Deutschlands Berufstätige streben deutlich veränderte Arbeitsmodelle an: Fast jeder zweite Vollzeit-Beschäftigte will zur Teilzeit-Arbeit wechseln, wenn er dazu die Möglichkeit vom Arbeitgeber bekommt (48 Prozent). Das hat die HDI Berufe-Studie herausgefunden. Am stärksten sei der Wunsch nach kürzerer Arbeitszeit demnach bei den Beschäftigten unter 40 Jahren.
Drei Viertel aller Beschäftigten plädieren zudem für die Einführung der 4-Tage-Woche in ihren Unternehmen (76 Prozent). Besonders stark ist das in der Industrie der Fall (86 Prozent). Hier wäre sogar jeder Vierte (24 Prozent) auch bereit, dafür auf einen Teil des Lohns zu verzichten, insgesamt sind das aber nur 14 Prozent aller Beschäftigten. Zugleich sehen 41 Prozent aller Berufstätigen in Deutschland durch mobiles Arbeiten qualitativ verbesserte Ergebnisse, nur 29 Prozent bestreiten das.
Bindung ans Unternehmen nimmt ab
Dabei nimmt die Bindung zum Job und Unternehmen gerade bei jungen Beschäftigten signifikant ab – zugunsten einer angestrebten verbesserten Work-Life-Balance. War etwa 2020 für 69 Prozent der Berufstätigen unter 25 Jahren "ein Leben ohne Beruf nicht vorstellbar", sind es jetzt 58 Prozent.
"Besonders junge Berufstätige in Deutschland streben den Ergebnissen unserer Studie zufolge vehement nach mehr Freiräumen im Beruf", sagt Christopher Lohmann, Vorsitzender des Vorstandes, HDI Deutschland. "Sie wollen mitbestimmen, wo, wann und wie lange sie arbeiten." Die Vorstellungen der jungen Berufstätigen wichen dabei deutlich von den tradierten Arbeitsmodellen ab. Die Corona-Erfahrungen haabe diese Einstellungen offenbar stark befördert.
Leben ohne Beruf ist vorstellbar
"Ich würde so schnell wie möglich mit meinem beruflichen Arbeiten aufhören, wenn ich es finanziell nicht mehr nötig hätte." In der ersten HDI Berufe-Studie 2019 stimmte dieser Aussage rund jeder dritte Berufstätige in Deutschland zu. Drei Jahre später und nach den Corona-Erfahrungen liegt die Zustimmung jetzt bei 56 Prozent - mehr als ein Drittel höher. Deutlich gestiegen sei dabei gerade der Anteil junger Berufstätiger, die sich auch "ein Leben ohne Beruf" vorstellen können.
Nur etwa jeder dritte Beschäftigte (37 Prozent) gibt aktuell an, heute in dem Beruf zu arbeiten, den er sich immer gewünscht und angestrebt habe. Unter Lehrern und Ausbildern erreicht diese Quote mit 59 Prozent den höchsten Wert unter allen Berufsgruppen. Auch unter Medizinern und IT-Kräften arbeiten mit jeweils 44 Prozent überdurchschnittlich viele in ihrem "Traumberuf". Bei Beschäftigten im Sicherheits- und Reinigungsgewerbe ist das hingegen nur zu 20 Prozent der Fall, sie bilden damit das Schlusslicht unter allen Berufsgruppen.
Homeoffice macht Unternehmen attraktiver
Auch zum Homeoffice liefert die Studie neue Zahlen: "Mobiles Arbeiten verbessert die Qualität der Arbeitsergebnisse" – 41 Prozent der Erwerbstätigen sind davon inzwischen überzeugt, nur 29 Prozent nicht. Besonders positiv ist die Meinung dazu bei jüngeren Berufstätigen unter 45 Jahren (48 Prozent zu 27 Prozent). Unternehmen, die mobiles Arbeiten anbieten, halten zwei Drittel aller Beschäftigten bei der Berufswahl daher auch für attraktiver als andere ohne solche Angebote.
Die HDI Berufe-Studie wird jährlich bundesweit durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov Deutschland. Sie ermöglicht durch ihren Umfang auch repräsentative Aussagen für den Arbeitsmarkt der einzelnen Bundesländer. In diesem Jahr wurden insgesamt 3891 Erwerbstätige ab 15 Jahren in den Monaten Juni und Juli 2022 befragt. (jk)



