Sie machen einen Monat Elternzeit zwischen Ihren Positionen in Leinfelden-Echterdingen und Herrenberg. Ungewöhnlich für einen künftigen Stadtwerke-Geschäftsführer. Wie waren die Reaktionen im kommunalen Bereich?
Durchweg sehr entgegenkommend. Als technischer Leiter in Leinfelden-Echterdingen habe ich bereits im Juni einen Monat Elternzeit genießen können und jetzt dann also der zweite Monat vor dem Start in Herrenberg. So sehr ungewöhnlich ist das allerdings nicht. Ich sehe auch im kommunalen Bereich, dass dies insbesondere von Führungskräften deutlich stärker in Anspruch genommen und bei Entscheidungsträgern mehr und mehr befürwortet wird. Natürlich ist es aufgrund der oftmals angespannten Personalsituation nicht immer einfach, aber mit ausreichendem Vorlauf und relativ kurzer Dauer von einem Monat, stellt sich die Elternzeit tatsächlich nicht wesentlich anders dar als ein ausgedehnter Jahresurlaub. Wichtig ist meines Erachtens eine gute Planung. So ist auch mein Start in Herrenberg wegen guter Planung kein Problem, obwohl der Übergang nicht nahtlos erfolgen kann.
Möchten Sie in Herrenberg ebenfalls Akzente zur besseren Vereinbarung von Beruf und Familie setzen, auch in Führungspositionen?
Die Stadt Herrenberg bietet allen Mitarbeitern hier bereits tolle Möglichkeiten. Bei Führungskräften wurde die Stechuhr gegen gegen das Prinzip der Vertrauensarbeitszeit ausgetauscht. Wenn es die Stelle ermöglicht, können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch von zu Hause aus arbeiten. Allgemein reagiert die Personalabteilung sehr flexibel auf persönliche Umstände und gestaltet die Arbeitsverhältnisses entsprechend, zum Beispiel durch Teilzeitbeschäftigungen oder Job-Sharing. Die Möglichkeiten sollen gerade auch Führungskräfte nutzen können, das macht die Kommune im momentan leergefegten Arbeitskräftemarkt als Arbeitgeber attraktiv. Das möchte ich auch für Führungskräfte bei den Stadtwerken fördern.
Ich selbst habe festgestellt: Die Elternzeit erweitert den Blickwinkel. So gelingt es zu verstehen, warum Stadtwerke nicht nur als lokaler Stromversorger auftreten, sondern für die Bürgerinnen und Bürger auch eine ÖPNV-Sparte betreibt. Wenn jemand selbst auf die Bandbreite der Dienstleistungen der Kommune zurückgreift, kann er diese noch besser entwickeln und vorantreiben.
Wie gehen Sie speziell als Ingenieur an die Herausforderungen in Herrenberg?
Die Aufgaben von Stadtwerken werden zusehends komplexer. Immer wieder müssen neue Themenfelder ins Portfolio aufgenommen und professionell begleitet werden.
Breitbandversorgung, E-Mobilität und Speichertechnologien finden sich ebenso im Angebot kommunaler Versorger wie die Wasserversorgung oder der Betrieb von öffentlichen Badeeinrichtungen. Das alles wird besonders bei kleinen und mittleren Stadtwerken mit erstaunlich kleinen Teams umgesetzt. Auch die Stadtwerke Herrenberg betreuen ein sehr breit gefächertes Spektrum an Sparten. Ich halte es bei dieser Vielfalt für unabdingbar mit Entscheidungsgremien eine sehr offene Kommunikation zu pflegen, nur dann gelingt es den Überblick zu behalten und gemeinsam etwas zu gestalten. Man darf nicht außer Acht lassen, dass in einem Gemeinderat nicht nur Experten der Energiewirtschaft sitzen, hier sind nachvollziehbare Erklärungen für die komplexen Themen eines Stadtwerks erforderlich.
In Herrenberg möchte ich insbesondere auch für das Personal der Stadtwerke greifbar sein. Die Sparten- und Produktvielfalt, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat, kann nur dann erfolgreich weiterentwickelt werden, wenn das Team weiterhin so motiviert neue Aufgaben aufnimmt. Nur so konnte zuletzt zum Beispiel der Stromvertrieb etabliert werden. Für diese Sparte wurde lediglich eine Stelle im Vertrieb geschaffen, alles andere wie Marketing und Abrechnung wird seit Beginn in bestehenden Abteilungen zusätzlich zu bereits bestehenden Aufgaben mit abgewickelt. Ebenso wurde in Herrenberg das Geschäftsfeld Contracting und Energiedienstleistungen aufgebaut - ohne neue Stellen zu schaffen. Der Einsatz und das Engagement des Personals ist damit für mich die wichtigste zu fördernde Ressource. Dafür möchte ich mich einsetzen, um auch weiterhin mit dem städtischen Eigenbetrieb zum Wohle der Kunden einen wertvollen Beitrag in der kommunalen Entwicklung leisten zu können.
Die Fragen stellte Georg Eble



