Der frühere Geschäftsführer der Stadtwerke Zeitz lud über mehrere Jahre Persönlichkeiten aus ganz Deutschland in eine VIP-Lounge in der Gelsenkirchner Veltins-Arena ein.

Der frühere Geschäftsführer der Stadtwerke Zeitz lud über mehrere Jahre Persönlichkeiten aus ganz Deutschland in eine VIP-Lounge in der Gelsenkirchner Veltins-Arena ein.

Bild: © Wo st 01/Wikipedia

Das Landgericht Halle an der Saale kündigt für Freitag den Auftakt des Strafprozesses gegen den ehemaligen Chef der Stadtwerke Zeitz, A. H., und seinen damaligen Aufsichtsratschef und OB V. K. (FDP), an. Es sind demnach sieben Verhandlungstage bis Anfang April terminiert. Im Falle ihrer Verurteilung drohen ihnen Gesamtfreiheitsstrafen bis zu 15 Jahren.

Die Staatsanwaltschaft Halle wirft den beiden Angeklagten gemeinschaftliche Untreue zulasten des Stadtwerks in elf Fällen und dem Ex-Geschäftsführer darüber hinaus 100 weitere Untreue-Taten vor. Die Zahl 100 bezieht sich auf den Einkauf von Eintrittskarten durch die Stadtwerke, mit denen H. dann Kunden und Prominente zu Heimspielen des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 in Gelsenkirchen einlud. So kommt der Name "Schalke-Affäre" zustande. Der Gelsenkirchener Versorger Gelsenwasser ist an den Stadtwerken Zeitz beteiligt, aber nicht in die Affäre verwickelt.

Wahlwerbung auf Kosten des Stadtwerks?

Die Vorwürfe gehen aber längst über die Schalke-Affäre hinaus: H. hat laut Anklage 2010 für 76.000 Euro einen Dienstwagen angeschafft, den ihm zwar K. als Aufsichtsratschef genehmigt haben soll, nicht aber das Gremium. Das Fahrzeug sei zudem 2015 unter Wert weiterverkauft worden.

2012 sollen die Angeklagten obendrein mehrfach auf Kosten der Stadtwerke nach Prescott in den USA sowie nach Tokio gereist sein, ohne dass es "insoweit eine wirtschaftliche, geschäftliche Veranlassung" gegeben habe. Im OB-Wahlkampf 2016 habe H. überdies über eine Stadtwerke-Tochter Wahlwerbung gemacht. Die Wahl gewann der heutige OB Christian Thieme (CDU) im Stich.

Der Ex-Manager, Jahrgang 1962, und der ehemalige Politiker und heutige Dozent hatten sich bisher damit verteidigt, die Schalke-Karten hätten dem Marketing und der Kundenbetreuung gedient und seien dem Aufsichtsrat bekannt gewesen. Und die Reisen hätten weitere Städtepartnerschaften generieren sollen. Prescott ist laut Wikipedia tatsächlich eine der Partnerstädte von Zeitz. (geo)

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