Geschäftsführungen der kommunalen Unternehmen in der Ver- und Entsorgungswirtschaft erhalten laut dem Club-Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung des VKU und Kienbaum ein durchschnittliches Gehalt in Höhe von 198.000 Euro. Den größten Einfluss auf das Vergütungsniveau des Top-Managements haben – sowohl in der Privatwirtschaft als auch Ver- und Entsorgungswirtschaft – die Unternehmensgröße und der damit einhergehende Verantwortungsrahmen.
Betrachtet man beispielsweise Unternehmen mit unter 50 Beschäftigten sinkt das durchschnittliche Geschäftsführungsgehalt auf 107.000 Euro, während Geschäftsführer:innen in Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten eine durchschnittliche Vergütung in Höhe von 375.000 Euro beziehen.
Manager der zweiten Ebene
Mit Blick in die einzelnen Unternehmen zeigt sich, dass nicht nur die Unternehmensgröße, sondern auch die hierarchische Ebene eine erhebliche Rolle bei den Vergütungsniveaus von Führungskräften spielt. Führungsfunktionen in der ersten Ebene unterhalb der Geschäftsführung erhalten über alle Unternehmensgrößen hinweg eine Vergütung in Höhe von durchschnittlich 106.000 Euro, was etwas mehr als 50 Prozent der Geschäftsführungsvergütungen entspricht. Dieses Vergütungsgefälle zeichnet sich auch auf den nachfolgenden hierarchischen Ebenen ab, jedoch fällt der relative Unterschied zum Vergütungsniveau der nächsthöheren Ebene geringer aus.
Auch die Branche hat einen erheblichen Einfluss auf das Vergütungsniveau. Unternehmen der Privatwirtschaft bezahlen vor allem Geschäftsführungs- und Führungsfunktionen deutlich besser als vergleichbare Unternehmen der Ver- und Entsorgungswirtschaft. Im Durchschnitt erhalten Geschäftsführungen in der Privatwirtschaft über alle Unternehmensgrößen betrachtet ein Gehalt von 348.000 Euro – was fast dem Doppelten von Geschäftsführungsvergütungen in der kommunalen Ver- und Entsorgungswirtschaft entspricht. Diese Unterschiede sinken zwar bei den nachfolgenden Führungsfunktionen, jedoch erhalten obere Führungsfunktionen der ersten Ebene unter der Geschäftsführung eine durchschnittliche Vergütung von 138.000 Euro und liegen damit etwa 25 Prozent über den Vergütungen vergleichbarer Positionen in der Ver- und Entsorgungswirtschaft.
Auswirkungen von Tarifverträgen
Während diese Gehaltsunterschiede auf den Top-Management Positionen besonders hoch sind, zeigt sich gerade auf der Ebene von akademisch geprägten Funktionen ohne Führungsverantwortung, Sachbearbeiter:innen und Facharbeiter:innen ein anderes Bild. Hier liegt das durchschnittliche Vergütungsniveau von Mitarbeitenden in der Ver- und Entsorgungswirtschaft in den diesjährigen Auswertungen sogar über dem Niveau der Privatwirtschaft. Ein Grund hierfür ist die fast flächendeckende Verbreitung von Tarifverträgen in der Ver- und Entsorgungswirtschaft, was gerade bei typischerweise gering vergüteten Funktionen zu einem vergleichsweise höheren Vergütungsniveau führt.
Obwohl Unternehmen in der Ver- und Entsorgungswirtschaft seit vielen Jahren steigenden wettbewerblichen und eigentümergetriebenen Anforderungen gerecht werden müssen, erreichen die Gehälter immer noch nicht das Niveau der privatwirtschaftlichen Industrie. Als Gründe für diese Gehaltsunterschiede bei Führungskräften der Ver- und Entsorgungswirtschaft werden die Struktur von Tarifverträgen (beispielsweise Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe (TV-V)), die in ihren Entgeltgruppen und ihrem Entgeltniveau weiter reichen als Tarifverträge anderer Branchen, die wahrgenommene höhere Arbeitsplatzsicherheit oder das Einpreisen eines höheren „Purposes“ durch die Sicherstellung der Grundversorgung beziehungsweise Daseinsvorsorge genannt. Darüber hinaus spielt die Prägung als öffentliches Unternehmen auch immer noch eine Rolle.
