusammengearbeitet (ZfK 11/18, 21).

Unter Böddekers Führung seien mehrere Personen bei den Stadtwerken Völklingen in die Übernahme von Führungsaufgaben eingearbeitet worden, erklärte Oberbürgermeisterin Christiane Blatt. Der gelernte Wirtschaftsingenieur Julian Wollscheidt war vor rund zwei Jahren als Branchenfremder zu den Stadtwerken Völklingen gewechselt und hatte dort den Posten des kaufmännischen Leiters übernommen. Zuvor hatte er als "Assistant Manager Audit" drei internationale Wirtschaftsprüfer-Teams bei PricewaterhouseCoopers (PwC) Luxemburg geleitet.

Umschuldung als Befreiungsschlag

Sein Vorgänger Böddeker hatte die Leitung der Stadtwerke Völklingen im Oktober 2015 übernommen, damals stand der Kommunalkonzern nach Millionenverlusten mit einer Meeresfischzuchtanlage vor der Fast-Insolvenz. Diese wurde mit Hilfe eines Sanierungskredites der Saar-LB mit strengen Sparauflagen abgewendet. Gemeinsam mit Wollscheidt gelang es Böddeker nach langem vergeblichen Klinkenputzen bei Banken und Investoren dieses Darlehen Ende 2017 mit Hilfe eines Bankenkonsortiums abzulösen. Diese Umschuldung bezeichnete Böddeker als "Befreiungsschlag". Dadurch erhielt die Kommunalholding letztlich den Spielraum zurück, um ihre steigenden Investitionen zu refinanzieren. Zudem konnte die Zinslast deutlich gesenkt werden.

"Das Gesamtunternehmen ist jetzt über zehn Jahre solide ausfinanziert, der Sanierungsstatus ist beendet", verdeutlichte Böddeker im Geschäftsbericht von 2017. Das Abtragen des Schuldenbergs in Höhe von 35 Mio. Euro werde aber dennoch viele Jahre dauern. Ebenso wichtig wie die Umschuldung war dem Sanierungsexperten das Anstoßen einer neuen Unternehmenskultur. Alle Führungspositionen wurden neu besetzt, eine IT-Modernisierung wurde nachgeholt. Kunden- und Serviceorientierung stehen strategisch im Vordergrund, so hat das Unternehmen Kundenverluste reduzieren können und gewinnt mittlerweile nach eigenen Angaben "zunehmend neue Kunden". (hoe)

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