"Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen", sagt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen", sagt Bundesfrauenministerin Franziska Giffey.

Bild: © yurolaitsalbert/AdobeStock

Bei den 262 größten öffentlichen Unternehmen in Deutschland hat die Dynamik zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen spürbar nachgelassen. Der Frauenanteil in den Aufsichtsgremien stieg im Vergleich zum Vorjahr nur um magere 1,4 Prozentpunkte auf 32,2 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 30,8 Prozent gewesen. Damit liegt der öffentliche Sektor weiterhin gleichauf mit der Privatwirtschaft. Das ergibt der Public Women-on-Board-Index von FidAR (Initative "Frauen in die Aufsichtsräte") mit Stand zum 1. Januar 2020.

Immerhin sei der Frauenanteil in Top-Managementorganen zum Vorjahr um vier Prozentpunkte auf 22 Prozent gestiegen (2019 waren es 18 Prozent). Jedoch haben 14 Unternehmen (5,3 Prozent) eine komplett frauenfreie Führungsetage. Auch die Transparenz bei der Festlegung und Veröffentlichung von Zielgrößen bleibt laut Index unbefriedigend, von den 123 zielgrößenpflichtigen öffentlichen Unternehmen legen 49 (39,8 Prozent) keine Planungen für die Erhöhung des Frauenanteils vor.

Ziel der Bundesregierung ist Parität in Leitungspositionen

„Die Unternehmen des öffentlichen Sektors müssen mit gutem Beispiel vorangehen“, betont Bundesfrauenministerin Franziska Giffey. „Unser Ziel ist es, in den wichtigsten Bundesbeteiligungen bis Ende 2025 einen Frauenanteil von 50 Prozent in den Leitungspositionen zu erreichen. Dafür ist aber deutlich mehr Engagement notwendig. Es ist nicht hinnehmbar, dass so viele öffentliche Unternehmen keine oder kaum ambitionierte Zielgrößen veröffentlichen. Die Verschärfung von Sanktionen bei Nichtvorlage von Zielgrößen ist ein Baustein, mit dem wir hier den Druck erhöhen werden. Wir müssen das Potenzial der Frauen endlich nutzen – das gilt für privatwirtschaftliche Unternehmen und öffentliche gleichermaßen.“

Öffentliche Unternehmen sind Vorbilder

„Bund und Länder müssen endlich handeln. Es ist ein Armutszeugnis, wenn Unternehmen mit staatlicher Beteiligung nicht mal in Aufsichtsgremien einen Frauenanteil von einem Drittel erreichen. Hier sollten bei den Verantwortlichen längst die Alarmglocken läuten. Die öffentliche Hand hat bei der Gleichberechtigung eine Vorbildfunktion, entsprechend liegt die Messlatte höher“, erklärt FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow.

Wenn fünf Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen fast die Hälfte der zielgrößenpflichtigen Unternehmen keine Zielgrößen veröffentliche, sei das ein Alarmsignal, so Schulz-Strelow weiter.

Bundes- und Landesbeteiligungen nutzen Zielgrößen kaum

Da nur eines der untersuchten öffentlichen Unternehmen – die Hamburger Hafen und Logistik Aktiengesellschaft (HHLA) – unter die Quote fällt, spielen die Zielgrößen für das Aufsichtsgremium, das Top-Managementorgan und die obersten zwei Managementebenen im Public Sector eine bedeutende Rolle. 123 und damit weniger als die Hälfte der untersuchten Unternehmen unterliegen der Zielgrößenpflicht. Aber nur 74 (60,1 Prozent) haben mindestens eine Zielgröße festgelegt und benannt.

Und die wenigen veröffentlichten Planziele sind laut FidAR kaum ambitioniert: Mit 13 plant ein Drittel (33,3 Prozent) der 39 öffentlichen Unternehmen, die eine Zielgröße für das Top-Managementorgan angeben, mit Zielgröße Null. Von den 54 zielgrößenpflichtigen Bundesbeteiligungen legen zehn und damit fast jedes fünfte Unternehmen keine Zielgrößen vor (18,5 Prozent). Für das Top-Managementorgan haben von den 104 untersuchten Bundesbeteiligungen nur 29 eine Zielgröße veröffentlicht (27,9 Prozent). 15 und damit die Hälfte davon planen mit Zielgröße Null.

Berlin, Brandenburg und Hamburg beim Frauenanteil in Aufsichtsgremien vorne

Der detaillierte Blick auf die Bundesländer zeigt, dass beim durchschnittlichen Frauenanteil in den Aufsichtsgremien diejenigen Länder Spitzenpositionen einnehmen, in denen der jeweilige Public Corporate Governance Kodex (PCGK) auf Länderebene eine Empfehlung zur gleichberechtigten Teilhabe enthält.

Berlin, Brandenburg und Hamburg liegen wie im Vorjahr im Ranking vorne. In Berlin ist der durchschnittliche Frauenanteil in den Aufsichtsgremien der Landesbeteiligungen bei 55 Prozent. Die Schlusslichter Bayern, Saarland und Sachsen haben keinen PCGK bzw. haben im Falle des Saarlands erst seit dem vergangenen Jahr einen PCGK mit Diversity-Aussage. Auch wenn der PCGK nur Empfehlungen ausspricht, scheinen die Grundsätze guter Unternehmensführung offensichtlich das Engagement der Verantwortlichen für die gleichberechtigte Teilhabe in den Beteiligungen des Landes zu beeinflussen, so das Fazit von FidAR. (sg)

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