Herbert Marquard soll die Stadtwerke Pforzheim (SWP) in ein ruhigeres Fahrwasser führen. Der 64-Jährige hat lange für die Thüga AG gearbeitet und wird die SWP übergangsweise voraussichtlich bis Ende Januar 2020 leiten.

Herbert Marquard soll die Stadtwerke Pforzheim (SWP) in ein ruhigeres Fahrwasser führen. Der 64-Jährige hat lange für die Thüga AG gearbeitet und wird die SWP übergangsweise voraussichtlich bis Ende Januar 2020 leiten.

Bild: © Dirk Hanus/Eins Energie

Die Millionenverluste im Stromvertrieb, in erster Linie im Telesalesbereich, der Stadtwerke Pforzheim (SWP), waren deutlich früher bekannt als die ehemalige Geschäftsführung um Roger Heidt und Thomas Engelhard in der Vergangenheit angegeben hat, notwendige Wertberichtigungen wurden nicht durchgeführt. Spätestens ab März vergangenen Jahres wurde unternehmensintern über die negativen Ergebniseffeke im Stromvertrieb diskutiert, gleichzeitig bestanden strukturelle Defizite im Risikomanagement. Der mit Spannung erwartete Abschlussbericht der Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zum Gewinneinbruch der SWP stellt der früheren Doppelspitze kein gutes Zeugnis aus.

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am Montag in einer Sitzung des Aufsichtsrates diskutiert, dieser hatte Ernst & Young mit der Prüfung beauftragt. Anlass waren unerwartete hohe Verluste im Telesalesbereich (Telefonmarketing), die im vergangenen Jahr zu einem Gewinneinbruch der SWP führten. In der Folge mussten die Stadt als Mehrheitseigner und die Thüga auf ihre Dividendenausschüttungen verzichten, die Kommune musste zudem die geplante Verabschiedung ihres Doppelhaushaltes auf Ende März diesen Jahres verschieben. 

Ex-Führungsduo klagt gegen Abberufung

Die Verluste im Stromvertrieb waren erst Ende vergangenen Jahres  von der damaligen Geschäftsleitung an die Gesellschafter kommuniziert worden, obwohl die Negativentwicklung seit längerem bekannt war. Ende Januar dieses Jahres trennte sich der SWP-Aufsichtsrat deshalb von seinem Führungsduo und begründete das mit einem gestörten Vertrauensverhältnis. Heidt und Engelhard haben dagegen Klage eingereicht. Aufgrund der Ergebnisse der Sonderuntersuchung sieht sich das SWP-Kontrollgremium nun in seiner Entscheidung bestätigt, die Geschäftsleitung in neue Hände zu legen.

"Operative Neuausrichtung"

Ende Januar dieses Jahres wurde Herbert Marquard (64) zum Interimsgeschäftsführer bis Januar 2020 bestellt. Sein Vertrag wurde nun für bis zu drei weitere Jahre verlängert. Marquard habe bereits gemeinsam mit der Leitungsebene Maßnahmen eingeleitet, "die die SWP strukturell und operativ im erforderlichen Maße neu ausrichten", heißt es in der Pressemitteilung. "Ich verlasse keine Baustelle", hatte der gebürtige Nordrhein-Westfale erst vor einigen Monaten in einem Interview mit der "Pforzheimer Zeitung" zu Protokoll gegeben. Offenbar gibt es für ihn und die SWP in den kommenden Monaten noch viel zu tun. (hoe)

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