Spreizung könnte sich noch verstärken
Über alle Führungsfunktionen hinweg lassen sich in der Ver- und Entsorgungswirtschaft in den letzten drei Jahren eine stabile jährliche Gehaltssteigerung von etwa zwei Prozent beobachten. Betrachtet man hingegen die Privatwirtschaft, lassen sich weitaus stärkere Schwankungen in der jährlichen Gehaltssteigerung der letzten drei Jahre beobachten. Während nach den Kienbaum Untersuchungen im Jahr 2021 eine Gehaltssteigerung in Höhe von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten war, stieg diese im Jahr 2022 auf 3,2 Prozent und im Jahr 2023 sogar auf 4,2 Prozent im Vergleich zum jeweiligen Vorjahr an.
Gründe für diesen Anstieg sind vor allem die hohe Inflation der letzten ein bis zwei Jahre. Orientiert an diesen Daten ist zu befürchten, dass die noch vorhandene Spreizung der Vergütungsniveaus zwischen Privat- und Ver-/Entsorgungswirtschaft sich aktuell verschärfen dürfte, was für den Wettbewerb um qualifizierte Beschäftigte für die Branche erstmal kein gutes Zeichen ist.
Betrachtet man die prognostizierte Gehaltsentwicklung für die Gesamtwirtschaft im Rahmen der Kienbaum Gehaltsentwicklungsprognose für das Jahr 2024 zeigt sich eine erwartete Gehaltssteigerung von 4,7 Prozent. Bei Gegenüberstellung mit den geplanten Tariferhöhungen – beispielsweise im Tarifvertrag für Versorgungsbetriebe in Höhe von über 5,5 Prozent – könnte die Branche der Ver- und Entsorgungswirtschaft hier wieder etwas aufholen.
Außertarifliche Verträge nehmen zu
Der Umgang mit dem Thema der Vergütungsgestaltung zeigt bei Betrachtung der arbeitsvertraglichen Anstellungsverhältnisse in den Branchenunternehmen eine Entwicklung hin zu einer größeren Verbreitung von außertariflichen Anstellungsverhältnissen in der Belegschaft. Vor allem Funktionen ohne disziplinarische Führungsverantwortung und operative Führungsfunktionen werden heutzutage immer häufiger außertariflich vergütet.
Bei Fachfunktionen mit akademischem Hintergrund stieg die Verbreitung von außertariflichen Verträgen in den letzten fünf Jahren beispielsweise von fünf Prozent auf 13 Prozent und bei operativen Führungskräften (beispielsweise Teamleitungen) von drei Prozent auf elf Prozent an. Diese Entwicklung spiegelt unter anderem auch die gestiegenen Anforderungen und komplexeren Aufgaben in den Unternehmen wider und führt – nicht direkt abhängig von den Tarifabschlüssen – auch zu einem höheren Vergütungsniveau in der Ver- und Entsorgungsbranche.
Ausblick
Die geschilderten Erkenntnisse kommen aus dem Club-Vergütungsbenchmark Energie + Wasser + Entsorgung, der in seiner Art seit vielen Jahren zu den Größten auf dem deutschen Markt zählt. Die Untersuchung wird auch in 2024 wieder als geschlossener Kreis von Kienbaum und dem VKU durchgeführt; d. h. die Ergebnisse stehen also den Teilnehmern exklusiv zur Verfügung.
Darüber hinaus werden am 23.02.2024 zentrale Ergebnisse des Vergütungsbenchmark sowie das Tool anhand von Live-Beispielen im VKU-Personalnetzwerk vorgestellt. Anmeldungen für das digitale Treffen bitte per E-Mail an zentralabteilung@vku.de. (hp)
Die Autoren: Arne Sievert und Marvin Schmidt, Kienbaum Consultants International, sowie Josephine Grottschreiber, Verband kommunaler Unternehmen.
Der Beitrag wurde in der ZfK-Dezember-Ausgabe veröffentlicht. Zum Abo geht es hier.



