Münchens OB Dieter Reiter (links) und Werner Albrecht, Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder der Stadtwerke München (rechts) übergeben am 26. März 2019 symbolisch den Schlüssel zu den nächsten 56 Werkswohnungen an die ersten Mieter Oliver Schicht und Jan Schifferdecker (Dritter und Vierter von links). Mit auf dem Bild: Die Architekten Stefan Maisch (Zweiter von links) und Richard Wolf (Dritter von rechts) sowie der Erfinder der „Flissade“, Daniel Hoheneder (2. von rechts). Die "Flissade" ist ein vollwertiger, zwischen Balkon und Frühstückszimmer changierender Wohnraum auf 6 qm Fläche und ist einmal verbaut.

Münchens OB Dieter Reiter (links) und Werner Albrecht, Geschäftsführer Personal, Immobilien, Bäder der Stadtwerke München (rechts) übergeben am 26. März 2019 symbolisch den Schlüssel zu den nächsten 56 Werkswohnungen an die ersten Mieter Oliver Schicht und Jan Schifferdecker (Dritter und Vierter von links). Mit auf dem Bild: Die Architekten Stefan Maisch (Zweiter von links) und Richard Wolf (Dritter von rechts) sowie der Erfinder der „Flissade“, Daniel Hoheneder (2. von rechts). Die "Flissade" ist ein vollwertiger, zwischen Balkon und Frühstückszimmer changierender Wohnraum auf 6 qm Fläche und ist einmal verbaut.

Bild: © SWM

Die Stadtwerke München (SWM) wollen bis 2030 zusätzlich zu ihrem Bestand von gut 500 Wohnungen bis zu 2000 weitere Wohneinheiten schaffen. Diese Vereinbarung zwischen SWM und Landeshauptstadt, die angeblich vom Vorjahr stammt, ist am Dienstag von OB und Aufsichtsratschef Dieter Reiter (SPD) sowie Personal-Geschäftsführer Werner Albrecht erwähnt worden. Anlass war ein Pressetermin, auf dem die beiden ein neues Gebäude im Nordwesten mit 56 Wohneinheiten symbolisch an die ersten Mieter übergaben.

Bisher war in der "Ausbauoffensive Werkswohnungen", die seit acht Jahren läuft, nur von einer Verdopplung des Bestandes die Rede gewesen. Dabei wandeln die SWM eigene Brachflächen in günstigen Wohnraum um. Das Investitionsvolumen beträgt 120 Mio. Euro. 120 Einheiten sind schon realisiert. Die restlichen knapp 400 Wohnungen sollen bis 2022 fertig werden.

"Andockstation" für einkommensschwache Mitarbeiter

Geschäftsführer Albrecht nannte das SWM-Konzept mit dem neuen Gebäude im eher hochpreisigen Stadtteil Neuhausen/Nymphenburg das einer "Andockstation" mit Schwerpunkt für einkommensschwache Azubis und andere neue Mitarbeiter, etwa Busfahrer und Bäderfachangestellte. So soll die Einstellung dringend benötigter Auszubildender und Fachkräfte bei den SWM nicht an den höchsten Mieten Deutschlands auf dem freien Markt scheitern. OB Reiter schilderte die Herausforderung sarkastisch so: "Wir haben 50 Millionen für ein neues Hallenbad, aber wir kriegen keine drei Mitarbeiter, die im Bad aufpassen."

Das nun übergebene Gebäude liegt direkt an einem Bad der SWM, dem Dantebad. Es ersetzt nach ersten Planungen 2013 und Bauarbeiten seit 2017 Lagerflächen für das Bad, die verdichtet oder verlagert wurden. Die 56 Wohnungen haben entweder ein oder zwei Zimmer oder sind eine WG für drei Azubis. Sie sind alle möbliert. Auch die Stadtwerke Bielefeld haben neuerdings eine Azubi-WG, aber ungleich kleiner und selbst angemietet.

180 warm statt 500 kalt

Die entsprechenden Warmmieten, die in dem normal energieeffizienten Haus pauschal abgerechnet werden, betragen 250, 500 und 180 Euro. Für eine WG zahle man, so Geschäftsführer Albrecht, in jenem Stadtteil auf dem freien Wohnungsmarkt 500 bis 600 kalt statt 180 Euro warm - oder 16 Euro pro Quadratmeter kalt statt in der Dantestraße zehn Euro warm.

Der geldwerte Vorteil einer Miete unterhalb der Vergleichsmiete muss versteuert werden. Bei Jahresbruttogehältern unter 50.000 Euro übernehmen das die SWM, sagte Albrecht der ZfK. Die Wohnungen in der Dantestraße seien die ersten subventionierten der Stadtwerke.

Azubis drei Jahre, sonst nur ein Jahr

Azubis dürfen während ihrer gesamten Ausbildung wohnen bleiben, andere Beschäftigte müssen nach einem Jahr raus. Der Einzugsbereich des Ausbildungszentrums, in dem die Azubis morgens um 7 Uhr anfangen müssen, reicht bis zu 70 Kilometer weit um München herum.

Auch Prä-Azubis oder Auszubildende in dem sozialpädagogischen "Stadtwerkemodell" der SWM-Bildungsstiftung für junge Leute aus prekären sozialen Verhältnissen sollen dort wohnen, erläuterte Albrecht. Zwei Sozialpädagogen sollen in der Dantestraße präsent sein.

Wie man weniger Parkplätze braucht

Die SWM legten das Gebäude Dantestraße 4 offiziell als "Arbeiterwohnheim" an. So müssen sie wesentlich weniger Autostellplätze ausweisen. Der Bau ist geständert und hat keine Unterkellerung, weil unter ihm eine U-Bahn-Linie verläuft.

OB Reiter nannte bezahlbaren Wohnraum "neben dem Verkehr die drängendste Herausforderung für München". Er lobte die SWM, die auf diesem Markt zur Entlastung beitrügen. Reiter: "Die SWM verdienen ganz gut Geld, die können es sich leisten." Der Sozialdemokrat rief andere Münchner Unternehmen, die "Milliarden verdienen", auf, es den Stadtwerken nachzutun, statt "sich relativ trocken ab(zu)spatzen, auf gut Bairisch gesagt". Das sei "kein Umgang". (geo)

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