Fast neun von zehn Personal- und Unternehmensentscheidern rechnet heute mit einem stetig steigenden Aufwand, um bis 2030 ihren Bedarf an qualifiziertem Personal zu decken. Das hat eine Studie des Softwareanbieters Cornerstone ergeben. "Längst zeichnet sich ab, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiter zuspitzt – vom Fachkräftemangel zur 'großen Arbeiterlosigkeit'", schreiben die Studienautor*innen.
Doch bisher sei die Lage noch nicht so dramatisch wie etwa in den USA, wo die Kündigungsrate 2021 ihren bisherigen Höchststand erreichte. In der Studie berichteten 45 Prozent der Befragten, dass die Fluktuation im eigenen Unternehmen seit 2020 unverändert sei. Bei 17 Prozent sei die Kündigungsrate in diesem Zeitraum sogar gesunken. Dennoch sagen immerhin knapp vier von zehn Befragten, dass seit 2020 mehr Mitarbeiter das jeweilige Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen haben.
Unzufriedenheit mit Führung
Als Topkündigungsgründe ihrer Mitarbeiter nannten die Befragten dabei Karriere und Gehalt (jeweils 48 Prozent). Gleichzeitig betrachteten die Führungskräfte es eher selten als dringende Aufgabe, die internen Entwicklungsmöglichkeiten auszubauen.
Ein weiterer wichtiger Kündigungsgrund war demnach Unzufriedenheit mit der Führungskultur: Für 37 Prozent der Befragten spielt die Leadership eine ausschlaggebende Rolle bei den Kündigungen der Mitarbeiter. 49 Prozent setzen daher verstärkt auf Maßnahmen, mit denen die Führungskräfte zugunsten der Mitarbeiterbindung weiterentwickelt werden sollen. Gleichzeitig identifizierte die Mehrheit der Befragten die Führungskultur als Hebel für eine bessere Mitarbeiterbindung.
HR als Enabler
Dabei gelte es, insbesondere kommunikative Hürden zu überwinden, die die räumliche Distanz im Homeoffice mit sich bringt, so die Studienautor*innen. Im Gegensatz zum typischen Büroalltag prägen hier insbesondere Kollaborationstools und digitale Kommunikationskanäle den zwischenmenschlichen Austausch: Während sich das Homeoffice für knapp jeden dritten Befragten positiv auf die Vermittlung von Wertschätzung auswirkt, ist knapp jeder Vierte diesbezüglich pessimistisch.
Auch die Rolle der Personalabteilungen verändert sich: Bei 54 Prozent der Befragten versteht sich HR als Enabler in Sachen Mitarbeiterbindung. In 53 Prozent der befragten Unternehmen sicherte sich die Personalabteilung die Position als Partner des Business. 34 Prozent der befragten Personal- und Unternehmensentscheider gaben zudem an, dass HR die (Weiter-)Entwicklung der Unternehmens- beziehungsweise der Führungskultur managt.
Jedes zweite Unternehmen investiert in Employer-Branding
In gut jedem vierten befragten Unternehmen übernimmt HR als changemanager Verantwortung für den organisationsweiten Transformationsprozess. Als Moderator fungiert die Personalabteilung bei 33 Prozent der Befragten.
Dabei ist für die Befragten die Personalbeschaffung – neben der Mitarbeiterbindung – die dringendste Aufgabe von HR (67 Prozent). Aktuell investiert das Unternehmen jedes zweiten Befragten in das Employer-Branding, um die Mitarbeiterbindung zu steigern. An der Spitze der meistgenannten Aspekte, die die befragten Unternehmen mit ihrer Arbeitgebermarke transportieren wollen, befindet sich die Unternehmenskultur (57 Prozent).
Homeoffice stärkt Mitarbeiterbindung
Mit dem Engagement für Nachhaltigkeit wollen 42 Prozent der befragten Unternehmen bei ihren jetzigen und künftigen Mitarbeitern punkten. Acht von zehn Befragten gaben an, dass sich das Homeoffice positiv auf die Arbeitgeberattraktivität des eigenen Unternehmens auswirkt. Fast jeder zweite Befragte nimmt aufgrund von Homeoffice auch eine gestärkte Mitarbeiterbindung wahr.
Jedoch spüren die Befragten auch die negativen Folgen des mobilen Arbeitens: Knapp jeder Zweite berichtet von negativen Auswirkungen auf den Zusammenhalt in den Teams der eigenen Organisation. Für 22 Prozent der Befragten ist es derzeit besonders herausfordernd, die Isolation von Mitarbeitern zu verhindern, die häufiger von zu Hause aus arbeiten. (jk)



