Auf dem Arbeitsmarkt fehlt es zunehmend an qualifizierten Fachkräften. Ob die eigenen Mitarbeiter bereit sind, ihren Arbeitgeber weiterzuempfehlen, wird daher zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor bei der Mitarbeitersuche. Eine zentrale Rolle spielen dabei neben den persönlichen Kontakten auch Arbeitgeberbewertungsplattformen im Internet.
Eine im Januar 2022 veröffentlichte Studie der Universität Paderborn mit Unterstützung des Industrieverbandes Büro und Arbeitswelt (IBA) hat nachgewiesen, dass dabei auch eine wichtige Rolle spielt, wie Büroarbeitsplätze gestaltet sind. So werde das Büro wegen neuer, hybrider Arbeitsplatzkonzepte vor allem als Ort der Begegnung, der kreativen Zusammenarbeit und der Kommunikation in den Fokus geraten.
Arbeitsatmosphäre hat großen Einfluss
Demnach haben besonders die sogenannten "Softfaktoren" einen entscheidenden Einfluss auf die Weiterempfehlungsbereitschaft. Als stärkster direkter Einflussfaktor erwies sich die Arbeitsatmosphäre, gefolgt von Vorgesetztenverhalten und interner Kommunikation.
Die wichtigste Voraussetzung für eine als positiv wahrgenommene Arbeitsatmosphäre ist hingegen der Zusammenhalt unter den Kollegen. Gestützt wird der positive Eindruck durch eine emotionale Verbundenheit mit dem Unternehmen. Physische und emotionale Belastung, Stress sowie als negativ empfundenes Verhalten von Führungskräften sind dagegen häufige Anlässe für negative Bewertungen der Mitarbeiter.
Büroräume sollten frei nutzbar sein
Auch flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, verschiedene Bürobereiche frei zu nutzen, leisten demnach einen besonders hohen Beitrag zur Zufriedenheit der Mitarbeiter. Dieser sei vergleichbar mit der Bedeutung von Karriere- und Weiterbildungsoptionen, Image, Work-Life-Balance sowie Gehalt und Sozialleistungen. Auch ein attraktives Arbeitsplatzdesign trage direkt und indirekt über ihren Einfluss auf die Bewertung der Arbeitsatmosphäre zur Weiterempfehlungsbereitschaft der Mitarbeiter bei.
Gleichzeitig wirkt sich die Möglichkeit, unterschiedliche Räumlichkeiten zu nutzen, positiv auf die Qualität der innerbetrieblichen Kommunikation aus, heißt es. Die Frage, ob in kleinen Büroeinheiten oder in größeren Räumen mit vielen Arbeitsplätzen gearbeitet wird, hat dagegen laut Studie keinen Einfluss auf die Weiterempfehlungsbereitschaft.
Mitarbeiter in Entscheidungen einbeziehen
Nach Einschätzung der Studienautor*innen könnte das daran liegen, dass die Bewertung des Bürolayouts von anderen Gestaltungsfaktoren überlagert wird. So werden offene Räume nur dann als positiv empfunden, wenn ausreichende Rückzugsmöglichkeiten für konzentriertes Arbeiten vorhanden sind.
"Eine Empfehlung für Arbeitgeber wäre daher, die Einflussfaktoren und Treiber von Weiterempfehlungen zu analysieren und zu nutzen, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren", sagt Katharina Radermacher, Lehrstuhl für Personalwirtschaft, Universität Paderborn. "Außerdem sollten die Mitarbeiter in Entscheidungen einbezogen werden, um Lösungen zu finden, die nicht an deren Bedarfen vorbeigehen."
Faktoren für Employer Branding nutzen
Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um die Arbeitsplatzkonzepte der Zukunft, die sich im Zuge der Pandemie intensiviert hat, raten die Expertinnen der Universität Paderborn Arbeitgebern dazu, das Potenzial der Arbeitsplatzgestaltung – neben der Fokussierung auf die relevanten weichen Faktoren – auch im Rahmen des externen und internen Employer Brandings zu nutzen.
"Hierzu sollte die Gestaltung der Arbeitsplätze nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für Bewerber sichtbar gemacht werden", sagt Anja Marie Herdejürgen, Lehrstuhl für Personalwirtschaft, Universität Paderborn. "Beispielsweise können Fotos oder 360-Grad-Rundgänge der Büros auf Karrierewebsites oder Bewerbungsportalen veröffentlicht werden." (jk)



