Tendieren Beschäftigte dazu, in weiter entfernte Wohnorte zu ziehen, wenn sie nicht mehr permanent im Büro arbeiten? In einer Befragung im Herbst 2021 gaben immerhin 31 Prozent der Beschäftigten an, dass sie sich vorstellen könnten, aus der Stadt in Vororte oder ländliche Gebiete zu ziehen und mehr mobil zu arbeiten. Einen solchen Schritt während der Pandemie vollzogen, haben allerdings erst sechs Prozent der Befragten.
Am Future of Work Lab an der Universität Konstanz wird unter der Leitung von Florian Kunze seit Beginn der Covid-19-Pandemie im März 2020 die Konstanzer Homeoffice Studie durchgeführt. Hierbei wird eine Stichprobe der Erwerbsbevölkerung regelmäßig zu ihrer Arbeitssituation während der Pandemie und besonders zur Transformation hin zu einer hybriden Arbeitswelt befragt.
Cafés noch selten genutzt
In der Befragung gaben zudem 29 Prozent der Befragten an, dass sie sich vorstellen können, in Zukunft verstärkt Coworking Spaces für ihre mobile Arbeit zu nutzen. Aktuell arbeitet die große Mehrheit (94 Prozent) der Beschäftigten allerdings noch im Homeoffice, wenn sie mobil arbeitet.
Nur drei Prozent der Befragten nutze derzeit Coworking Spaces und eine ähnlich niedrige Zahl von vier Prozent nutzt öffentliche Räumlichkeiten, wie ein Café, zum mobilen Arbeiten.
Steuerpflicht bei längerem Auslandsaufenthalt
34 Prozent der Befragten stimmten außerdem der Aussage zu, dass es während der mobilen Arbeit auch möglich sei, aus dem Ausland zu arbeiten. Allerdings ist dabei zu beachten, dass ab einem längeren Aufenthalt im Ausland, dort eine lokale Sozialversicherungs- und auch Steuerpflicht entstehen können, wie die Studienautor*innen erläutern.
In einen immer kompetitiveren Arbeitsmarkt für die Arbeitgeber dürfte der Wunsch nach flexiblen und individualisierten Lösungen im mobilen Arbeiten Ankling finden, heißt es weiter. Ein zukunftsweisendes Beispiel hierfür sei das "1000 Satellites"-Programm der BASF. Dieses habe das Ziel, Beschäftigten innerhalb der Rhein-Neckar-Region dezentrale Coworking Spaces anzubieten, um täglich lange Pendelwege ins Büro zu vermeiden.
Unternehmen können auf mehr Bewerber zurückgreifen
Wenn eine Anwesenheit im Büro gar nicht mehr oder nur noch zu speziellen Anlässen notwendig ist, bedeutet dies demnach auch, dass Unternehmen auf einen weitaus größeren Pool an Bewerber:innen zurückgreifen können. Theoretisch sei es sogar möglich, für spezielle Tätigkeiten, die geringe Interaktion mit anderen Organisationsmitgliedern benötigen, einen globalen Bewerber*innen-Pool zu nutzen, wenn die Arbeit digital von überall erledigt werden kann.
Zusätzlich soll es möglich sein, Mitarbeitende, die aus privaten Gründen den Wohnort wechseln, weiterhin im Unternehmen zu halten. Mit einem "Working from Anywhere"-Ansatz könne es gelingen, das Potenzial an aktuellen und zukünftigen Fachkräften deutlich zu erhöhen, heißt es weiter. (jk)



